Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1925
- Issue
- 18 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTE ILUNGEN des Israelitischen Lehrervereins für Bayern S chriltleitung: M. Rosenield, München Nr, 18 München, 2. Januar 1925 | Viktor Gottlieb Vt | Mit Schreiben vom 16. Dezember erhielten wir von dem Vorstand der Kultusgemeinde Mellridnstadt, Herrn Guido Prager, die traurige Mitteilung von dem Ableben unseres Kollegen Viktor Goitlieb. In ihm betrauert die Gemeinde einen gewisseniiaiten Lehrer, einen Beamten von restlosem Diensteifer und treuester Pflichterfüllung, dessen Verdienste in seiner 33jährigen Tätigkeit in Mellrichstadt unvergeßlich bleiben werden. Der jüdische Lehrerverein, dem er seit 1885 als Mitglied und von 1896—1903 als Verwaltungsmitglied angehörte, verliert in ihm einen treuen, immer arbeitsfreudigen Kollegen. Gottlieb war auch im Ehrendienst des Verbandes tätig und hat auch diesem gerne seine Kraft gewidmet. Über die Beerdigung sendet uns Herr Präger nachstehenden Berieht: „Eine erhebende Trauerfeier, wie unser Städtchen wohl noch wenige gesehen haben w ird, hat heute hier stattgefunden. Galt es doch einer allgemein beliebten und 'nochgeachteten Persönlichkeit, dem Lehrer der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Viktor Gottlieb, die letzte Ehre zu erweisen, nachdem die sterbliche Hülle vormittags von Frankfurt a. M., wo der Verbliebene von einem schweren Leiden Heilung suchte, hier eingetroffen war. Die Leiche war im Vorraum der festlich beleuchteten Synagoge aufgebahrt, die heilige Lade in der Synagoge war geöffnet. Um 2 Uhr begann die Feier. Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Bamberger aus Kissingen hielt die Trauerrede. Ihm folgte Herr Gottlieb aus Frankfurt als Neffe, Herr Hauptlehrer Blumenthal aus Unsleben als Vertreter des Lehrervereins, Herr Guido Prager als Kultusvorstand. Hier auf sang der Gesangverein Sängerverein und Harmonie ein ergreifendes Lied, nach dessen Ausklang der Vorstand des Vereins, Herr Obersekretär Seidl, dem Ehrenmitgliede für seine vorzügliche Tätigkeit den letzten Dank des Vereins brachte. Herr Oberlehrer Schliermann nahm in beredten Worten im Namen des Lez.-Lehrer-Vereins Mellrichstadt und als Freund von dem Verbliebenen Abschied. Herr Lehrer Neustädter-Kissingen sprach im Namen der „Lernkonferenz" - Kissingen, Herr Lehrer Neuberger-Maßbach, als ehemaliger Schüler, im Namen aller Schüler. Alsdann setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung, den die Sehulkinder aller Konfession c n eröffneten. Ihnen folgte genannter Sängerverein, der Krieger- und Militärverein, je mit ihren Fahnen. In schier unendlich langem Zug waren die Spitzen der Behörden und die katholische Geistlichkeit vertreten. Kurz vor der Wegabzweigung am Krankenhaus bildeten die Schulkinder Spalier und nachdem der Leichenwagen hielt, nahm der Sängerverein mit einer zweiten Trauerweise von dem Verblichenen Abschied. Die Fahnen senkten sieh und die Hülle eines edlen Mensehen fuhr auf einsamem Feldwege, begleitet von den Hinterbliebenen und vielen Freunden, ihrer letzten Ruhestätte entgegen." Auch unser Verein wird dem wackeren, allzufrüh dahingegangenen Freunde allezeit ein ehrendes Gedenken bewahren. Jahresbericht, erstattet auf d< am 14. | von S. Dingfelde (Fortsetzung) Von der Abwehr nach Außen wenden wir uns zur Aufbauarbeit. Es wird heute keinen .Inden in Bayern geben, der noch irgend welche Bindungen an seine religiöse Gemeinschaft, der noch Interesse an seiner Gemeinde hat, der dem V e r - 1) a n d B a v eri scher 1 s r a e 1 i t i s c Ii e r G em e i n d e n als der Vertretung gegenüber den Behörden und einem Erhalten des Judentums nichl Anerkennung und Dank zollt. In einer größeren Arbeil habe ich versucht, darzulegen, was der Verband in den 4 Jahren seiner Tätigkeil für das bayerische Judentum, für die Gemeinden und für die Beamten geschaffen lud. leb will mich deshalb kurz lassen und möchte konstatieren: Am 26. Juli 1904 wählte die Generalversammlung unseres Vereins eine aus Rabbinern und Lehrern besiehende Kommission, welche alle Schritte unternehmen sollte, die zur rechtlichen, materiellen und sozialen Besserstellung der Beamten nötig sind. tr 43. Mitgliederversammlung ali 1924 r, I. Vorsitzender 1908 folgte die Denkschrift über die soziale Lage der israelitischen Lehrer, 1014 eine solche über die Lage der Rabbiner und eine Erweiterung unserer Arbeil, die sich mit der Lage aller Branchen beschäftigte. Der Landesverein war eine ungeeignete Organisation, die Revision des Judenedikts entfachte erbitterte Kämpfe, eine Zentralkasse wäre nur ein Rumpfwerk geblieben. Nie wären die Wünsche der Beamten zur Erfüllung gereift, ine die Vorschläge der Denkschrift Grundsätze für Gemeinden und Beamte geworden, ohne die Tal vom 20. und 21. April 1920. Wir wollen, auch wenn manche Hoffnung noch unerfüllt bleibt, niemals vergessen, daß der Verband in 4 Jahren uns eine rechtliche und materielle Lage gesichert hat. um die wir 40 Jahre1 vergeblich gekämpft haben — so wird auch die soziale Sl(4hmg in den Gemeinden durch die vorbildliche Einschätzung und Wertung, die der Verband den Beamten von seinem Gründungstage an einräumte, eine andere höhere wer4.