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Das jüdische Echo · 1927-08-12 · 32 (12.8.1927) · p. Seite 513

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
32 (12.8.1927)
Date
1927-08-12
Page
Seite 513 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 513 Hill i i ii I il! Feuilleton | || |j III II :n ii ii ii Jüdischer Orient (Die Tripolisjuden in Berlin) Wer in den wenigen heißen Tagen, die allerdings nur allzu schnell zu Ende waren, den Berliner Zoo besuchte, der konnte sich im Orient wähnen. Ein Stück Orient ist im Zoo aufgebaut. Mit Frau und Kind und Tieren, Bazaren, heimatlichen Wasserpfeifen und Kaffeestuben. Araber, spagniolische Juden und andere Tripoiitanier verschiedener Kultur und Hautfarbe sind schon seit Schowuaus der Einladung der Berliner Zoo-Direktion gefolgt. Durch das schlechte Wetter, das sie in geheizten Räumen verlebten, konnten sie allerdings erst jetzt den Berlinern ihren Orient Vorspielen. In der Arena, auf deren Zuschauertribüne die Gäste Platz genommen haben, knallen die Schüsse der Wüstensöhne und herrlich grau-weiße Araberhengste sprengen feurig durch den märkischen Sand. Junge, schwarze Sklavinnen tanzen Bauchtänze und ihre leuchtenden Tücher, in die sie gekleidet sind, so leuchtend wie der dunkelblaue südliche Himmel sie verlangt, prangen nun im Zoo-Tripolitanien. Mit Silbergürtel und breiten silbernen Arm- und Beinspangen begeistert eine entzückende, ganz junge, schwarze Anmut zu den gleichen Bewunderungserklärungen, wie sie die Chokolatekiddies einheimsen durften. Und das gleiche gilt von zwei kleinen spagniolisch-jüdischen Mädchen. Bei uns wären sie noch Kinder. Die zwölfjährige ist ganz Dame, entspricht etwa einer 18jährigen bei uns. Die Zehnjährige aber ist eine ganz reizende kokette kleine Bergner. Zehnfach potenzierte Frau mit unglaublichen Wandlungen und Blinkaugen, im Alter etwa der Toni van Eick zu vergleichen, so wie sie als Kätchen war; erste wunderbare Blüte mit Lebendigkeit und tausend Überraschungen. Eine Altersgenossin, die kleine Araberin eines Nomadenstammes im offenen Zelte, neben der Mutter, deren frühere Schönheit ins rassige gemeißelt ist, hat andere Vorzüge. Sicher ist sie die Begeisterung aller Maler und Bildhauer. Dies kleine braune Mädchen mit den klaren, ebenmäßigen und plastischen Zügen hat Bewegungen von edelster Klassik. Wie die Kleine einen Lunapark-Bären auf der Nase balanzieren läßt und dazu die Arme hebt, ist so edel, so harmonisch, wie es bei uns nur die Züchtung durch Generationen zu erreichen vermöchte. Ihre Stammesgenossen spielen in ihrer Nationaltracht, wie man sie auf alten Passionsbildern findet, und mit den gleichen Bewegungen, eine Gebet- und Tanzzeremonie einer arabischen Hochzeit. Oft aber. erinnerten ihre Gesänge an Tanzlieder, wie wir sie bei ostjüdischen Festen noch heute finden und der Mögen Dovid auf der grünen Fahne des Propheten vollendet diesen Eindruck bis zur Täuschung. Man dachte eher an eine alt- oder neutestamentarische Szene und bei den Tänzen an eine ostjüdische Hochzeit, nur daß hier ein Mann bis zur Erschöpfung tanzt. Kinderknarrentöne, schrille Naturkoloraturen, primitive, flötenähnliche Töne und Schläge auf Tonvasen und Becken bildeten die fremdartige Musik, die allerdings herrlich zu den leuchtenden Farben stimmte. Südliche Langmut kündeten die kleinen bunten Becken die auf dem Rücken des Vordermannes zu dumpfen Lärm erregt werden. Auch die tripolitanischen Juden haben ihre Musik. Bei ihnen ist eine kleine Musikbühne aufgeschlagen, und daß sie nicht nur Schauspieler sind, zeigen sie durch überraschende Variete Kraftstückc. Während stark rhythmischer Tänze errreifen sie plötzlich mit den Zähnen einen Tisch, tanzen mit ihm, ein anderer Tänzer springt in den Kreis, ergreift gleichfalls einen Tisch oder nimmt dem Partner den seinen ab, tanzt weiter, springt weg, tanzt zum Händeklatschen und beteiligt sich schließlich am Reihengesang. Dreiviertel Stunden hintereinander wird gesungen, getanzt, gesprungen, Variete vorgeführt mit der gleichen Unermüdlichkeit der Chokolatekiddies, was auch bei diesen unverbrauchten Juden festgestellt werden darf. Namentlich ein ganz junger ist Tänzer mit der ganzen Zärtlichkeit jugendlicher Hingegebenheit an die Formen der Musik wie an den eigenen jungen Körper. Der Pantoffelmacher nicht weit davon näht die gleichen Schönen Formen in Silber auf einen blauen Samt, der so leuchtet, wie sternenheller Nachthimmel. Auch in die Spitzbogen der silbernen Borten näht er dieselben Bewegungen. Der Schneider, der Sabbathdecken von ungeahnter Pracht zu verkaufen hat, besitzt die gleiche Kunstfertigkeit. Da sie die Gesetze streng beobachten, arbeiten sie am Sabbath nicht. Sie haben sich auch ihren Schauchet mitgebracht und haben eine eigene offene Küche. Wunderschöne Menschen gibt es unter diesen Juden. Ein Mann namentlich ist von einer so weichen melancholisch sinnlichen Schönheit, daß die Stammesschönheit Camilla neben ihm völlig verblaßt. Er ist schöner als die Gondolieri an den italienischen Seen und das will schon etwas heißen. Er ist so schön, daß er in den Orientmärchen der Held merkwürdiger Schicksale sein könnte. Ihre Kleidung, die weißen Hemden, farbigen Westen und der rote Fez malen Orient und Sonne. Manche aber gleichen auffallend den Typen, wie wir sie bei den russischen oder galizischen Juden finden, oft ununterscheidbar. Sie spielen und singen übrigens auch die Hatikwah. Neben ihnen stehen hinter der schattenspendenden Mauer die Hocker und die niedrigen Tischchen des arabischen Cafes. Hocker und Tischchen kennen wir aus den arabischen Pavillons von Mocca Efti. Und in der gleichen Straße, neben den Bazaren und dem Gatter für die Tiere — einem Esel und wenigen Ziegen — ist die überdachte Wasserstelle, immer ergänzt mit frischem fließenden Wasser aus der Leitung, nicht nur die Freude der Tiere, sondern noch viel mehr das Erstaunen eines kleinen braunen Knirpses, der unbesorgt das stehende Wasser trinkt. Eine Ziegenherde der Nomaden zieht gleichfalls durch das Lager. Die Illusion des Orients ist vollkommen. Ruth Morold. MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168

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