Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 7 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 110 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Das Jüdische Echo Nr. 7 Zionist Dr. Löwenherz und der Unionist Dr. Ornstein. In das Vertrelerkollegium wurden vier Unionisten, drei Zionisten und ein Werktätiger gewählt. Auch die Kommissionen wurden paritätisch neubesetzt, mehrere Vorsitze wurden der Opposition überlassen. Es wurden eine Statulenänderungskommission und ein Wahlrechtsausschuß neu eingesetzt. Nachdem nun die Krise beigelegt ist, wird das Budget einstimmig zur Annahme gelangen. Die Wahlrechtsreform dürfte im Laufe dieses Jahres durchberalen werden. Der „Radziner Rebbe“ gestorben 10 000 Chassidim schreiten hinter dem Sarg Warschau, 8. Februar. (JTA.) Im Alter von 63 Jahren verstarb in Warschau der in der Chassidim-Welt berühmte Rabbi von Radzin Mordechai Joseph Leiner. Der Rabbi hat noch in den letzten Tagen in Lublin an einer Sitzung des Komitees der „Jeschiwath-Chachme j Lublin“ teilgenommen. Nach seiner Rückkehr nach Warschau erkrankte er an einer Lungenentzündung, der er nach wenigen Tagen erlag. Der Radziner Rebbe verfügte über eine große religiöse Gelehrsamkeit und wurde als „Gaon“ betitelt. Sein Großvater war der berühmte Iszbitzer Rebbe, sein Vater war Rabbi Gerson Henich, der Verfasser der „Siphrej Sidrej Talaroth“. Die Bestattung fand unter Beteiligung von mehr als 10 000 Chassidim, die aus ganz Polen herbeiströmten, auf dem Warschauer Friedhofe statt. 50 berittene Polizisten und zahlreiche Polizisten zu Fuß sorgten für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Auf dem ganzen Wege vom Trauerhaus zum Friedhof waren die jüdischen Läden geschlossen, und die Bevölkerung bildete Spalier. Unter den Leidtragenden bemerkte man viele berühmte Rabbis, so u. a. den Gerer Rebbe, die Rabbis von Grodzisk, Modzice, Amszinow, Otwozk. Markuszow, Novominsk, sämtliche Mitglieder des Warschauer Rabbinats und zahlreiche Stadtrabbiner aus der Provinz. Noch am offenen Grabe wurde der Sohn des Dahingeschiedenen, Rabbi Schlomo, zum Nachfolger seines Vaters ausgerufen. Der Bromberger Stadtrat nimmt das Legat der Lena Cohen an W arsc h a u , 5. Februar. (JTA.) Der Bromberger Stadtrat hat heute in einer stürmischen Sitzung den Beschluß gefaßt, das Legat der in Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen in Höhe von 100 000 Dollar zugunsten armer jüdischer Greise in Bromberg anzunehmen. Das Legat hat sich inzwischen um eine beträchtliche Summe erhöht. Hungersnot unter den Juden Bessarabiens Ein Aufruf des Hilfsvereins Berlin, 6. Februar. (JTA.) Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat den folgenden Aufruf veröffentlicht: „Wir erhalten erschütternde Mitteilungen aus Bessarabien. 40 000 Juden — unter ihnen viele Bauern — in Akkermann, Bendery, Orgejew, Ismail, Bajramtscha, Teleneschty und anderen Städten und kleineren Ortschaften sind infolge der Mißernten in den letzten Jahren hei der gegenwärtigen ungewöhnlichen Kälte dem Hunger und dem Elend preisgegeben. Insbesondere leiden die Kinder. I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostilmstickereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 Das American Joint Distribution Committee hat eingegriffen. Das Rote Kreuz hat Mittel zur Verfügung gestellt. In Paris und London haben sich Hilfskomitees gebildet. Die Not ist aber so groß, daß auch die deutschen Juden um Hilfe für ihre Glaubensgenossen angegangen werden müssen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden ist seit seiner Begründung die Organisation, die bei Hilferufen aus dem Ausland stets sofort aus eigenen Mitteln Beistand gewährt und notwendige weitergehende Maßnahmen zur Hilfeleistung ergreift. Der Hilfsverein hat angesichts des Elends, das in Bessarabien herrscht, da es gilt, die dortige jüdische Bevölkerung vor bitterster Not und völliger Verelendung zu bewahren, beschlossen, unter seinen Mitgliedern und in breiten Kreisen der deutschen Judenheit eine Sammelaktion für die schwer leidenden bessarabischen Juden einzuleilen. Das Präsidium des Hilfsvereins der Deutschen Juden: Vorsitzender Dr. James Simon, stellvertretende Vorsitzende: Eugen Landau, Max M. Wnrburg, Willy Dreyfus.“ Der Antisemitismus in der Roten Armee Moskau, 5. Februar. (JTA.) Die Armee-Zeitung „Krasny Vojin“ (Roter Soldat) klagt, daß der Antisemitismus auch schon in die Rote Armee eindringt. Viele Soldaten, schreibt die Zeitung, sagen: „Wir sind für das Sowjetregime, aber wir sind gegen die Juden.“ Gegen das Sowjetwahlkomilee in Kislowodsk, welches hei der Versendung von Wahlliteratur an jüdische Wähler diese auf der Adresse mit dem Worte „Zschid“ (Spottwort für Jude) bezeichnete, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Das Gericht in Nischnij-Nowgorod verurteilte den Arbeiter Arkolow zu 6 Jahren, seine beiden Mitschuldigen Krasnow und Salin zu je 2 Jahren Gefängnis wegen schwerer Mißhandlung jüdischer Arbeiter und wegen eines wiederholten Versuches, die Fabrikarbeiterschaft zu einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung aufzuhetzen. Von der jüdischen Siedlungsarbeit in Rußland Moskau, 5. Februar. (JTA.) Die Sowjetregierung beschloß, für das Jahr 1929 eine Summe von 3 110 000 Rubel für jüdische Kolonisalionsarbeit in den Ländern der Sowjetunion zur Verfügung zu stellen. 2 100 000 Rubel gehen auf Rechnung des Staatsbudgets, 1 010 000 Rubel leistet die staatliche Landwirtschaftsbank. Amtlich wird mitgeteilt, daß das Gasolin für die Dampfpflüge in den Kolonien von Agro-Joint, Ort, Ica und Ozet zollfrei nach Rußland eingeführt werden wird. Moskau, 5. Februar. (JTA.) Die Kommission, die vor kurzem die Prüfung, Abgrenzung und Abteilung der von der Regierung bewilligten weiteren 109 000 ha Boden auf der Halbinsel Krim beendet hat, teilt mit, daß dieses Gebiet am 1. März für jüdische Kolonisationsarbeit freigegeben werden wird. Die Gesellschaft für jüdische Kolonisation Ozet hat eine Sonderkommission zur sorgfältigen Auslese der zukünftigen Neusiedler eingesetzt. Die Kommission wird die einzelnen Siedler auf ihre Eignung für bestimmte Arbeitszweige hin prüfen. Die Zeitung „Emess“ teilt mit, daß die Verwendung der Biro-Bidschan-Pioniere in der Forstarbeil*