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Das jüdische Echo · 1932-01-22 · 4 (22.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszelt: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis* jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. I Verlag, Auslieferung des ,.Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H R L T : Das Hauptproblem — Raubmord an 6 jungen Juden in Rumänien — Soziologie der Juden — Aus der jüdischen Welt — Buchbesprechungen Gemeindenu. Vereins-Echo — Geschäftliches Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Famillen- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 4 München, 22. Januar 1932 19. Jahrgang Das Hauptproblem Auch in wirtschaftlich ruhigen Zeiten sind die vielfachen Probleme, die sich aus dem Zusammenleben der Völker und aus den Beziehungen von Minderheiten innerhalb der Völker zur Mehrheit ergeben, Gegenstand eifriger Untersuchung und mehr oder minder leidenschaftlicher Diskussion. Mögen diese Diskussionen und diese Gegensätze einen noch so hohen Grad der Schärfe erlangen, so sind sie immerhin Stufen von Not verschiedenster Art, die noch irgendwie produktiv sind. In wirtschaftlich krisenhaften Zeiten jedoch überschattet die Frage der nackten Existenz alle anderen Probleme, die plötzlich als selbständig im Vergleiche zur wirtschaftlichen Depression angesehen werden. Diese Probleme sind im Bewußtsein der Beurteiler Begleiterscheinungen der wirtschaftlichen Not. Es beibt dahingestellt, ob eine derartige Auffassung richtig ist. Es gibt Probleme, die jenseits des Ökonomischen liegen. Besonders ist das in bezug auf das Verhältnis von jüdischer Minderheit und nichtjüdischer Mehrheit der Fall. Die Judenfrage existiert in wirtschaftlich günstigen Zeitläuften, und sie verschärft sich in Tagen der Wirtschaftskrise. Alle Teilprobleme der großen Judenfrage erlangen aber gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise eine besondere Verschärfung. Das kann man jetzt in allen Ländern der Welt, in denen Juden leben, beobachten. Am stärksten tritt dies in Deutschland, Polen und in Rumänien zutage. Man kann bei der Betrachtung der Lage der Juden in irgendeinem Lande zahlreiche Analogien hinsichtlich der Judenheiten in anderen Ländern feststellen. Prinzipiell trägt die Judenfrage in allen Ländern der Welt gegenwärtig das gleiche Gesicht. Als Mitleidende und Mitlebende können wir jedoch in vielen Fällen nicht genügend Distanz aufbringen, um die Situation so zu beurteilen, daß nicht subjektive Empfindsamkeiten bei dieser Beurteilung mitsprechen. Es ist darum gut, wenn man sich Feststellungen vor Augen führt, die hinsichtlich der Lage der Juden in einzelnen europäischen Ländern außerhalb Europas gemacht werden. In diesen Tagen feierte das jüdisch-amerikanische Komitee das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens. Im Jahresbericht der Gesellschaft wird ausführlich die Situation der Juden in den einzelnen Ländern Europas besprochen. Ein großes Kapitel beschäftigt sich mit der Lage der jüdischen Bevölkern u g Polens. Der Hauptteil des Kapitels behandelt die wirtschaftliche Lage der polnischen Judcnheit. Der Bericht kommt zu Feststellungen, die in einzelnen Punkten dem entsprechen, was Juden in fast allen Ländern Europas erleben. Wenn man hinzufügt, daß gerade die Frage der polnischen Juden für die Gesamtjudenheit von außerordentlicher Wichtigkeit ist, weil Polen ein Hauptzentrum jüdischer Kultur, jüdischer Tradition und volksbewußten Judentums beherbergt, so gewinnen die Ausführungen des jüdisch-amerikanischen Komitees prinzipielle Bedeutung für alle Juden in der Welt. Im Berichte heißt es: Die letzten Sejmwahlen, aus denen Marschall P i 1 s u d s k i und seine Partei siegreich hervorgingen, erschienen dem jüdischamerikanischen Komitee die beste Garantie für die Besserung der Lage der Juden im polnischen Wirtschaftsleben. Doch auch darin wurde das Komitee enttäuscht, Die Lage der Juden verschlimmerte sich nur noch mehr, ihre Verarmung nahm ein viel größeres Ausmaß als die der übrigen Bevölkerung des Landes. Auch dieser Punkt wurde auf einer Konferenz mit dem polnischen Ambassador besprochen, deren Folge die Europareise des Herrn Waldmann war. Auf Empfehlung der polnischen Ambassade in Whasington hielt H. Waldmann mehrere Konferenzen mit polnischen Staatsmännern (an deren Spitze Außenminister Zaleski stand) ab. Es wurde fcstgestellt, daß die Lage der polnischen J u d e n h e i t vor allem eine innere Angelegenheit des polnischen Staates sei und daß die Lösung dieses Problems zu den Aufgaben der polnischen Regierung gehöre. Die Vertreter des Komitees stellten das Postulat auf, daß die polnische Regierung ihr ganzes Augenmerk auf die Besserung der Lage der Juden richten müsse, da diese eine Folge ihrer anormalen und einseitigen wirtschaftlichen Struktur sei, die ihnen seinerzeit vom zaristischen Rußland aufgedrängt wurde. Herr Waldmann formulierte die Klagen der polnischen Judenheit in folgenden Punkten: Die Entziehung der Staatsmonopole: die ungerechte Steuerverteilung, deren Hauptlast auf die städtische Bevölkerung und somit auf die Juden fällt: die Schwierigkeiten bei der Erlangung von Gewerbe- und Handelskonzessionen: die ungerechte Krediterteilung und Subventionierung von jüdischen wirtschaftlichen, geistigen Wohlfahrtsinstitutionen: die Beschränkungen auf dem Gebiete des Handwerkes; des Eingreifens der Regierung in die inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden; schließlich das Gesetz von der Samstagruhe, das die Verdienstmöglichkeiten der Juden auf 5 Tage in der Woche beschränkt Diese Erklärungen H. Waldmanns wurden von der Regierung einer eingehenden, bisher noch nicht

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