Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 11 (11.7.1924) Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Date
- 1924-07-11
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- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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MITTEILUNGEN des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Schriltleitung: M. Rosenfeld, München Nr. 11 München, 11. Juli 1924 Notwendigkeit und Aufgaben des Wiederaufbaues int deutschen Judentum „ f . Herr Seminaroberlehrer Stoll-Würzburg, e ereil e n . j_jerr ]_ehrer H. Oppenheimer-Laudenbach. Leitsätze: I. a) Die entvölkerten Schulen und verarmten Gemeinden sind Zeichen des Verfalls und der Auflösung des deutschen Judentums. b) Die Berufsflucht der Beamten, die Entvölkerung der Lehrerbildungsanstalten und die Verschlechterung der Aussichten für den jüdischen Volksschullehrerberuf bedeuten eine unmittelbare Gefahr für den Fortbestand jüdischen Lebens auch in den Großgemeinden. II. Ein geistiger und wirtschaftlicher Wiederaufbau ist anzustreben und erreichbar: a) Durch Vermittlung sinaitischen Judentums in Schule und Leben. b) Durch Erziehung des Juden zum Handwerker und zum Landwirt unter Beobachtung traditionellen Lebens. III. Das jüdische Schulwerk ist auf den geistigen Um- und Aufbau einzustellen und zu gliedern: a) in Unterstufe: Volks- und Religionsschule, b) in Mittelstufe: Bürgerschulen mit fachlicher Ausbildung für Gewerbe, Handwerk, Landwirtschaft, c) in Oberstufe: Höhere Schulen mit besonderer Berücksichtigung der Lehrerbildung. d) Der jüdischen Lehrerbildung erwächst die Aufgabe, den Lehrer der Zukunft heranzubilden: Er stehe auf der Höhe der Allgemeinbildung der Zeit und sei ein begeisterter Träger der jüdischen Kulturgüter. Dementsprechend ist die jüdische Lehrerbildung zu erweitern und zu vertiefen bis zur Erreichung der Selbständigkeit im Quellenstudium. IV. Die Gesamtheit der deutschen Juden in organischer Zusammenarbeit der Verbände kann und soll das Fundament schaffen zur geistigen und wirtschaftlichen Wiedergeburt des deutschen Judentums. a) An die Gemeindeverbände sind im Hinblick auf die geistige Wiedergeburt folgende Anträge zu stellen: 1. Regelung und Sicherung der Anstellungs-, Besoldungs- und Versorgungsverhältnisse nach staatlichem Beispiel. 2. Förderung des Zusammenschlusses von Kleingemeinden zur Schaffung tragfähiger Beamtenstellen. 3. Übernahme der Gehaltsu. Versorgungsbezüge in leistungsschwachen Gemeinden auf den Verband unter Heranziehung der Einzelgemeinden zu finanziellen Leistungen an die Verbandskasse. b) Für den wirtschaftlichen Aufbau wird den Verbänden empfohlen: 1. Förderung von Einrichtungen, welche die jüdische Jugend dem Handwerk und der Landwirtschaft zuführen. 2. Förderifhg von Landwirtschaftsu. Handwerksbanken zum Zwecke der Errichtung und Erhaltung der betreffenden Betriebe. Pädagogischer Kongreß Vom 28. bis 30. August dieses Jahres finde! in München ein Pädagogischer Kongreß statt. Folgende Themata werden behandelt: 1. Sinn und Ergebnisse der Reichsschulkonferenz; 2. die Philosophie der Gegenwart und ihr Einfluß auf das Bildungsideal; 3. die Entwicklung der Schulgesetzgebung in den deutschen Ländern seit 1918; 4. Volkserziehung durch die Schule; 5. Möglichkeiten und Grenzen der experimentellen Pädagogik; 6. Versuchsschulen und Schulversuche in den deutschen Ländern; 7. Höhere Schule — Aufbauschule; 8. die derzeitige Lage der Mädchenbildung; 9. die freie Volksbildungsarbeit. Als Hauptreferenten sind bis jetzt gewonnen: Univ.-Prof. Dr. Gg. Kerschensteiner, Univ.-Prof. Dr. Litt-Leipzig, Univ.-Prof. Dr. Al. Fischer, Stadtschulrat Dr. Sickinger-Mannheim, Univ.-Prof. Dr. G. Deuchler-Hamburg, Frau Ministerialrat Dr. Gertrud Bäumer-Berlin, Direktor Bäuerle-Stuttgart. Es steht jedem Teilnehmer frei, an der Diskussion teilzunehmen (Debattezeit 5—10 Min.). Die gesamten Verhandlungen werden in einem gedruckten Kongreßbericht veröffentlicht. Vormerkungen für Referate (auch Korreferate) werden bis 15. Juli entgegengenommen. Teilnehmergebühr 5 Goldmark. Um frühzeitig einen Überblick über die Zahl der Kongreßteilnehmer zu gewinnen, ist baldigst Anmeldung und Vorausbfir Zahlung erwünscht; erfolgt diese vor 15. Juli, so wird Ermäßigung der Gebühr auf 4 Goldmark gewährt und die Teilnehmerkarte zugeschickt.