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Das jüdische Echo · 1928-02-03 · 5 (3.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 5 3. Februar 15. Jahrgang Martin Buber Zu seinem 50. Geburtstag Martin Buber wird 50 Jahre alt, so berichtet uns der Kalender; und wir müssen es ihm glauben, wenn es uns auch fast unglaublich erscheint! Unglaublich nicht für den, der Martin Buber persönlich kennt; nach seiner geistigen und körlichen Frische wird man ihn wohl kaum für älter halten. Aber für die alle, die ihn nur aus seinen Werken kennen, aus seiner Wirkung auf eine ganze Generation junger Juden, für die scheint es unfaßbar, daß Martin Buber erst 50 Jahre zählt. Denn die innere Entwicklung des heutigen westlichen Judentums ist ohne ihn und seinen Einfluß gar nicht mehr zu denken. Ein Jüngling war er, als im Jahre 1897 Herzls Ruf erging, der die Juden der Welt aufrief zur nationalen Erneuerung; zum ersten Zionistenkongreß. Mit jugendlicher Begeisterung hat Buber diesen miterlebt, sich in die Reihe derer eingestellt, die mitarbeiten wollten an der Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Aber er, der aus einem wirklich jüdischen Milieu stammte, der zuinnerst tief verwurzelt war mit seinem Judentum, ihm genügte bald nicht mehr die nur politische Wiedergeburt. Ein Anderes, Innerlicheres mußte wiedergewonnen werden, wenn eine wahre Renaissance des jüdischen Volkes erblühen sollte; Und dieses Innerliche, das, was die Eigenart des Judentums bestimmt, ihn wirklich trennt von allen anderen, sieht Buber in der Religiosität, in der spezifisch jüdischen Religiosität; d. h., so führt er aus: Keiner fühlt so stark wie der Jude seinen inneren Zwiespalt, den Dualismus in der Welt, keiner hat darum so elementar wie er die Sehnsucht nach der Einheit, die sich ausdrückt in dem einen einzigen Gott, der nicht gespalten ist in Gut und Böse. Die Erlösung aus diesem Zwiespalt ist ihm Aufgabe und Forderung, nicht nur Erkenntnis. Die Erlösung kann aber nur geschehen durch die Tat. Im Grundprinzip des Judentums steht als höchste Religiosität die Tat, die immer wieder neu geforderte Entscheidung zur Tat in Ganzheit und Weihe. Sie ist es, die immer und immer wieder von Moses Zeiten an verlangt wird, gefordert von allen Führern und Propheten. An dieser Forderung gemessen scheint ihm dies, was sich heute jüdische Religion nennt, eine Erstarrung, ein Kompromiß. Es gibt auch heute noch Bekenner, sagt er in seinen drei Reden, „aus Tradition, aus Trotz, aus Treue“; es gibt auch heute eine jüdische Religion, ihm ist sie „eine Erinnerung, vielleicht eine Floffnung, sicher keine Gegenwart“. Für ihn hört jede wahre jüdische Religiosität auf, wo sie aufhört, die unbedingte Forderung an sich zu stellen: „Heilig zu sein, wie dein Gott heilig ist“. — So wird Buber zum religiösen Gewissen seines Volkes. Immer wieder erhebt er die Forderung nach Wahrheit und Unbedingtheit Gott gegenüber. Er sucht, wo noch irgendwo diese Jüdische Religiosität gelebt wird und er findet ihr letztes Aufflackern im Chassidismus. So wurde Buber zum Vermittler des chassidischen Geistes für die Westjuden. In seinen schönen Legenden des Rabbli Nachmann und Erzählungen des Baalschem zeigt er uns die Innigkeit und Hingebung des Chassid, seine mystische Sehnsucht und Verbundenheit mit Gott. Gelebtes Judentum künden die Worte des Baalschem und seiner Nachfolger. Doch weiter führt ihn sein Weg zurück zu den ältesten Quellen jüdischer Religiosität — zur heiligen Schrift; ,und treu dem Wort, doch neu erfaßt und erfüllt gibt er uns gerade jetzt, oft in hymnischer Sprache, das, alte Bibelwort in deutschem Gewand. Auch die rein nationale Seite der Erneuerung prüft er mit großem Maßstab. Die Zweiheit im Juden, in die er nun einmal hineingeboren ist, gilt es auch zu übbrwinden; die doppelte Verbundenheit: hier durch Sprache, durch Sitte, Land und Heimat gegeben, dort durch die lange Reihe der Geschlechter, mit denen uns Blut und Geschichte und Schicksal verbindet. Ausmerzen können wir keine Seite, aber die Wahl ist uns gegeben, welcher Seite wir die Herrschaft geben wollen. Haben wir uns zum jüdischen Volke entschieden — dann erhebt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung dieses Volkes. Was kann, was hat dieses Volk der Menschheit noch zu geben? Darüber zu reden, sagt Buber, wäre Vermessenheit: Nur den Weg sieht er klar, den dies Volk zu gehen hat. Gewiesen wird er ihm wieder aus der Ursubstanz der „Volksseele“, seiner Religiosität; dem Sehnen aus dem Zwiespalt heraus zur Einheit in sich selbst und zur Einheit in Gott. Diese Einheit aber muß verwirklicht werden durch die Tat in der Welt der Dinge unter den Menschen, die „w a h r e Gemeinschaft“ soll entstehen. Dies ist ihm die uralte prophetische Forderung an das Volk Israels, eine wahre Gemeinschaft zu sein. Noch ist es unerfüllte Forderung, bleibt Aufgabe, die, so meint er, vielleicht' erfüllt werden kann in der Stille und Enge des Heimatbodens, in Erez Israel, als Zelle erst, als Keim, als Vorbild für die wahre Gemeinschaft aller Völker. So hat Buber dem Juden seinen Platz angewiesen unter den Völkern und seine Aufgabe gestellt unter den Menschen — unbekümmert darum, ob seine. Forderung gelebt, ob seine Aufgabe erfüllt wird — ob sie leicht oder schwer ist — für ihn, den Wahrheitssucher, ist sie absolute Gegebenheit, und so läßt er seinen Ruf erschallen, auch wenn es auch ein Ruf in der Wüste bleiben sollte. „50 Jahre“, das ist keine rechte Zeit zum Feiern. Noch ist man in der Vollkraft von Körper und Geist, offen liegt der Weg vor einem.

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