Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 46 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Das Jüdische Echo Nr. 46 stützen konnte, geendet habe. Er legte schließlich den Verlauf der Keren Hajessod-Verhandlungen des Kongresses dar, ging auf das auf dem Kongreß bewilligte Budget ein und beschäftigte sich mit dem Stand der Keren Hajessod-Aktion in der Welt. Nach Amerika würden jetzt unsere besten Männer geschickt, um dort die Arbeit zu beginnen, ln Deutschland habe man die Keren Hajessod- Aktiion unter den Zionisten mit relativ gutem Erfolg durchgeführt. Von nichtzionistiischen Organisationen habe man den Rabbinerverband, den neutralen Jugendlverband und die Großloge gewonnen. Der Zentralverein habe eine Resolution gegen die Beteiligung am Keren Hajessod gefaßt; man müsse auf eine Revision dieses Beschlusses hoffen. Mit hervorragenden Männern des jüdischen Deutschlands stände man in langwierigen aber aussichtsreichen Verhandlungen über ihre Beteiligung an der Aktion. Leider hätten noch nicht alle Zionisten ihre Pflicht erfüllt. Dies und die zunehmende Geldentwertung in Deutschland, die eine Erhöhung bisher geleisteter Zeichnungen erforderlich mache, bedinge die Einsetzung einer Revisionskommission zur Nachprüfung schon getätigter Zeichnungen. Redner behandelt jetzt die Aussichten unserer Kolonisation und zeigt, warum diese, insbesondere die Landwirtschaft, unter den heutigen Verhältnissen Zuschußwirtschaft sein müsse. Er behandelt die Frage der Privatinitiative, beschäftigt sich mit den Möglichkeiten von Handel und Industrie, stellt aber fest, daß Landwirtschaft die Grundlage jeder Arbeit sein müsse. Die Politik der zionistischen Leitung könne uns unsere Aufgabe erleichtern und Schwierigkeiten, die sich der Kolonisation in den Weg stellen, aus dem Wege räumen. Wir brauchten auch unter den heutigen Verhältnissen eine politische Führung, die Beziehungen zu den Großmächten, ja zu allen Ländern der Welt und vor allen Dingen zu den Arabern aufrecht erhalten müsse. Nochmals auf die Struktur des Keren Hajessod eingehend, schildert Redner an Hand des Budgets, in welcher Weise die Gelder verwendet werden sollen. Freilich müsse dafür gesorgt werden, daß sich unsere Mittel nicht nur in den laufenden Ausgaben erschöpfen, sondern daß wirklich Geld für den Aufbau aufgebracht werde. Von den eingehenden Beträgen solle der Nationalfonds 20% erhalten, 50% sind für laufende Ausgaben. 30% für rentable Anlagen bestimmt. Die beabsichtigte Zinszahlung aus diesen 30% sei vorläufig nicht möglich und käme erst nach Verlauf von 5 Jahren in Betracht. Augenblicklich käme alles darauf an, mit größter Energie für den Keren Hajessod zu arbeiten. Unsere Leistungspflicht erschöpfe sich nicht in der Hingabe von Mitteln, wir müßten auch Zeit und Kraft einsetzen. Der Gruppenverband müsse im nächsten Jahre seine Tätigkeit noch intensivieren. insbesondere seien die kleinen Gemeinden mehr zu berücksichtigen. Redner schließt mit den Worten des Kongreßmanifestes an das jüdische Volk. (Lebhafter Beifall.) Dr. Straus-München spricht über Gemeindepolitik. Er zitiert das Wort Theodor Herzls über die Eroberung der Gemeindestuben und geht auf die Anschauungen Achad Haams über die Beteiligung an den Aufgaben der Diaspora ein. Die jüdische Gemeinde sei eine Zelle des jüdischen Gesamtorganismus, als dessen Teil sie steh fühlen müsse; nichts Jüdisches dürfe ihr fremd bleiben. Die Aufgaben der Gemeinden seien nicht rein religiös begrenzt, sie erstreckten sich auf soziales und nationales Gebiet. Deshalb sei eine wesentliche Forderung die Einfügung der Ostjuden als gleichberechtigte Angehörige in die Kultusgemeinden. Freilich ginge der Widerstand dagegen nicht nur von den Gemein den aus, sondern ergäbe sich auch aus dem kürzlich veröffentlichten religionsgesellschaftliichen Steuergesetz. — Unsere Gemeindepolitik sei eindeutig bestimmt, wir verträten die Gleichheit aller Gemeindeangehörigen, verneinten daher jeden Unterschied zwischen In- und Ausländern innerhalb der Gemeinde und forderten überall demokratisches Wahlrecht und demokratische Zusammensetzung der Verwaltungen. Wir verlangen die Teilnahme der Gemeinde an den großen Aufgaben des Gesamtjudentums, am Aufbau Palästinas, an einer wirklich jüdischen Erziehung der Jugend, an produktiver Ostjudenfürsorge. Mancherlei sei in letzter Zeit, besonders in München erreicht worden. Für einige prinzipielle Forderungen seien vorläufig die Aussichten gering. Deshalb müsse erklärt werden, daß wir zwar noch bereit seien, unsere beste Kraft an die Gemeindearbeit zu setzen, daß es aber auf die Dauer nicht möglich sein könne, in der Weise wie bisher mitzuarbeiten, wenn es sich herausstellen würde, daß insbesondere in der Ostjudenfrage — aber auch in der Palästinafrage — unsere Forderungen unerfüllt bleiben würden. Redner schließt unter starkem Beifall, indem er darauf hinweist, was der Zionismus für die Stärkung jüdischer Gesinnung in den Gemeinden, was er an positiver Arbeit auf allen Gebieten geleistet habe. L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass