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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. Seite 673

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Date
1921-12-30
Page
Seite 673 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 52 50. Dezember 1921 8. Jahrgang Vom Huf bau unseres Landes Für dem Keren Hajessod sollen alle Juden geben. Der Keren Hajessod, der Palästina- Gründungsfonds, ist das Fundament der jüdischen Kolonisation in Erez Israel; die Beteiligung der Gesamtjudenheit an ihm macht den Aufbau unseres Landes zu einer allgemein jüdischen Sache. Eben deshalb muß jeder Jude — Zionist oder Nichtzionist — wissen, was für die nächsten entscheidenden Jahre in Palästina geplant ist. Antwort darauf gibt das Palästina-Programm des XII. Zionistenkongresses. Es verdient weiteste Verbreitung; denn es verrät ernsthaften Willen zu klarster Sachlichkeit. Wir haben das Programm seinerzeit zum Abdruck gebracht — wer sich damit beschäftigte, wird zugeben, daß die geplante Verwendung des Palästinafonds vernünftig ist —, vielleich wifd er finden, daß, gemessen an der Größe der Aufgabe, eine nur durch die Beschränktheit der Mittel gerechtfertigte Sparsamkeit gewaltet hat. Das wird dazu beitragen, echten Zionsfreunden auch unter den Gegnern des Zionismus das notwendige Vertrauen zum Aufbauwerk zu geben. Vertrauen bedeutet nicht Verzicht auf Kontrolle oder Mitbestimmungsrecht. Im Gegenteil; jede Verschärfung der Kontrolle wird dann erwünscht sein, wenn sie lebendigem Interesse und wirklichem Verständnis entspringt. — Die Beschäftigung mit den Fragen der palästinensischen Kolonisation wird im übrigen jeden Ernsthaften zu der Erkenntnis führen, daß nur die zionistische Organisation Trägerin des Aufbauwerkes sein könne, wenigstens soweit es mit öffentlichen Mitteln durchgefuhirt werden muß. Wer wollte bestreiten, daß die intensive Anteilnahme der Zionisten an allen Fragen der jüdischen Heimstätte ihnen in dieser Hinsicht ein gewisses moralisches, politisches und wirtschaftliches Übergewicht gegeben hat. Es sind Zionisten, die nach Palästina gehen, nicht als Schnorrer, sondern als landwirtschaftlich und handwerklich ausgebildete Chaluzim, als echte Pioniere. Es sind vorerst wenigstens Zionisten, die Maaßeir für Keren Hajessod geben — fünf Jahre lang 10 Prozent vom Einkommen, einmal 10 Prozent vom Vermögen. — Langjährige zionistische Arbeit hat wenigstens einige — fast die einzigen — Palästinasachverständigen. erzogen: Namen wie Ruppin, Brünn, Soskin, Öttinger, Trietsch, Willkansky, Warburg, Dyk mögen genügen. — Dann aber ist es die zionistische Organisation, die sich im Laufe der Jahre einen palästinensischen Beamtenstab geschaffen hat, der gewiß noch nicht immer seinen Aufgaben: gewachsen ist, ohne den aber Weiterarbeit schwer denkbar wäre. Die Zionistische Weltorganisation ist überdies gemäß dem Mandatsentwurf die „Jewish Agency“, die Vertretung der Gesamtjudenheiit in Palästina. Den Versuch der Agudas Jisroel, gleichfalls als „Jewish Agency“ anerkannt zu werden, hat die englische Regierung zurückgewiesen, wie sie, den politischen Verhältnissen und Abmachungen Rechnung tragend, jeden ähnlichen Versuch zurückweiiseni würde. — Wenn die Nichfzionisten erst einmal nach Palästina gehen und für den Aufbau die ihrer finanziellen Kraft angemessenen Mittel stellen werden, wird die zionistische Jewish Agency zweifellos durch eine allgemein jüdische abgelöst werden. Bedeutet nun die Unterstützung des Palästinaaufbaus durch Beteiligung von Nichtzionisten am Keren Hajessod tatsächlich eine Unterstützung der Zionistischen Organisation? — Nur der Unorientilerte wird diese Frage bejahen können. Jedem andern dürfte es klar sein, daß der Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzionisten mit Palästina nichts zu tun hat, daß er ein typisches Diasporaproblem ist. Die großen nichtzionistischen Organisationen haben immer wieder ihre Sympathie für den Gedanken des jüdischen Palästina zum Ausdruck gebracht; noch' in letzter Zeit haben wir von Beschlüssen und Erklärungen des Rabbinerverbandes, der U.O.B.B.-Logen, der neutralen Jugendvereine und zahlreicher prominenter Nichtzionisten für den Keren Hajessod gehört. Sie alle haben erkannt, daß der Streit nicht um Palästina, sondern lediglich um die Stellung der Juden zum Staatsvolk und seine Kultur geht. Nur hier wird es schwer sein, sich zu einigen; denn dieser Gegensatz ist grundsätzlich und tief und konnte bisher selbst durch die positive Stellung der Zionisten zum Staat, durch ihre vorbehaltlose Anerkennung ihrer Staatsbürgerrechte- und pflichten nicht überbrückt werden. Die Mitwirkung von Niehtzionsten am Keren Hajessod aber tangiert diese wirkliche Streitfrage nicht im geringsten und läßt ihnen alle Freiheit der Überzeugung und der Vertretung ihrer Ansichten. Auch nach außen ist eine Schwächung ihrer Position keinesfalls zu erwarten, schon wegen der vorsichtigen Fassung der Balfourdeklaration, die auf besonderen zionistischen Wunsch feststellt, daß bei der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina nichts geschehen solle, was die Lage des Diasporajudentums verschlechtern könne. Ja, die Gegner des Zionismus haben allen Grund es zu begrüßen, daß Energie, Menschen und Mittel der zionistischen Organisation in steigendem Maße für Palästina eingesetzt werden; wenn sich die gewaltige Energie einzig in der Diaspora auswirken würde, so hätte das längst entscheidende Veränderungen in der Struktur auch des deutschen Judentums zur Folge gehabt. Aber so darf man die Dinge nicht betrachten. Man sollte endlich menschlich und jüdisch groß genug sein, um die wichtigsten Fragen der jüdischen Zukunft dem Streit der Parteien entzogen und sie rein sachlich behandelt wissen zu wollen. Die großen politischen Erfolge des Zionismus in der Palästinafrage sind nun einmal da; die Welt hat von ihnen Kenntnis genommen; Juden, Judenfreunde und Judenfeinde erwarten gespannt jüdische Leistung. Die Ehre des jüdischen Namens ist mit der jüdischen Kolonisation verknüpft. Das Mißglücken des Werkes würde den Antisemiten Recht geben, die den Juden die Fähigkeit zu schöpferischem Schaffen absprechen. — Darüber

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