Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 37 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 57_ 13. September 16. Jahrgang Die Lage In Palästina Andauernde Nervosität in Jerusalem Jerusalem, 10. September. (JTA.) Am Montag, dem 9. September, nahm in Jerusalem wieder Nervosität überhand, als wie auf ein Signal die Moslemiten ihre Häuser zu verlassen begannen, was die Juden aus alter Erfahrung als Zeichen geplanter Angriffe ansahen. Zahlreiche Juden wandten sich an die zionistischen Ämter um Hilfe. Gegen 4 Uhr 30 nachmittags veranstaltete das Militärkommando eine große Truppenparade; die Soldaten zogen in Stahlhelmen und mit aufgepflanzten Bajonetten durch die Hauptstraßen von Jerusalem; man glaubte allgemein, daß die Parade zu dem Zwecke inszeniert worden war, um der sich ausbreitenden Panik entgegenzuwirken. Ein Jude getötet, einer schwer verletzt, arabische Angriffe auf das Yemeniten-Viertel zurückgewiesen J e r u s a l'e m , 9. September. (JTA.). Am Samstag und am Sonntag war die Lage in Jerusalem wieder gespannt. Am Samstagnachmittag wurde ein vom Gebet an der Klagemauer heimkehrender Jude durch einen unerkannt gebliebenen Araber getötet. Zwei Stunden später wurde einem Araber von einem unerkannt gebliebenen Täter ein schwerer Hieb auf den Kopf versetzt. Es entstand im Klagemauer-Viertel »eine gewisse Erregung, es kam zu kleinen Zusammenstößen zwischen Araber und Polizei, in deren Verlauf mehrere Araber festgenommen wurden. Im Zusammenhang mit diesen Vorfällen herrscht in der Altstadt eine starke Nervosität. Die Judenschaft der Altstadt teilte dem Rate der Jüdischen Gemeinde (Waad Hair) mit, daß sie, wenn nicht bald stärkerer militärischer Schutz herangezogen werde, sich gezwungen sehen wird, die Wohnungen wiederum zu räumen. Am Sonntagmorgen unternahmen etwa 60 Araber einen Angriff auf das von yemenitischen Juden bewohnte Viertel. Sie eröffneten ein Steinbombardement gegen die Wohnungen der Juden und gingen zum Angriff auf die Bewohnerschaft über. Die Polizei war diesmal rechtzeitig zur Stelle und trieb die Angreifer zurück. Das yemenitische Viertel, das an mehrere andere von orientalischen jüdischen Gemeinden bewohnte Viertel grenzt, ist stark von Menschen überfüllt. Der Angriff der Araber hätte darum, wenn die Polizei nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen wäre, sehr ernste Folgen haben können. Der Jude Pinchas Chefez wurde am Samstag auf dem Wege zur Klagemauer von einem Araber angefallen und durch einen Messerstich schwer verletzt. Er wurde im Regierungshospital provisorisch verbunden und nach Hause geschickt. Zu Hause zeigte seine Wunde Zeichen einer Infektion, er wurde in bedenklichem Zustande nach dem Hadassah-Hospital gebracht. Nahrungsmittelnot in Jerusalem Jerusalem, 9. September. (JTA.) In den jüdischen Haushaltungen Jerusalems herrscht Mangel an Nahrungsmitteln. Die jüdischen Hausfrauen scheuen davor zurück, bei arabischen Bauern und Händlern einzukaufen aus Furcht von Anschlägen auf Leben und Gesundheit der Familienangehörigen. Der Mangel an Fisch, Fleisch und Gemüse wird schon heute sehr stark empfunden, und man befürchtet, daß es noch schlimmer wird, wenn nicht die Zufuhr von Nahrungsmitteln von auswärts organisiert wird. Da viele Stadtviertel Jerusalems überfüllt sind, wird der Ausbruch einer wirklichen Hungersnot befürchtet. Am Freitagabend bestand die Mahlzeit in einem führenden jüdischen Hotel Jerusalems ausschließlich aus Reis. An dem von den jüdischen Hausfrauen spontan geübten Käuferstreik haben die Araber in der Gegend rings um Jerusalem wirtschaftlich schwer zu leiden. Während des Freitag-Gottesdienstes in der Omar-Moschee machte sich unter den zusammengeströmten Dörflern eine starke Erregung bemerkbar, weil sie an diesem Tage ihre mitgebrachten Produkte nicht absetzen konnten. 13 Scheichs der Jerusalem umgebenden Dörfer sandten ein Schreiben an den Mufti, in welchem dargelegt wird, daß wenn der von den Juden geübte Boykott gegen die arabischen Produkte nicht bald abgebrochen wird, die Bewohnerschaft der arabischen Dörfer wirtschaftlich zusammenbrechen wird. Der Bericht des Kolonialamtes London, 8. September. (JTA.) Das Kolonialamt teilt mit, daß am Sonntag in allen Distrikten Palästinas Ruhe herrschte. Im Hinblick auf die Beruhigung der Lage war es möglich geworden, einige Truppendetachements zurückzuziehen, doch werden gewisse Gebiete noch immer durch Patrouillen kontrolliert. Die Polizei, unterstützt durch Truppen, hatte in der Suche nach geplündertem Eigentum Erfolg; das Eigentum wurde den früheren Besitzern wieder zugestellt. Jüdische Kolonisten kehren in die früher geräumten Kolonien zurück London, 7. September. (JTA.) Das Kolonialamt teilt mit: Am Freitag, dem 6. September, herrschte in Palästina in allen Distrikten Ruhe. Unsere Streitkräfte betätigen sich stark in der Suche nach verborgenen Waffen. In den Distrikten Safed und Haifa wurden verdächtige Personen verhaftet. Die früher geräumten jüdischen Kolonien werden nun wieder von den Kolonisten besetzt. Die inoffiziellen Mitteilungen, daß in Gaza ein Gefecht stattgefunden hat, bei welchem britische Streitkräfte gegen Beduinen aus der Sinai-Halbinsel vorgegangen sind und dabei schwere Verluste erlitten haben sollen, haben sich nicht bestätigt; im Gegenteil, die späteren offiziellen Berichte aus diesem Gebiet lauten dahin, daß dort alles ruhig ist. Palästina wird längere Zeit militärsich besetzt bleiben — Englische Richter werden Recht sprechen Jerusalem, 7. September. (JTA.) In den Kreisen der Palästinaregierung wird offen zuge-