Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 36 (8.9.1922)
- Date
- 1922-09-08
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Das Jüdische Echo Nr. 36 Sammlungen wurden in 35 Ländern durchgeführt, die zusammen eine jüdische Bevölkerung von 11 Millionen Seelen zählen. Außerdem erreichen die Verpflichtungen für den Keren Hajessod die Summe von 1 874 993 Pfund. Der Keren Hajessod hat im Laufe der ersten sechs Monate nach dem Karlsbader Kongreß 281 132 Pfund nach Palästina überwiesen. Eine Würdigung dieses, bei dem jetzigen Marktstande zwar recht hoch stehenden, für die Bedürfnisse Palästinas aber keineswegs ausreichenden Ergebnisses, wird in einer der nächsten Nummern dieses Blattes erfolgen. Litauen Antisemitische Hetze Auch in dem bisher eine rühmende. Ausnahme bildende Litauen macht sich jetzt eine immer stärker werdende antisemitische Agitation bemerkbar. In der jüdischen Bevölkerung herrscht, wie die „Wiener Morgenzeitung“ meldet, lebhafte Unruhe wegen einer sich fühlbar machenden Pogromagitation. Man fand Proklamationen, die ausführen, daß die Teuerung und Preissteigerung von den Juden verursacht werden. Es wird der Kampf gegen die jüdische Bevölkerung gepredigt. Wettbewerbsausschreibtn! Der Verband jüdischer Ingenieure und1 Techniker für den Aufbau Palästinas in Wien versendet nachstehenden Aufruf: Kollegen! Die zionistische Exekutive hat ein Preisausschreiben für den Aufbau eines Gymnasiums in Jerusalem erlassen. Angesichts der besonderen Wichtigkeit des Baues wurde unser Verband für die in Europa wohnenden Bewerber als Ausgabestelle für die Unterlagen erwählt. Der Wetbewerb ist offen für alle Verbandsmitglieder, ferner für alle jüdischen Kollegen in anderen Ländern, welche gleichzeitig dem Verband als Mitglied beitreten wollen. Die Unterlagen bestehen aus 2 Lageplänen, einem Schaubild und einer detaillierten Ausschreibung und sind gegen Erlag der Selbstkosten in der provisorischen Verbandskanzlei (Arch. Ing. Otto Kol lisch, Wien, VII., Siebenstemgasse 16a) ab 5. August a. c. erhältlich. Für' Ausländer werden die Bezugspreise einzeln bekanntgegeben. Die drei ersten Preise betragen 50.—, 40.— bezw. 30.— L. E. Weitere Ankäufe zum Preise von L. E. 15.—. Die Projekte sind bis 20. Oktober a. c. einzureichen. filllllliiij PSi IUI ■I I 1 Feuilleton |||||iii BI II IUI! «II Die Kröte*) Von Martha Nothmann. „Pfui Teufel!“ Das war das erste, was die kleine Kröte hörte, als sie der Knabe aus der Botanisiertrommel nahm. „Pfui Teufel,“ sagte er noch einmal, und hielt sie an einem Bein empor. Galt das mir, dachte die Kröte ganz erstaunt, ich werde mich wohl verhört haben. — Sie war ja Optimistin von Beruf. Auch hatte sie noch nie ein so unliebevolles Wort gehört. Sie war direkt von Mama fortgenommen worden, und die hatte nur immer zu ihr gesagt: „Nein, bist du süß, diese Patschen, das Mäulchen — wer könnte sich wohl ein schöneres Kind vorstellen.“ Da.sagte aber auch das kleine Mädchen: „Nein, ist die häßlich, wirf doch das abscheuliche Tier weg.“ „Wahrscheinlich haben die Menschen keinen Geschmack,“ tröstete sich die Kröte undi hüpfte froh über die wiedergewonnene Freiheit auf eine Maikäferfamilie zu. Bei Maikäfers war gerade große Gesellschaft. „Könnte ich nicht .auch vielleicht eingeladen werden?“ fragte die Kröte bescheiden, „ich liebe so sehr geselligen Anschluß und könnte ja auch beim Herumreichen helfen.“ *) Dem „Berliner Tageblatt“ mit gütiger Erlaubnis entnommen. „Wo denken Sie hin,“ sagte die Hausfrau unwirsch, und staubte aufgeregt ein paar Maiglöckchen ab, in denen die Bowle serviert werden sollte, „wir erwarten heute noch sehr vornehme Gäste — unter anderen einen Hirschkäfer von einer fast schon ausgestorbenen Art —, da würden Sie den ganzen Eindruck stören beii Ihrem Äußeren.“ „Bin ich denn wirklich so häßlich?“ fragte die Kröte betrübt. „Allerdings,“ die Maikäferin musterte sie von oben bis unten, „von Ihrem Mangel an Beinen will ich ja aus Zartgefühl nicht reden. Aber schon allein Ihr Teint. Mit dieser grünen Koleur machen Sie sich in jeder besseren Gesellschaft unmöglich.“ Traurig hüpfte die Kröte weiter. „Bin ich denn wirklich so häßlich?“ fragte sie einen Grashüpfer. „Da Sie mich fragen, so muß ich Ihnen wohl recht geben,“ antwortete der Grashüpfer höflich, „das einzige Passable an Ihnen ist noch Ihre Farbe — Grün kleidet immer, wie Sie ja auch an mir sehen —, aber wie kann man nur so hervortretende Augen haben.“ Da kam die Kröte zu der Fliege. „Sie kommen doch so viel herum,“ fragte sie ganz niedergedrückt, „ich bitte Sie, sagen Sie mir offen, bin ich wirklich so häßlich? Ich kann die Wahrheit vertragen, und wenn sie furchtbar aussehen würde wie ein Storchschnabel.“ ELEGANTE PELZE PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 23