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Das jüdische Echo · 1924-10-24 · 43 (24.10.1924) · p. Seite 350

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
Seite 350 (sequence 10)
Language
German
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350 Das Jüdische Echo Nr. 43 iliiii ililliüii || m Feuilleton [j .... Bl: I 1 1111 Roschhaschana in Jerusalem Es ist hier anders als im Galuth, besonders als in Deutschland. Man fühlt, daß das Jahr zu Ende geht und man wünscht „schana towa“, ein gutes Jahr, nicht weil eben das Fest Roschhaschana ist, sondern weil wie drüben am 1. Januar wirklich ein neues Jahr beginnt. Sabbathe und Feste sind hier natürlich Einschnitte des Lebens, ungeachtet der religiösen Einstellung des Einzelnen. Ueber 300 Synagogen hat Jerusalem. Die meisten sind natürlich nur Stübchen. In über 300 Synagogen betet man und bläst Schofar. Es gibt auch eine „Hauptsynagoge“: Mitten in der Altstadt, versteckt, ein großer Kuppelbau, dessen Eingang von einer engen Gasse aus ein Fremder schwer findet, aus dem vorigen Jahrhundert stammend, mit abbröckelnden „Fresken“ (wie das berühmte Bild mit den Harfen an den Bäumen Babels — und der schwarz-weiß-roten Militärtrommel). Wer an diesem Tag vermocht hätte, in alle jüdischen Bethäuser der Welt einen Blick zu werfen, der wäre wohl nirgends so erstaunt gewesen, wie hier, und ein alter Rebbe aus längst versunkenen Zeiten wäre vielleicht noch verwirrter geworden, als in der Fasanenstraße. Er hätte gesehen: würdige alte Juden mit langen Pales, Im schönen seidenen Kaftan und mit der malerischen Fuchspelzmütze, andere aschkenasische Juden, „Orthodoxe in Zivil“, Sephardim mit Fez, europäische Juden aus West und Ost mit Tropenhelm, jüdische Gendarmerieoffiziere, Arbeiter in kurzen Hosen, mit offenen Hemden oder russischen Blusen usw. Vorn, wo in den deutschen Tempeln die Parnessim zu sitzen pflegen, zwischen dem Oberrabbiner Cook und Colonel Kisch, Herbert Samuel, der Statthalter des Landes. Und als er nach dem Gottesdienst durch die schmale Gasse aus der Synagoge trat, emfing ihn Händeklatschen der Menge. Die Juden sind doch ein recht sentimentales Volk, und ich glaube, sie wären gegebenenfalls sehr gute Royalisten. Jenes Menschenkonglomerat gehört nicht zu den vielen positiven Erscheinungen Erez Israels, auf die wir so stolz sind. Aber dies Phänomen hat doch auch eine positive Bedeutung. Der Kampf um die jüdische Religion wird hier einmal kommen un<i entschieden werden. Wer ehrlich ist, muß gestehen, daß im Galuth, außerhalb der Menschen, die —- gut oder schlecht — in der Agudah geborgen sind, man der Frage der jüdischen Religion ziemlich .hilflos gegenübersteht, zwischen Festhalten und Reformieren, zwischen eigentlichem „Glauben“ und philosophischer Auslegung, hin und herschwankt, und weil jede Abwendung von Form und Inhalt jüdischer Religion taktisch eine Annäherung an die Assimilation bedeutet, derjenige der den Willen zum Jude sein hat, nie frei und unbefangen entscheiden kann, ohne instinktiv oder bewußt durch nationale Gründe bestimmt zu sein. Hier besteht die große Gefahr, in einer fremden Kultur, in einem fremden Volk durch Assimilation unterzugehen, nicht. Was der Beste im Galuth über das Wesen des Judentums am Schreibtisch zu formen vermag, wirkt nicht lebendig ins Volk hinaus. Nur in einem innerlich und äußerlich sa freien Leben, wie es nirgend anders als in Erez Israel gelebt wird, wird an altem und neuem däs Lebenskräftige, Lebenswerte wesenhafte Gestalt werden können. Wir wissen, was an starken Kräften im östlichen orthodoxen Judentum wohnt. In der „Hauptsynagoge“ wurde sehr schön gesungen und es herrschte ziemliche Ordnung. In den Stübchen hingegen wurde besser gebetet. Und besonders an der Klagemauer. Die Menschen rangen mit Gott, sie ballten die Fäuste gen Himmel, Gott zu zwingen ihnen Helfer zu sein, sie vor Unheil zu bewahren, Gott zu zwingen Gott Israels zu sein. Und die ehrwürdigen Männer sprachen den Priestersegen. Dann verwandelte sich die flehend leidenschaftliche Melodie des Gebetes in eine heitere, aber nicht in ein Sabbathlied, sondern in einen primitiv wortlosen Gesang, von Händeklatschen begleitet, genau denselben — nach dem die Chaluzim draußen in den Kwuzoth den wilden jüdischen Nationaltanz, die Horra, — er ist von den Russen übernommen — tanzen. Es war verblüffend; an solche Kontinuität dachte ich nicht. So wird man in d>en Kwuzoth des Galil und überall das Fest gefeiert haben: Mit Tanzen und Singen. Sie dürfen tanzen, sie haben mit dem harten Land gerungen, sie zwingen den spröden Boden, wieder Früchte zu tragen im schweren Kampf aus einem starken, leidenschaftlichen Glauben, daß das Land Erez Israel werden muß, daß der Boden bereitet werden muß, einem freien, lebendigen Judentum. Dr. Buchmann. literarisches Echo H. D. N o m b e r g, „Flügelmann“, herausgegeben, übertragen und eingeleitet von A. S u h 1 im Verlag Schemesch, Leipzig. Diese „Novellen aus dem Jüdischen“ sind deshalb für uns sehr interessant, weil sie als Gegenstand nicht den Ghettotyp des Galizischen Ostiuden, sondern den modernen, stark assimilierten, in Deutschland an den Universitäten herausgebildeten Juden aus dem Osten haben. Es muß allerdings gesagt werden, daß diese Novellen, so erschütternd sie auch in ihrem rein menschlichen Gehalt wirken mögen, einer gewissen Tragikomik nicht entbehren. Beispiel: Der ostjüdische Student mit dem Tirolerhütchen und einer Feder darauf auf der Rodelbahn in Garmisch. Der feinere Beobachter wird allerdings hinter der scheinbaren Assimilation doch den Gegensatz des Seelenlebens entdecken, der auch heute noch ostjüdische und westliche Erzählerkunst scheiden muß. Die Uebersetzung ist im allgemeinen ansprechend, wen auch von einigen Unreinheiten nicht ganz frei. Der Uebersetzer sollte den Helden der Novellen z. B. nicht „ins Gebirge“ machen lassen. Im ganzen kann das Büchlein durchaus empfohlen werden. Dr. Beil. Gemeinden-u. Vereins-Echo Neu markt i. Opf. Am Dienstag, den 14. Okt., fand hier eine wohlgelungene Vorführung des Palästinafilms „Eine Reise durch Erez-Israel im Jahre 5683“ statt. Herr Dr. Löwengart aus Nürnberg sprach einige einführende Worte. Die Aufführung hat wieder einmal deutlich gezeigt, daß auch in unseren kleineren Gemeinden ein starkes Interesse für das werdende jüdische Palästina vorhanden ist. Fürth i. B. Am 6. Okt. wurde hier eine zionistische Zweiggruppe unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Josef Oppe heimer gegründet. Die rege Beteiligung, die bei dieser Veranstaltung zu be- #

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