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Das jüdische Echo · 1921-10-21 · 42 (21.10.1921) · p. Seite 536

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
42 (21.10.1921)
Date
1921-10-21
Page
Seite 536 (sequence 14)
Language
German
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536 Das Jüdische Echo Nr. 42 Bei dieser Gelegenheit sei eine der unverständlichsten Maßnahmen des Berliner Demobilmachungsamtes" erwähnt, das bei dem notorischen Mangel an Schneidern den Meistern diie Einstellung von Gesellen, die vor dem 1. August 1914 nicht in Berlin beschäftigt waren, verbietet. Gesuche um Befreiung von dem bestehenden Verbot werden bei Ostjuden fast immer abgeschlagen. III. 50—70% der sich Meldenden konnte durch die Vermittlung der jüdischen Arbeitsämter unterbracht werden. Der Prozentsatz der Untergebrachten schwankt für die einzelnen Monate und Gegenden, da örtliche Verhältnisse, Jahreszeit und besondere Vorkommnisse, Streiks usw. hierbei mitsprechen. Seit Anfang 1920 steigt diese Zahl mit der Besserung des deutschen Arbeitsmarktes ständig. Für das rheinisch-westfälische Industriegebiet beträgt im Januar und Februar ds, Js. der Prozentsatz der in Arbeitsstellen Untergebrachten etwa 90% dier Meldungen. Gewisse Kategorien gelernter Arbeiter werden in Deutschland verlangt und können ohne Mühe in ihrem Fach Beschäftigung finden. Es handelt sich hier z. B. um gut gelernte Schneider, Schuster, Schäftemacher, Tischler, Schreiner, Zimmerleute, Maler, Schlosser, Schmiede und Elektromonteur«. Selbst so weit entsprechende deutsche Arbeiter vorhanden sind, ist die Besetzung der freien Stellen in manchen Gebieten schwierig, da der schwer bewegliche, angesessene und oft verheiratete deutsche Arbeiter für den interlokalen Stellenausgleich schwer zu verwenden ist. Der ostjüdische Arbeiter, der fremd nach Deutschland kommt, ist beliebig zu verschicken. Auch nimmt er mit der primitivsten Schlafstelle vorlieb, sodaß er durch die Wohnungsnot nicht in dem Maße wie der deutsche Arbeiter gehindert wird. Schwierigkeiten stellen sich dagegen der Unterbringung ungelernter Arbeiter entgegen, zu welchem auch diejenigen Kategorien gelernter Arbeiter gerechnet werden müssen, deren Gewerbe augenblicklich in Deutschland brach liegt. (Z. B. Schlächter, Bäcker.) Es sind dies weit mehr als 50% aller sich Meldenden. In den ersten Monaten nach der Demobilmachung erschien als die einzige Möglichkeit die Unterbringung ungelernter Arbeiter in der Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft litt durch das Herausziehen der Kriegsgefangenen und das Ausbleiben der polnischen Wanderarbeier an Leutenot. Es war ein Experiment, das das Jüdische Arbeitsamt nur aus Not gezwungen unternahm, als es städtische Arbeiter auf das Land brachte. Ebenso wie bei den Versuchen mit den arbeitslosen deutschen Stadtarbeitern mißglückte dies zum Teil. Denn die Verhältnisse in der deutschen Landwirtschaft, mit ihren geringen Löhnen, ihrer schlechten Behandlung und primitiven Wohnverhältnissen, die auf die anspruchslosen polnischen Wanderarbeiter zugeschnitten waren, zeigten sich iin vielen Fällen unerträglich für den städtisches und jüdisches Milieu des Ostens gewöhnten Arbeiter. Immerhin bewährte sich eine verhältnismäßig große Zahl, sodaß das Arbeitsamt auch in diesem Jahre ostjüdische Arbeit er in geringem Maße nach sorgfältiger Auswahl in die Landwirtschaft vermittelte. Als besonders gute Landarbeiter bewiesen sich die Chaluzim *), die durch ihre Einstellung auf diie Landarbeit in Palästina für die Umschichtung besondere psychische Energien mitbrachten. Ungelernte Arbeiter in die Industrie unterzubringen, schien in den ersten Monaten nach der Demobilmachung unmöglich. Der deutsche Arbeitsmarkt war überfüllt mit ungelernten Arbeitern, und die Vorschriften des Demobilmachungsamtes verhinderten die Unternehmer in den meisten Großstädten, besonders aber iln Berlin selbst, neu hinzugezogene Arbeiter einzustellen. Beii einem genaueren Beobachten des Arbeitsmarktes stellte sich aber heraus, daß nach wenigen Monaten im einigen Haupt Zentren der deutschen Industrie, vor allem im rheinisch-westfälischen Industriegebiet der Arbeitsmarkt für neue Arbeiter aufnahmefähig war. Zuerst verlangten die Kohlenzechen neue Arbeitskräfte, da vor allem anderen die Kohilenproduktion gesteigert werden mußte und die alte Belegschaft bei der Schichtverkürzung, der Unterernährung, den Kriegsverlusten und dem Ausbleiben der ausländischen, besonders der italienischen Arbeiter nicht ausreichte. Nun begannen auch immer mehr Zweige der Industrie neu zu arbeiten, denn sie mußten nicht nur den Bedarf des ausgehungerten deutschen Warenmarktes befriedigen, sondern auch Lohnarbeit fürs Ausland übernehmen, um einen Gegenwert für die notwendige Lebensmitteleinfuhr zu haben. Es handelt sich hier um eine Tendenz, die sich immer deutlicher aus wir kt und nach kurzer Zeit den Wert jeder Arbeitskraft, also auch der des jüdischen Arbeiters, erkennen lassen wird. Nachdem zuerst durch Vertrauensleute jüdische Arbeiter vereinzelt in Gruben und Fabriken untergebracht worden waren, begründete das Berliner Jüdische Arbeitsamt Zweigstellen in Duisburg und Cöln, um die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes systematisch zu erfassen. Es fanden hier nicht nur die schon oben erwähnten Kategorien gelernter Arbeiter (Schloisser, Monteure, Tischler usw.), sondern auch Ungelernte als Hilfsarbeiter in Gruben, Zechen, Hütten, Gießereien, Stahlwerken, bei Ent- und Beladearbeiten, bei Erd- und Bauarbeiten usw. Beschäftigung. Die jüdischen Ar- *) Palästina-Pioniere. AS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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