Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 46 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- Seite 586 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9215943--04455-9196028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
586 Das Jüdische Echo Nr. 46 Mit unseren Chaluzim hätten die Kolonisten die besten Erfahrungen gemacht. Auch Leute* die in westdeutschen Bergwerken und Fabriken gearbeitet haben, hätten sich gut bewährt. — Wer nicht nach Palästina gehen könne, müsse sich für den Keren Hajessod betätigen. Die Maaßerpflicht müsse unbedingt ernst genommen und der Kongreßbeschluß, daß niemand ein Ehrenamt bekleiden könne, der seiner diesbezüglichen Pflicht nicht genügt habe, unter allen Umständen durchgeführt werden. — Der Antrag des Vorstandes, der Möglichkeit der Einbeziehung der Zionistensteuer in die Maaßervcrpflichtung fordert, solle zurückgestellt werden, bis die von der Zion. Vereinigung für Deutschland bearbeitete Steuerordnung erschienen sei. Er, Redner, beurteile den Antrag günstig. Die Verhandlungen mit den Nichtzionisten über den Keren Hajessod gingen weiter. Er möchte bemerken, daß wir eine Sabotierung des Keren Hajessod durch Nichtzionisten als Kampfansage betrachten und mit Kampf beantworten würden. Rechtsanwalt Rosenblüth beschäftigt sich nun mit den Ausführungen der einzelnen Diskussionsredner. Er gibt zu, daß das Palästinaamt in Berlin Fehler gemacht haben könne. Es sei aber vielfach abhängig von anderen Palästinaämtern und leide unter seiner Überlastung. Zu den Ausführungen Dr. Schlesingers über Binjan Haarez erklärt Redner, das Basler Programm dürfe nicht Ziel, sondern müsse Ausgangspunkt zionistischer Erziehung sein. — Die Förderung der hebräischen Sprachbewegung sei eine Notwendigkeit, wenn man den Zusammenhang mit der zionistischen Bewegung nicht verlieren wolle. Hier lägen große Aufgaben der Ortsgruppen. Das wichtigste sei die Förderung der Chaluzbewegung. Durch die Einstellung auf Palästina und die Überführung der Jugend zu palästinensischen Berufen allein könne die Krise in unserer Jugendbewegung, die sich im Blau-Weiß wie im K. J. V. geltend mache, überwunden werden. Daß die zionistische Propaganda nicht vernachlässigt werden dürfe, sei selbstverständlich. Öffentliche Versammlungen seien schon mit Rücksicht auf die Zionisten selbst nötig. Besonders wirksam sei persönliche Propaganda. Auch Broschüren würden am besten persönlich weitergegeben. Alle zionistische Arbeit sei gleichwertig, die von ernstem Verantwortungsgefühl getragen sei. Er hoffe, daß uns der Gruppenverbandstag ein großes Stück weiter gebracht habe. (Langanhaltender Beifall.) Nun folgten Verhandlungen über die Anträge des Vorstandes und diie Statuten sowie die Initiativanträge einzelner Delegierter. Die angenommenen Anträge wurden bereits veröffentlicht. Schließlich fanden die Wahlen zum Geschäftsführenden Ausschuß des Gruppenverbandsvorstandes statt. Zum Vorsftzenden wird Dr. Nußbaum unter großem Beifall w i e d e r g e w ä h 11. Herr Dr. Nußbaum nimmt die Wahl mit Dank an. Zu Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses werden die Herren Karl Glaser und Dr. Geßner gewählt. Eine Anfrage des Herrn D r. Mayer-Nürnberg, ob Beamte der zionistischen Organisation an der Leitung teilnehmen dürfen, wird von Herrn Rechtsanwalt Rosenblüth bejaht. Herr Glaser nimmt seine Wahl an und erklärt, weiter sein Bestes tun zu wollen. (Beifall.) — Die Vertreter der Gruppen sind statutengemäß von diesen zu nominieren. D r. Straus dankt den Delegierten für ihre. Arbeit. Die Tagung sei ein Erfolg gewesen. Dr. Nußbaum dankt dem Präsidium des Gruppenverbandstages und wünscht dem Gruppenverband erfolgreiche Arbeit im nächsten Jahre. Justiz - Rat Dr. Fränkel- München wünscht, daß der Geist «des Gruppenverbandstages, die Festesstimmung, die über ihm lag, auch auf den Werktag zionistischer Arbeit übergehen möge und daß alle Delegierten etwas von der Zuversichtlichkeit und dem starken Willen dieser Verhandlungen in ihre Ortsgruppen mitnehmen mögen. (Starker wiederholter Beifall.) An die öffentlichen Verhandlungen schlossen sich vertrauliche Mitteilungen des Vorsitzenden der Zion. Vereinigung für Deutschland Schluß des Gruppenverbandstages nach 9 Uhr abends. Zur Eintragung des Gruppenverbandstages in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds wurden während der Verhandlungen Mk. 4100.— gespendet. Die Aktion für die Zionistensteuer in München, die während der Anwesenheit des Herrn R.-A. Rosenblüth in Nürnberg ihre Fortsetzung fand, ergab sehr günstige Ergebnisse. Die Aktion dauert fort. Am 8. November sprach R.-A. Rosenblüth über dasselbe Thema wie in München in Nürnberg. Nach der Versammlung fand ein Zusammensein statt, an dem zahlreiche Zionisten und Nichtzionisten teilnahmen. — Das religionsgesellschaftliche Steuergesetz (Freistaat Bayern Nr. 33249.) Der Landtag des Freistaates Bayern hat auf Grund des Art. 137 Abs. 5, 6 und 8 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919 und des § 18 Abs. III der bayerischen Werfassungsurkunde vom 14. August 1919 folgendes Gesetz beschlossen: Art. 1. Die Religionsgesellschaften und Religionsgemeinden (Pfarr-, Mutter- und Tochtergemeinden) des öffentlichen Rechtes sind befugt, für ihre Zwecke gleichmäßige Zuschläge (Umlagen) zu den Reichs- und Landessteuern nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen zu erheben. Art. 2. Die unter Art. 1 fallenden Religionsgesellschaften — in der katholischen Kirche die Diözesen — und Religionsgemeinden (Pfarr-, Mutter- und Tochtergemeinden) bilden Steuerverbände. Art. 3. I Jeder Steuerverband muß eine Vertretung haben. II Ihre Zusammensetzung, Berufung oder Wahl, Ersetzung und Austritt ihrer Mitglieder, dann ihr Geschäftsgang sind durch eine Satzung zu ordnen, deren Erlassung den Religionsgesellschaften oder Religion sgem ein den öffentlichen Rechtes nach Maßgabe ihrer eigenen Verfassung überlassen wird; Religions gemeinden, die keiner Reiigilonsgesellschaft, jedoch einem Verbände