Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- Seite 498 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Das Jüdische Echo Nr. 36 Kolonie von etwa 2300 Seelen (etwa 500 Familien) hat das Werden des Hauses mit innerer Anteilnahme verfolgt. Einige Familien haben bedeutende Beträge und beträchtliche Zeit geopfert, alle haben zum Gelingen des Werkes beigetragen. Diese Tatsache legt beredtes Zeugnis ab von einem besonders ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Neben den Aufwendungen für wohltätige Zwecke hat diese Gemeinschaft, deren finanzielle Kräfte äußerst bescheiden sind, außerdem die Mittel aufgebracht, um einem höheren Bedürfnis Geltung zu verschaffen. Die neue Synagoge, gegründet von den beiden Betvereinen „Linath Hazedek“ und „Agudas Achim“, wird die Ostjuden in einem würdigen Hause zum gemeinsamen Gottesdienst vereinen. The hohe jüdische Tradition, die seelische Verbundenheit mit dem Schöpfer alles Lebens erstrahlt in einem neuen, schönen Glanze. Die Synagoge Die Gestaltung Die baukünstlerische Gestaltung der Synagoge ist das Werk des Herrn Architekten Gustav Meyerstein (München). Bereits vor Jahren hat er, der sich schon in seinen Studienjahren mit dem Sonderproblem des jüdischen Kultbaus eifrig befaßt hatte, ein Projekt zur Errichtung eines umfänglicheren Neubaus ausgearbeitet, das zu verwirklichen die Ungunst der Zeit nicht gestattete. Diese Vorarbeit befähigte ihn insbesondere, die jetzt gestellte Aufgabe, die wegen der gegebenen Raumbeschränkung große technische Schwierigkeiten bereitete, in jeder Hinsicht vollauf zu lösen. Sämtliche Schlosser- und Schmiede arbeiten in der neuen Synagoge stammen von der Firma Alois Birner MÜNCHEN Thercsienstraße 58 Telefon 26012 Werkstätte für Eisenbau Schaufenster, Schaukästen staubsichere Vitrinen in Eisen u. Bronze Eiserne Fenster und Türen Kunstschmiedearbeiten Äusführung aller einschl. Reparaturen wird aber noch mehr zu sein haben als ein Raum kollektiver Kulthandlungen. Ihr wahrer Sinn wird nicht nur erfüllt in der Inbrunst des Betens, sondern auch in dem gottgefälligen Handeln der Menschen untereinander. Das neue Bethaus soll das Wort Gottes künden und das Tun der Menschen läutern. Wie es Martin Buber so schön formuliert hat, verwirklicht sich wahre jüdische Religiosität nicht nur im Gebet, sondern auch im alltäglichen Verkehr von Mensch zu Miensch. Wenn die Schecihina neben der feierlichen Andacht, Güte, Liebe, Wohltätigkeitssinn in die Herzen der Beter versenken wird, dann wird das neue Gotteshaus auch dem höchsten ethischen! Prinzip dienen, der Erneuerung des Menschentums. In dieser Hoffnung und in diesem Sinne sei die neue „Reichenbach-Schule“ begrüßt und beglückwünscht. Dr. Ernauel Horn. der Synagoge Der große Betraum, zu dem man durch eiine kleine Vorhalle gelangt, wirkt schon beim Betreten durch die beherrschende Lichtführung. Dem Betrachter bietet sich sofort ein Überblick über die Männerabteilung, zu der drei Stufen hinabführen, um dem Psalmworte Genüge zu tun: „Aus den Tiefen ruf’ ich Dich!“ Der Blick wird gefesselt von der in sattem Gelb strahlenden Marmorverkleidung (aus veronesischem Nembro giallo) der großen Nische, die den Aron-ha-Kodesch in sich birgt. Der türkisblaue Ton der Wände steht hierzu in einem angenehmen Farbkontrast, der durch die cremefarbene Decke und die gleichge- Sämtliche Steinarbeiten Münchener Kunsisiein-Fnürik L. Moll’s Nachflg. G. m. b. H. München Schenkendorfstr. 4 Telefon Nr. 32065 Bayerische Bauwaren G. m. b. H. MÜNCHEN Fernsprecher Nummer 511 47 und 572 83 Ausführung von Wand« und Bodenbelägen