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Das jüdische Echo · 1929-09-13 · 37 (13.9.1929) · p. Seite 552

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
Seite 552 (sequence 10)
Language
German
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552 Das Jüdische Echo Nr. 37 Dampfmolkerei „SCHWABING“ München 23 Tel. 33557 Inhaber: Hans Wäßle Leopoldstr. 59—61 c Deutsche Edelbutterund Schlagrahm; S £ ein Versuch und Sie werden dauernd > Kunde sein. Filialen: Augustenstr. 76, Kölner PI. 8, Leopoldstr. 48, Ungererstr.56 Mit dem Worte „Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt“, schloß Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer die Versammlung. * * * Auch die Versammlung im Kunstgewerbesaal war übervoll, als Herr Jakob Reich im Namen des einberufenden Komitees die Erschienenen begrüßte und darauf hinwies, wie sehr das Gefühl der Solidarität gerade im Unglück auch bei den Juden in München sich zeige. „Wir dürfen hoffen, daß die starke Anteilnahme weitester Kreise des Münchner Judentums, wie sie sich heute manifestiert, uns auch für die Zukunft erhalten bleibe.“ In diesem Sinne begrüßte er die Versammlung und erteilte Herrn Dr. Kanowitz (Berlin) das Wort: Herr Dr. Kanowitz führte aus, daß im Schicksal des jüdischen Volkes eine tiefe Tragik zu herrschen scheine und so sei der in Zürich vollzogenen Einigung des Gesamtjudentums allzurasch der vernichtende Schlag gefolgt, der diese Freude zerstören sollte. Es sei jedoch kein Zufall, daß diese beiden Dinge zusammenfielen. Man wollte zeigen, „laßt die Hände von Palästina!“; darum hat man den Augenblick gewählt. Aber der Bund der Solidarität sei im gemeinsamen Leiden nur noch fester geworden. Es seien große Opfer an Leben und Gut zu beklagen. Aber das eine müsse man den Juden sagen: In Palästina ist kein Pogrom gewesen. Kein Abschlachten wehrloser Juden, keine Niedermetzlung — außer vielleicht in Hebron. In Palästina haben sich die Juden verteidigt, sie sind dort als streitende Helden gefallen. Es sei zu fordern, daß die Schuldigen gestraft, der Kurs geändert und unfähige Beamte zur Verantwortung gezogen werden. Aber man müsse den Versuch machen, den Weg zu finden zwischen uns und den Arabern und vielleicht sei dieser Augenblick mehr als jeder andere geeignet, uns zu neuen Erkenntnisen zu führen. Vielleicht wäre es nie so weit gekommen, wenn das jüdische Volk uns schon immer so unterstützt hätte, wenn nicht erst hätte Blut fließen müssen, bis es sich auf seine Pflicht besonnen hat. Die Juden haben es in diesen Tagen erkannt, daß sie ohne Palästina nicht sein können. Zum dritten Male in der Geschichte schickt sich das jüdische Volk an, Palästina zu erobern. Niemals hatten die Juden auf dieses Land verzichtet, und das wisse auch das Volk, mit dem wir in Palästina Zusammenleben werden. Feindschaften zwischen Völkern seien nicht ewig, auch nicht die zwischen Arabern und Juden. Nur eine tragische Verkettung von Umständen habe zu diesem Kampf geführt. Die erste Voraussetzung für einen friedlichen Ausgleich liege im Augenblick bei der englischen Administration. Denn die Verständigung kann nur darauf beruhen, daß das arabische Volk fühlt und weiß, daß 'an der Balfourdeklaration und am Mandat nicht zu deuteln ist. Natürliche Spannungen bilden sich überall, wo zwei Völker nebeneinander leben, aber der Araber hatte keinen Kampf um seine Existenz zu führen. Die Schicht der Effendis, jener Großgrundbesitzer mittelalterlich reaktionärer Gesinnung, die mit fortschreitender Kultur zugleich auch ihre Herrschaft über die von ihnen versklavten Fellachen schwinden sehen, stelle die eigentlichen Gegner der jüdischen Einwanderung. Mit wunderbarem Geschick hätten jene Drahtzieher es verstanden, den Kampf um die Klagemauer zu einer nationalen Propaganda großen Stils, zu einem Hetzmittel ersten Ranges zu gestalten, nicht ohne Unterstützung einer vielleicht unfähigen, vielleicht aber auch böswilligen englischen Administration. Er wolle nicht anklagen, aber wären statt der 150 000 Juden, drei- oder viermal soviel heute in Palästina angesiedelt, keine noch so große Hetze hätte den Juden etwas anhaben können, wie ja auch schon ihre jetzige Position, wie sich gezeigt hat, im Grunde genommen nicht mehr zu erschüttern ist. Und deshalb richte er zum Schlüsse einen doppelten Appell an die Versammlung: Hilfe durch Aufbau!, denn man müsse mit viel größeren Kräften fortsetzen jenes Werk, wofür jene 150 Juden gefallen sind und zum zweiten: Sicherung durch Wachstum! Nicht auf Bajonetten, sondern auf seinen eigenen Füßen müsse das Werk gefestigt in sich selbst ruhen und unabhängig von englischen Beamten und arabischen Muftis. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede des Herrn Dr. Kanowitz ergriff Herr Justizrat Dr. E. Straus das Wort und wandte sich gleichfalls in längeren Ausführungen an die Versammlung (siehe oben). Zum Schlüsse legte Herr Reich auch hier die bereits angeführte Resolution der Versammlung vor, die auch hier einstimmig angenommen wurde. - - XTOltWERCk GOLD 1 SCHOKOLADE-PRALINEN

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