Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-12-18 · 51 (18.12.1931) · p. Seite 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
51 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
Seite 689 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9179427--12134-9084205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 51 689 Das Jüdische Echo Konferenzen, an denen Vertreter aller Schichten der amerikanischen Judenheit teilnahmen, kam die einmütige Ansicht zum Ausdruck, daß die Schaffung des Komitees ein Gebot der Zeit sei. Das rasche Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten schuf neue Probleme auf den Gebieten des jüdisch-sozialen, philanthropischen religiösen und wirtschaftlichen Lebens. Das American Jewisli Committee bekämpfte mit Erfolg die organisierte Propaganda gegen die Schechita, versah die amerikanische Presse mit authentischen Nachrichten über den Beilis-Prozeß in Kiew und veranlaßte die Regierung der Vereinigten Staaten, nach Beendigung der Balkankriege Vorstellungen bei den Balkanstaaten zu erheben, die darauf hinausliefen, ausreichende Garantien für den Schutz der Rechte der Bevölkerung der eroberten Gebiete ohne Unterschied von Rasse und Glauben zu schaffen. Das A.J.C. bekämpfte die Bestrebungen zur Einschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten und ist auch jetzt bemüht, bei den inzwischen Gesetz gewordenen Einwanderungsbeschränkungen allen Härten entgegenzuwirken. Auf Wunsch des A.J.C. verständigte Präsident Taft die russische Regierung davon, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigten, den russisch-amerikanischen Handelsvertrag zu kündigen, falls der amerikanische Paß auch der jüdischen Bürger von ihr nicht anerkannt würde. Das A.J.C. protestierte systematisch gegen die antijüdische Propaganda der Presse und gegen die Beschränkungen in der Aufnahme für Juden in den Staatsdienst. Auf philanthropischem Gebiete arbeitete es gemeinsam mit dem „Hilfsverein der Deutschen Juden“, der „Alliance Israelite Universelle“ und ähnlichen Körperschaften. 1912 beteiligte es sich an den Arbeiten der „Union des Associations Israelites“ zu Gunsten der Opfer der Balkankriege. Nach Ausbruch des Weltkrieges sammelte das A.J.C. zusammen mit dem „provisorischen Komitee für zionistische Angelegenheiten“ einen Betrag von 50 000 Dollar und überführte ihn nach Palästina. Gemeinden- und Vereins-Echo Die Not unserer Zeit Am Samstag, dem 12. Dezember 1931, hielt in der neuerbauten Synagoge, Reichenbachstraße 27, Herr Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu eine Predigt, die sich mit der Notlage unserer Zeit beschäftigte. Die Notlage unserer Zeit gliederte der Redner in zwei Teile: Die wirtschaftliche und die geistige Not. Die wirtschaftliche Not sei sicher sehr groß, doch sei diese nicht allein auf Deutschland begrenzt, sondern beinahe auf alle Völker ausgedehnt. Außerdem haben unsere Vorfahren die Not schon gründlich kennen gelernt, denn zu allen Zeiten hat es arme Menschen gegeben, die schwer um ihr Leben kämpfen mußten. Ganz besonders haben es die Juden vergangener Zeiten hart gehabt, als sie im Ghetto zu wohnen gezwungen waren. — Aber über die schwersten Zeiten des Lebens half ihnen der Gottesglaube hinweg. Und wenn der Jude die ganze Woche über Land gehen mußte, um seine Familie zu ernähren, war er doch frohen Mutes; denn als der Sabbat kam, war er ein Fürst seines Hauses, selbst mit den allerbescheidensten Mitteln. Auch die politische Notlage unserer Zeit verursacht bei Vielen ernsteste Stimmung. Diese Notlage ist aber eine Auswirkung der wirtschaftlichen Depression und mit der Weltkrise aufs engste verknüpft. Ist auch die materielle Notlage sehr schlimm, so ist doch die g e i s t i g e Notlage viel erschrekkcnder, weil sie ein völliges Schwinden des Glaubens an die höheren Werte des Lebens mit sich bringt und sich als ein Mangel an Gottvertrauen darstellt. Die furchtbarste Geißel geistig-jüdischer Not äußert sich in den entsetzlich vielen Selbstmorden. Besonders wichtig ist es, unseren Glaubensgenossen Mut zum Leben und Vertrauen zu Gott -einzuflösen in dieser schweren Notzeit; denn nur dadurch wird es uns gelingen, die schweren Zeiten zu meistern. Das Beste, was wir unseren Kindern geben und hinterlassen können, ist das Wissen vom Judentum und von der Geschichte der Judenheit. Mit diesen Gütern ausgestattet, werden sie auch das Schwerste des Lebens überwinden können. Der Besuch des Gottesdienstes ist ein Mittel, das den Menschen, Jugend und Alter, über die Not des Lebens hinweg zu helfen vermag. Ein wundervolles Zeichen der Opferfreudigkeit und ihres religiösen Sinnes zeigte die ostjüdische Gemeinschaft Münchens durch die Schöpfung dieses herrlichen Gotteshauses. Wenn der gottergebene Jude die ganze Woche hindurch von geschäftlichen Sorgen noch so schwer niedergedrückt ist, so entschwinden dieselben, wenn er am Sabbat in sein Gotteshaus eintritt. Alle weltlichen Bedrängnisse verschwinden in den schönen Stunden der Erbauung. Die wundervolle Stimmung, die durch den harmonischen Gesamteindruck des Gotteshauses und das überraschend schöne Vorbeten des stimmgewaltigen jungen Kantors ausgelöst wird, ist ein unschätzbarer Quell zu neuer Kraft und unerschütterlichem Vertrauen zu Gott. Die durch das Vertrauen der Gemeinde berufenen Führer, so führte der Prediger weiter aus, leisten Hervorragendes, viel mehr als ihnen zugemutet werden kann. Jedes einzelne Mitglied der Gemeinde hat die Pflicht mitzuhelfen, daß dieses Gotteshaus seine Würde und Weihe behält, daß diese noch erhöht werde durch regelmäßigen Besuch am Freitag abend und am Samstag. Dazu sollten sich alle Ostjuden verpflichtet fühlen. Sie sollten die wundervolle Zauberkraft auf sich wirken lassen, die im gemeinsamen Gebet der Gemeinde liegt, die dem jüdischen Volk seit Jahrtausenden Lebenskraft gab und es unüberwindlich werden ließ. S. K. Die Chanukkateier des Jungzionistischen Arbeitskreises München vereinigte einen großen Kreis jugendlicher und sich jung fühlender Zionisten in dem für solche Gelegenheiten leider viel zu kleinen Lessingsaal. Gesänge des Chors der hebräischen Sprachschule leiteten ein; darauf führte Herr Dr. Dankwerth, Nürnberg, einen Palästinafilm vor, den er selbst auf einer Palästinareise aufgenommen hat. Ohne jeden Anspruch, wie dieser Film ist, gibt er doch einen lebendigen Eindruck von der palästinensischen Gegenwart; den Städten, den Landschaften, den Siedlungen, den Kindern. Besonders erfreulich berührt es den Zuschauer, daß die „Personen“ dieses Films, Bekannte des „Operateurs“, in nahen Beziehungen zu den Zionisten Nürnbergs und Fürths stehen. Dr. Dankwerth erntete für seinen Film lebhaften Beifall. Der weitere Verlauf des Abends brachte witzige Inserate über allerhand Ereignisse und Tatsachen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.