Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 47 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- Seite 597 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 47 25. November 1921 8. Jahrgang Zur Araberfrage in Palästina Diie Lösung des Araberproblems gehört zu den schwierigsten Aufgaben des palästinensischen Aufbaues. Eine Stellungnahme dazu läßt sich nicht mehr umgehen. Wir haben unsere Meinung zu dieser Frage im vorliegenden Heft deutlich zum Ausdruck gebracht; immerhin möchten wir unseren Lesern auch andere Ansichten nicht vor enthalten. Denn wesentlich vor allem ist die Überwindung der bestehenden Unklarheit, Unsicherheit und Nervosität; Stellungnahme ist die notwendige Voraussetzung einheitlicher Willensbildung. Mögen Klarheit und Verantwortungsfreudigkeit, nicht Doktrinarismus und Zaghaftigkeit unser zukünftiges Verhalten bestimmen. Möge sich neben der uns allen gemeinsamen Bereitschaft zu friedlicher Zusammenarbeit mit der gegenwärtigen Majorität des Landes der feste Wille des jüdischen Volkes durchsetzen, Krisen und Widerstände durch gesteigerte Tätigkeit für Palästina und in Palästina zu überwinden. Die Entschließung des XII. Zionistenkongresses zum Äraberproblem Die feindliche Haltung der durch gewissenlose Elemente verhetzten Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas, die in blutigen Gewalttaten zum Ausbruch gekommen ist, kann weder unsere Entschlossenheit zur Errichtung des jüdischnationalen Heimes schwächen, noch unseren Willen, mit dem arabischen Volk in einem Verhältnis der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben und iim Bunde mit ihm die gemeinsame Wohnstätte zu einem blühenden Gemeinwesen zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert. Die zwei großen semitschen Völker, die schon einmal das Band gemeinsamer kultureller Schöpfung verknüpfte, werden auch in der Stunde ihrer nationalen Wiedergeburt ihre Lebensinteressen zu gemeinschaftlichem Werk zu vereinigen verstehen. Der 2. November u. seine Lehren Am Deklaratiionstag ist in Palästina, das wir, künftige Entwicklung vorwegnehmend, Erez Jsrael nennen, wiederum Blut geflossen. Vier Juden, ein Araber, sind gefallen; 35 Verwundete auf beiden Seiten vermehren die Zahl der Opfer. Im übrigen ist alles wie immer: die amtlichen Depeschen, die Meldungen über die Verhaftung der einzelnen Ruhestörer, die Ankündigung ihrer strengen Bestrafung und energischer Regiierungsmaßnahmen und die Nachricht, daß nach „einigen Schießereien und Stechereien“ die Ruhe endgültig wieder hergestellt worden sei. Da auch das übliche Bedauern offizieller arabischer Persönlichkeiten, des Großmufti, des Bürgermeisters, des Gerichtspräsidenten, des Vorsitzenden des Palästinensischen Kongresses, der Spitzen der einzelnen Religionsgemeinschaften nicht fehlt, und da die beglaubigte oder unbeglaubigte Nachricht, General Storrs, der englische Gouverneur von Jerusalem, sei von den begeisterten Mordgesellen als ihr Protektor gefeiert worden, pflichtgemäß dementiert wird, so könnte man ja den „Vorfall“ mit der Zionist Commission für erledigt halten und das nächste Ereignis ähnlicher Art erwarten. Bis dahin werden wahrscheinlich einige Monate vergehen, die man nutzbringend mit Protesten, Demonstrationen, Proklamationen und Forderungen ausfüllen kann. So wird man wahrscheinlich wiederum feststeilen, daß die Regierung es an der nötigen Umsicht und Kraft habe fehlen lassen, daß vor der endgültigen Bestätigung des Mandates keine Beruhigung der Verhältnisse im Lande zu erwarten sei und daß es offenbar Leute gibt, die hoffen, durch dauernde Zwischenfälle in Palästina die Stellung des Zionismus in London zu verschlechtern. An solche Feststellungen wird man die zwar nicht neue aber immerhin beruhigende Mitteilung knüpfen, daß die Masse des arabischen Volkes derartigen Unruhen völlig fern stehe und daß ihre Anstifter lediglich in den Kreisen des arabischen Großgrundbesitzes, der Halbintelligenz und nicht sehr weit von jener unglückseligen Delegation zu suchen seien, die mit so negativem Erfolg in London und anderswo gegen den Zionismus tätig ist. — Wer vermag im Ernst zu wähnen, dadurch irgend etwas zu ändern? Welcher Einsichtige will noch auf Reden, Proteste und Proklamationen vertrauen und kämen sic selbst von der Tribüne eines Zionistenkongresses! Ist es, nach allem, was geschah, erlaubt, anzunehmen, die hübsche historische Reminiszenz „gemeinsamer kultureller Schöpfung der zwei großen semitischen Völker“ werdegegenwärtige Abneigung vergessen lassen, die verjährte spanische Episode Gegner von heute zu friedlichen Verbündeten von morgen machen? Eigentlich sollten wenigstens wir Zionisten darauf verzichten, an den Geschehnissen vorbei zu reden. Sonst pflegten gerade wir in solchen Fällen für Deutlichkeit zu sorgen. Glauben wir doch, eine besonders gute Vorstellung von den letzten Gründen zu haben, die zu Konflikten zwischen den Nationen führen. Oder sind wir etwa geneigt, den Judenhaß in Deutschland im wesentlichen der Agitation des deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbundes zuzuschreiben, die Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen nur den alldeutschen und alltschechischen Blättern, die zwischen Engländern und Irländern der Agitation Sinnfeins und Sir Edward Carsons? Und wir sollten glauben, daß die mohammedanischchristlichen Organisationen in Jaffa und, Jerusalem oder das arabische Palästina-Komitee in Kairo oder sonst wer die Macht haben könnten, das arabische Volk zu antiijüdischer Aktion fortzureißen, wenn nicht in weiten Kreisen dieses Volkes eine tiefe Abneigung gegen die Juden und ihre Einwanderung bestünde? Gewiß sei zugegeben, daß die Explosionen, die wir in Jerusalem, in Jaffa, Haifa und Nordgaliläa erlebten, einen ihrer Gründe in der bekannten, vop