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Das jüdische Echo · 1928-02-03 · 5 (3.2.1928) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Das Jüdische Echo Nr. 5 Es ist vielleicht ein Augenblick, in dem man tief aufatmet, Halt macht, um weiter zu schreiten. Aber vielleicht blickt man doch zurück, um zu schauen, wie weit man gekommen ist, ob noch Begleiter sind auf dem Wege, oder ob die Bahn einsam geworden ist. Wenn Martin Buber sich umblickt, so sieht er viele, viele, die seinen Weg wandern, die seinen Spuren gefolgt sind und die ihn in der Erwartung grüßen, daß er ihnen weiter vorangehe als Führer und Wegbereiter. — Dr. Rahel Straus. * * * Martin Buber vollendet am 8. Februar 1928 sein 50. Lebensjahr. Er wurde 1878 in Wien geboren und ist ein Enkel des verstorbenen jüdischen Gelehrten Salomo Buber, dessen Persönlichkeit auf sein Werden nachhaltig einwirkte. Martin Buber studierte 1896 bis 1900 in Wien, Leipzig, Berlin und Zürich Philosophie und Kunstgeschichte. 1901 war er Redakteur der von Theodor Herzl begründeten zionistischen Wochenschrift „Die Welt“. Er war Führer der kulturpolitischen „demokratisch-zionistischen“ Fraktion auf dem 5. Zionistenkongreß und Mitbegründer des Jüdischen Verlages. Seit 1906 lebte er, mit religionswissenschaftlichen Studien beschäftigt und in vielfacher Berührung mit führenden Geistern der Epoche, bei Berlin. 1916 zog er nach Heppenheim an der Bergstraße. 1916 bis 1924 redigierte er die von ihm begründete Zeitschrift „Der Jude“. Seit 1923 hat er den Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und* Ethik an der Universität in Frankfurt a. Main. Martin Bubers Einfluß auf die moderne zionistische Bewegung, namentlich auf ihre innere Entwicklung, war stets nachhaltig. Schon zu Herzls Lebzeiten hat er als erster die nach Herzls Tod allmählich eingetretene Wendung zu Kulturpolitik, Demokratie und Kolonisation mit dem von ihm geprägten Schlagwort „Gegenwartsarbeit“ gefordert. Auf dem 12. Zionistenkongreß in Karlsbad (1921) trat er mit Entschiedenheit für eine Politik der Verständigung mit den Arabern ein. Seit dem 12. Zionistenkongreß (1921) hat sich Buber von aktiver zionistischer Politik zurückgehalten, doch ist er in das Kuratorium der hebräischen Universität zu Jerusalem eingetreten. Sein Interesse gilt vorwiegend der Schaffung einer jüdischen Volkshochschule in Palästina. Nicht nur auf dem Gebiete der jüdischen, sondern auch der allgemeinen Religionswissenschaft gehört Buber zu den führenden Persönlichkeiten. Er ist mit allen Kreisen, die die Wiedererweckung religiöser Grundkräfte erstreben, verbunden. Von diesem Gesichtspunkt geht er auch an die sozialistischen und pädagogischen Probleme des heutigen Menchen heran. Diesen Problemen ist die von ihm gemeinsam mit einem Katholiken (Wittig) und einem Protestanten (Weizsäcker) herausgegebene Zeitschrift „Die Kreatur“ (Berlin, seit 1926) gewidmet. Von Bubers Schriften sind zu erwähnen: Die Selbstbiographie „Mein Weg zum Chassidismus“ (1918), „Zum jüdischen Problem“ und „Vom Geist des Zionismus“ (1915), „Die jüdische Bewegung“ (erster Teil 1916, zweiter Teil 1920), „Reden über das Judentum“ (1923), „Drei Reden über das Ju¬ Dentsche Neuwäscherei G.m.h.H. FELIX BRANDNEB MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eins. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial*Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kracen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8 Tage dentum“ (1911), „Der heilige Weg“ (1919), „Cheruth“ (1919), „Völker, Staaten und Zion“ — Antworten an Hermann Cohen (1916), „Zur Kenntnis des Chassidismus“, „Die Geschichten des Rabbi Nachman“ (1906), „Die Legende des Baal Schern“ (1907), „Der große Maggid“ (1922), „Das verborgene Licht“ (1924), „Ekstatische Konfessionen“ (1908), „Reden und Gleichnisse des TschuangTse“ (1910), „Prinzipielle Religionsphilosophie“ (Vorbereitendes), „Daniel“ (1913), „Die Rede, die Lehre und das Lied“ (1917), „Ereignisse und Begegnungen“ (1917), „Ich und Du“, erstes Buch einer Gesamtdarstellung (1923). Seit 1926 erscheint die von Buber und Franz Rosenzweig gemeinsam besorgte Bibelübersetzung. Centralverein und Palästinawerk Am 11., 12. und 13. Februar wird in Berlin die diesjährige Hauptversammlung des Centralvereins stattfinden. Es ist keine Frage, daß auch die Stellung des C.-V. zum Zionismus und zum Palästina-Aufbau wiederum Gegenstand der Beratung sein wird, ebensowenig darf man daran zweifeln, daß diese Gelegenheit von einer und nicht gerade geringen Anzahl von Gegnern des Zionismus ergriffen werden wird, um den C.-V. in einen noch entschiedeneren Gegensatz zum Palästinawerk zu bringen, als das bisher schon der Fall war. Das so außerordentlich „objektive“ Palästinabuch Dr. Wieners ist ja Wasser auf die Mühle dieser Bestrebungen gewesen. Besonders die „Jüdisch-Liberale Zeitung“ ist es, die auch in diesem Kampf wieder einmal den Sturmangriff führt: ein geradezu unheimlich großer Artikel „Pro Palästina und C.-V.“ von Hugo Ostberg in ihrer Nr. 1 versucht mit den alten immer neu frisierten Argumenten — auf die einzugehen sich nicht lohnt — nachzuweisen, daß Deutschtum und Judentum sich nicht vertragen, daß also Zionismus und Palästinafreundschaft dem Wesen des C.-V. nicht entsprechen könnten und daß es demzufolge eine besonders wichtige Aufgabe der Hauptversammlung sei, in diesem Punkte restlose Klarheit zu schaffen. Darunter versteht Ostberg etwa, daß ein Mitglied des C.-V.-Hauptvorstandes nicht gleichzeitig Mitglied des Keren-Hajessod-Vorstandes sein dürfe, daß Mitglieder des C.-V. aus dem Pro-Palästina- Komitee austreten müßten und daß dem Keren- Hajessod und dem Palästina-Aufbau offene Feindschaft anzusagen sei. Freilich sind im C.-V. auch Strömungen vorhanden, die im Gegensatz hierzu verlangen, daß der C.-V. tatsächlich ein Central- Verein werden müsse, ein Verein, der gerade im Interesse seines eigentlichen Zwecks, des Kampfes um die Gleichberechtigung aller deutschen Juden, auch jeden Juden, ohne Unterschied und ohne Rücksicht auf seine Einstellung zu innerjüdischen Fragen aufnehmen könne, ja, sich bemühen müsse, Anhänger aller Richtungen in sich zu schließen. Sehr geschickt und unter Aufbietung eines umfassenden historischen Materials vertritt diesen Standpunkt vor allem Dr. Ludwig Förder, ein Mitglied des Hauptvorstandes des C.-V. und dessen ehrenamtlicher Syndikus in Breslau in einer allerdings nur als Manuskript gedruckten Denkschrift für die Vereinsmitglieder des C.-V.: „Die Stellung des Central- Vereins zu den innerjüdischen Fragen in den Jahren 1919—1926.“ (Der oben erwähnte Artikel der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“ polemisiert be-

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