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Das jüdische Echo · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 28 12. Juli 16. Jahrgang Die britische Hrbeiterregierung und Palästina Von Oberst J. M. Kenwor Nachdruck verboten Bevor ich dazu übergehe, die vorgezeichnete Politik der Arbeiterpartei, die in den Grenzen der Möglichkeit von der Arbeiterregierung durchgeführt werden wird, zu skizzieren, ist es notwendig, auf die Haltung der beiden anderen Parteien hinzuweisen. Obwohl Lord Balfour, einer der ältesten Staatsmänner der Konservativen Partei, der Urheber der Palästina sich zuwendenden Politik war, die seither in der Theorie von jeder britischen Regierung befolgt wurde, und obwohl, wieder in der Theorie, die Konservative Partei mit der Durchführung der Bestimmungen des Mandates und der Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina betraut gewesen war, haben nichtsdestoweniger wichtige Gruppen der Konservativen Partei offen dieser Politik opponiert. Der Die- Hard, Teil der Konservativen, ist mehrere Generationen hindurch antisemitisch gewesen. Er war es, der sich in der Vergangenheit allen Maßnahmen für jüdische Emanzipation in England, wie auch der Zulassung der Juden zum Parlament und zur vollen bürgerlichen Gleichberechtigung widersetzte. Dies ungeachtet der Tatsache, daß viele hervorragende Juden Freunde der Konservativen Partei gewesen waren, wie sie ja später konservative Mitglieder des Parlaments und Minister in konservativen Regierungen wurden. In den dem Waffenstillstand folgenden Jahren und während der Zeit von Lloyd Georges zweiter Koalitionsregierung propagierte eine laute und einflußreiche Gruppe der Konservativen Partei ganz offen die Umkehr von der Balfour-Politik, das Aufgeben des Palästinamandets,, oder, sofern England in Palästina bliebe, die Unterstützung der arabischen Nationalisten und Effendis. Die Gruppe empfahl eine Art lauwarme Haltung gegenüber dem gesamten zionistischen Programm. Die „Hinaus-aus-Palästina“-Agitation nahm ungeheure Dimensionen an. Sie hat heute fast aufgehört und die frühere pro-arabische Gruppe innerhalb der Konservativen Partei schweigt. Der überlauten Agitation folgte eine Politik der Nadelstiche; sowohl Herr Churchill wie sein Nachfolger, Herr Amery, waren als konservative Minister für den mittleren Osten einer Verfolgung seitens eigener Parteikollegen ausgesetzt; der erste wegen der Rutenberg-Konzession, der zweite wegen des Planes zur Ausbeutung der Mineralien des Toten Meeres. Tatsächlich wurde Colonel Amery bis zum Ende der lezten Legislaturperiode des Parlamentes von einer kleinen, aber aktiven Gruppe verfolgt, die aus etwas obskuren Gründen Einwendungen dagegen erhob, daß den jetzigen Konzessionären gestattet werde, die Tote-Meer- Salze und Kali-Ablagerungen auszubeuten und die wünschte, daß irgendeiner „allbritischen“, anscheinend aber rivalisierenden Gruppe die Konzession gegeben werde. t h y, Mitglied des Unterhauses Copyright by JTA. Berlin Noch zu Beginn der letzten Parlamentssession, als das Projekt der Palästina- und Ost-Afrika-Anleihe eingebracht wurde, widersetzte^ sich ein anderer Teil der Konservativen, die sog. finanziellen Puristen, im Namen der heiligen Sparsamkeit heftig dem Palästina-Teil der Anleihe, der dem Haifa- Hafenbau und anderen fortschrittlichen Werken in Palästina zugute kommen soll; dies trotz der Tatsache, daß die Anleihe in Anbetracht der Einkünfte aus Palästina gesichert war und als produktiv angesehen werden kann. Diese Gruppen ernteten aber das Mißfallen der offiziellen Führer der Konservativen Partei; Herr Baldwin, Colonel Amery, Sir Austen Chamberlain, der greise Lord Balfour und andere sind in ihrer Haltung vollkommen korrekt geblieben. Aber die Stimmung der konservativen Unteroffiziere und1 Gemeinen war so unverhohlen, daß sie. solange die Konservativen in Westminster und in Whitehall regierten, die antisemitischen Tendenzen eines bestimmten Teiles der britischen Beamten in Palästina ermunterten. Was immer die Arbeiterregierung tut oder nicht tut, die jüdischen Pioniere in Palästina dürfen versichert sein, daß irgendeine Politik der Nadelstiche oder der Obstruktion in Palästina gegen die volle Durchführung der Bestimmungen des Mandates und des zionistischen Programms keinerlei Ermunterung finden wird. Und da die Konservative Partei als ganze einen ernsten Rückschlag, ausgedrückt in der Wahlniederlage, erlitten hat und jetzt eifrig daran ist, ihre Wunden zu lecken, kann aus diesem Quartier her wenig Opposition erwartet werden. Was die Liberalen betrifft, so kann man sich auf ihre Haltung im voraus verlassen. Sie wird gegenüber jüdischen Aspirationen in Palästina vollkommen freundschaftlich sein. Lloyd George selbst ist zu einem Teil verantwortlich für die Balfour-Deklaration und ist ihr tief verbunden. Er ist viel zu klug, um etwas anderes zu tun, als eine fortschrittliche Politik zu unterstützen. Sir Herbert Samuel, Vorsitzender der Liberalen Partei in England und Mitglied des neuen Parlaments, kann als eine Persönlichkeit von unbestrittener Autorität in diesem Parlament über Palästina und seine Bedürfnisse sprechen und auf seine freundschaftliche Einstellung kann man sich verlassen. Von Major Nathan, einem der neuen Parlamentsmitglieder, wird man erwarten dürfen, daß er darauf sehen wird, daß seine Kollegen auf den liberalen Bänken sich einer korrekten Haltung befleißigen. Deshalb ist vom parlamentarischen Standpunkt gesehen, der Weg frei für eine moralische und materielle Förderung einer schnellen Entwicklung der natürlichen Quellen Palästinas, die der Förderung jüdischer Einwanderung, wie des gesamten zionistischen Programms. Der Premierminister ist dem jüdischen Nationalheim gegenüber freund-

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