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Das jüdische Echo · 1929-10-25 · 43 (25.10.1929) · p. Seite 646

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
Seite 646 (sequence 17)
Language
German
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646 Das Jüdische Echo Nr. 43 Das Jüdische Kammerorchester München hat mit Anfang September seine Winterarbeit aufgenommen. Das Orchester hat am 30. September bei einer Mendelssohnfeier der München-Loge mitgewirkt und dort eine Bühnenmusik von Pu ree 11 und ein Klavierkonzert von Mozart zur Aufführung gebracht. Es ist wahrscheinlich, daß das Orchester während des Winters noch mehrmals bei Veranstaltungen jüdischer Vereine, sowie auch mit eigenen, kleineren Veranstaltungen an die Öffentlichkeit tritt. Tüchtige und musizierfreudige Streicher und Bläser sind jederzeit willkommen. Die Übungsabende finden jeden Mittwoch, um 20.15 Uhr pünktlich beginnend im Lessingsaal, Herzog-Rudolf- Straße 1, statt. Es sei auch wiederum darauf hingewiesen, daß Bläser im Orchester stets sehr erwünscht sind und sofort musikalischen Anschluß, sei es in Kammermusik oder im Orchester, finden. Es empfiehlt sich somit. Blasinstrumente zu erlernen, um so mehr als die Lernzeit erheblich kürzer ist als bei Klavier und Streichinstrumenten (etwa ein Jahr bis zur Verwendbarkeit in leichterer Kammermusik; bei Klavier und Streichinstrumenten etwa vier bis sechs Jahre). Der Leiter des Orchesters, cand. med. Heinrich L a m m , ist gerne bereit, über das Erlernen von Blasinstrumenten Auskunft zu geben (Wahl des Instruments, Lernzeit, gesundheitliche Rücksichten und dgl.). Anfragen in den Übungsabenden oder fernmündlich (23 9 01) oder schriftlich (Bruderstraße 12/0 links). Während des Winterhalbjahres werden voraussichtlich die folgenden Werke studiert werden: Mozart, Konzert für zwei Klaviere und Orchester, KV 365; Pergolese, La Serva Padrona (Opera buffa), Sinfonia für Streicher und Hörner; Vivaldi, Concerto grosso D-Moll; Jakob Weckmann, Der 126. Psalm (Kantate mit kleinem Chor); Hindemith, Stücke für Streicher; Pepusch (1735), Ouvertüre zu The Beggars Opera; Goldberg (1929), Simphonische Musik; Dittersdorf, Cembalokonzert u. a. m. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. Donnerstag, den 17. Oktober, hatte die Ortsgruppe zu einem Vortragsabend eingeladen, für den als Referenten die Herren Sch. Schalom und Dr. Max Buchmann vorgesehen waren. Herr Schalom, unser neuer hebräischer Lehrer, der erst vor wenigen Tagen aus Palästina eingetroffen ist, sprach über: „Was wir in Palästina erlebten“, und schilderte in ergreifenden Worten die heldenhafte Verteidigung des Jischuw. Für die Pioniere in Palästina seien die Tage der Verteidigung eher eine Erweckung als eine Katastrophe gewesen, sie hätten in gewissem Sinn geradezu als Erlösung gewirkt. Die Differenzen zwischen den Juden seien vergessen, die gefährliche Depression im Jischuw sei geschwunden. Trotz der großen Opfer, die die Schreckenstage erfordert haben, sei daher unverkennbar, daß die Juden gestärkt und geschlossen aus ihnen hervorgegangen seien. Das Referat klang aus in die Forderungen: Der Revisionismus sei entschieden abzulehnen, der Jischuw müsse jedoch stets zur Abwehr gerüstet sein, da man neue Angriffe der Araber zu befürchten habe. Die pazifistische Theorie sei leere Theorie für Palästina, wo man es bei den Arabern mit völlig primitiven Menschen zu tun habe. Wir. sind nicht für den Faschismus, aber wir müssen. für die Verteidigung gewaffnet sein. In schnellerem Tempo und größeren Ausmaßen muß Erez Jisrael jetzt gebaut werden. Herr Dr. Buchmann erkannte die Berechtigung der Forderung auf Selbstverteidigung als selbstverständlich berechtigt an, wandte sich jedoch gegen die Stimmung, die leider weite Kreise des Jischuw jetzt erfaßt habe. Der Tag der Verteidigung war für ihn kein großer Tag; solche Tage waren nicht erwünscht und man darf die Ereignisse nicht unter dem Eindruck einer Kriegspsychose betrachten. Andere Völker hätten unter dem Einfluß des Weltkrieges eine solche Denkweise schon überwunden, wir müssen uns wehren dagegen, auf solche Weise eine Steigerung unseres Lebensgefühls herbeizuführen. Selbstverteidigung ist immer eine Selbstverständlichkeit, sie muß noch besser ausgebaut werden. Wir leben mit den Arabern zusammen und unsere Pflicht ist Selbstverteidigung, aber auch Verständigung mit den Arabern. Wir wollen keine Proklamationen, sondern stille Arbeit in der Verständigung wie in der Verteidigung. Wir wollen unserem tieferen Ziel treu bleiben und keinen Chauvinismus treiben. An der Diskussion, die zuweilen außerordentlich erregt und heftig geführt wurde, beteiligte sich eine ganze Reihe unserer Gesinnungsgenossen. Im Schlußwort erklärte Schalom, Herr Dr. Buchmann habe kein richtiges Bild von den Geschehnissen, wenn er glaubt, es sei am Platze vor Kriegspsychose zu warnen. Es hat keinen Krieg gegeben und der Jischuw war nie aggressiv. Er wurde ganz einfach von Räubern und Mördern überfallen und er mußte sich mit der Waffe in der Hand verteidigen. Der Gedanke der Kriegspsychose wurde in Deutschland geboren, paßt aber nicht für den Jischuw in Erez Jisrael, der nur das jüdische Volk und seine Ideale neu aufbauen will. Es wird an einem der nächsten Ortsgruppenabende vielleicht Gelegenheit sein, sich über die aufgeworfenen Probleme weiter auseinanderzusetzen. Der Vortragsabend, der erstmalig im neueingerichteten Jugendheim der Gemeinde stattfand, war außerordentlich gut besucht. Wohlfahrtsbriefmarken 1929 Vom 1. November 1929 ab findet der Verkauf der neuen Wohlfahrtsbriefmarken statt. Der Wohlfahrtsaufschlag der diesjährigen Wohlfahrtsbriefmarken beträgt durchschnittlich 50 Prozent des Frankierungswertes. Die Erträge der Wohlfahrtsbriefmarken dienen zur Linderung materieller Notstände im Reichsgebiet; sie sollen in erster Linie für die Jugend, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge für die noch nicht schulpflichtigen Kinder und ihre Mütter', sowie die schulentlassenen Jugendlichen verwendet werden. Die Vertriebsstellen können 80 Prozent des Reinertrages der von ihnen verkauften Marken für ihre eigenen Zwecke einbehalten. Wir bitten darum, Wohlfahrtsbriefmarken zu beziehen durch das •? •! Wohlfahrts- und Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde, München, Hcrzog-Max-Straße 5/1, Telephon 92 8 83.

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