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Das jüdische Echo · 1921-11-11 · 45 (11.11.1921) · p. Seite 574

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
45 (11.11.1921)
Date
1921-11-11
Page
Seite 574 (sequence 11)
Language
German
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574 Das Jüdische Echo Nr. 45 heit immerhin erfreulich, daß die Judenheit wenigstens in der Person ihres Seelenhirten von der haute volee als sozial gleichberechtigt anerkannt werde. Nur einige auch sonst als Miesmacher Bekannte maulten, bloß eine Schafherde könne es erfreulich finden, wenn die Wölfe ihrem Hirten großmütigst gestatten, ein bißchen mit ihnen zu heulen. Die fünf zurückgewiesenen Srores vollends waren natürlich aufs Höchste entrüstet und aufs Tiefste gekränkt. Sie trugen sich sogar ernsthaft mit dem Gedanken, nach Schilda auszuwandern und dieser Stadt ihre ganze ansehnliche Steuerkraft zuzu wenden. Der Ausbruch der großen proletarischen Revolution in Schilda hielt sie zwar von der Verwirklichung dieses Vorhabens ab, sie rächten sich aber auf andere Weise, indem sie ihrerseits zur Gründung einer neuen, nicht minder „exklusiven“ Gesellschaft schritten. Diese tauften sie, um ihre vollkommene Ebenbürtigkeit mit der „Harmonie“ schon im Namen auszudrücken, auf gut deutsch: „Einklang.“ Auch der „Einklang“ hatte schon beim Start eine gefährliche Klippe zu umschiffen. Da seinen Gründern ein Vorstand, von dem der Glanz eines alten Raubritterwappens ausstrahlte, leider nicht zur Verfügung stand, legten sie umso größeres Gewicht darauf, nur solche Mitglieder aufzunehmen, die sich an Bildung und Besitz wenigstens annähernd mit ihnen selbst messen konnten. Was die Bildung anlangt, so war diese Aufnahmebedingung ja nicht allzu drückend. Aber der Besitz?! Das starre Festhalten an dem auf gestellten Grundsatz hätte u. a. die Folge gehabt, daß der Rabbiner nicht hätte aufgenommen werden können. Denn sein Vorrat an Schätzen beschränkte sich im wesentlichen auf solche des Wissens. Die N i c h t aufnahme des Rabbiners in einen jüdischen Geselligkeitsverein wäre aber auch ohne seine gleichzeitige Aufnahme in einen antisemitischen denn doch selbst für Schöppenstedter Verhältnisse des Paradoxen ein bißchen viel gewesen. Dazu kam, daß die Verehrer der „schönen Gane“, wiie die Rabbinerstochter in jüdischen Kreisen hieß, die Aufnahme ihres Vaters stürmisch verlangten. Kurzum: auch der „Einklang“ mußte sich wohl oder übel dazu bequemen, für den Rabbiner eine Ausnahme von seinen sonstigen Aufnahmegrundsätzen zuzulassen. — Dentist H. ULLMANN München, Baaderplatz 1/1, Tel. 25904 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik So gab es denn glücklich in Schöppenstedt neben einer „Harmonie“ mit exklusiv arischem einen „Einklang“ mit exklusiv kapitalistischem Charakter. Der einzige Nichtarier beziehungsweise Nichtkapitalist, der in diese vornehmen Zirkel Eingang fand, war und blieb der Rabbiner. Als Kenner der reinen und Meister der praktischen Vernunft wußte dieser indessen seine schwierige gesellschaftliche Doppelstellung aufs Würdigste zu behaupten. Sein Ansehen war denn auch in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen das gleiche. Noch in dem Schreiben, in welchem ihm nach einem Vortrag des Hofpredigers Stöcker sein freiwilliges Ausscheiden nahegelegt wurde, drückte die „Harmonie“ ihr aufrichtiges Bedauern aus, sich „nicht mit ihm im Einklang befinden zu können,“ und der „Einklang“ wiederum bezeugte an seinem offenen Grabe, „daß kein Engel je würdiger war, sowohl in die hiesige, als auch in diie ewige Harmonie aufgenommen zu werden.“ Noch trefflicher als der Engel vater schickte sich aber das Engels k in d in seine komplizierte gesellschaftliche Lage. Die „schöne Gane“ bezauberte in gleicher Weise ihre antisemitischen Tänzer in der „Harmonie“ wie ihre jüdischen im „Einklang“. Sie verheiratete sich zweimal: erst mit dem Vorstand der „Harmonie“, dem Reichsfreiherrn von* Habenichts, dann mit dem Vorstand des „Einklang“, dem Kommerzienrat Fröhlich. Ersterer trat, da sie zu Lebzeiten ihres Vaters mit förmlicher Koketterie an ihrem Judentum festhielt, des Einklangs halber ebenfalls zum Judentum über. Letzterer ließ sich, da sie nach dem Tode ihres Vaters sich taufen ließ, der Harmonie wegen gleichfalls taufen. Der jüdische Proselyt, den sie machte, ließ sich von ihr scheiden, weil sie ihm mit einem Christen, der christliche, weil sie ihm mit einem Juden die Treue brach. So bringt das Schicksal, das mächtiger ist, als Geist und Wille der Menschen, Harmonie und Einklang auch in Schöppenstedt schließlich doch immer wieder in wohltuende Übereinstimmung. — Spendenausweis Münchner Spendenausweis. Nationalfonds: J. Schachno grat. Karl Glaser herzl. zur Verlobung 10.—, derselbe kond. Hrn. Dr. B. Weiß herzl. 10.—, Aron Kohn Thoraspende 40.—, Sigm. Schwager, Cham L Pf. 50.—, gesammelt bei Verlobung Davidsohn-Gittler 250.—. Lisi Koronczyk s. A. Garten: Paul Koronczyk m. Frau anl. der 3. Jahrzeit 8. Chesch- H A U S KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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