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Das jüdische Echo · 1922-04-28 · 17 (28.4.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
17 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 17 28. Hpril 1922 9 Jahrgang Der Keren Hajessod*« Konferenz für Süddeutschland zum Gruß! Das jüdische Volk in der Diaspora drängt stärker als je zu aufbauender Tätigkeit. Wem will es noch genügen, nur zu erhalten, Brüchiges immer wieder zu flicken, innerlich Widerstrebende an ungewollte Gemeinschaft zu fesseln? Der Gedanke des Aufbaues Palästinas und seine Verwirklichung durch den Keren Hajessod, die große Vermögenshingabe von Juden aller Parteien für Erez Israel? durch die Arbeit der Chaluzim, die große Hingabe von Körper und Seele das Land liebender, für das Leben in ihm sorgfältig vorbereiteter Zionisten, gewinnt immer mehr Anhänger. Sie einigt und trennt: einigt Juden aller Richtungen, die es ernst mit ihrem Judentum meinen; sondert aus der jüdischen Gemeinschaft diejenigen, deren Judentum von je nichts als Attrappe war. Herr Dr. Naumann und seine erklärten oder vorläufig noch nicht erklärten Anhänger mögen scheltend beiseite stehen, sie werden Einige gewinnen und ein paar Zögernde einschüchtern. Die Entwicklung geht über sie hinweg und es ist bezeichnend, daß die Ideologie fast keiner jüdischen Gruppe den Aufbau des Heiligen Landes und die jüdische Einigung zur Erreichung dieses Zieles grundsätzlich ausschließt. Dies macht es erklärlich, daß die Sache des Keren Hajessod marschiert, auch wenn in einigen Gruppen, deren Anhänger sich großenteils prinzipiell dafür entschieden haben, sich Widerstand bemerkbar macht. Die Idee des Keren Hajessod ist schon mächtig geworden, sie ist stark in sich selbst, stärker jedenfalls als taktische Erwägungen. Sie setzt sich durch. Wie sehr das bereits in Süddeutschland der Fall ist, wird die Keren Hajessod-Konferenz in Nürnberg am 30. April 1922 zeigen, die im großen Saal des Luitpoldhauses tagen wird. Das Präsidium des Keren Hajessod in Berlin wird an den Beratungen teilnehmen; der Vorsitzende Herr Direktor Wassermann selbst wird anwesend sein. Auch der siebenzigjährige Generalkonsul Landau wollte es sich nicht nehmen lassen, zu erscheinen ,und die Anwesenheit des Herrn Kurt Blumenfeld wird gerade in Süddeutschland, wo er in den letzten Jahren mehrmals weilte, mit besonderer Freude begrüßt werden. Was wollen diese jüdischen Männer, deren menschliche und jüdische Bedeutung unbestreitbar ist? Sie wollen gewiß Geld und viel Geld; aber um einer bloßen Schnorraktion wegen hätten sie die Last so vielfältiger Arbeit nicht auf sich genommen. Ihnen ist Keren Hajessod keine Geldsammelmaschine. Die großen Opfer für ein jüdisches Ziel, die sie verlangen, deren der Keren Hajessod, deren Palästina bedarf, werden nur geleistet werden von Menschen, deren Herzen erschüttet sind, denen höher als ihr persönliches Behagen die jüdische Zukunft steht. Der Keren Hajessod ringt um die Herzen jüdischer Menschen — nicht um ihr Portemonnaie. Er will anerkannt werden mit ganzer Seele und nicht wie ein unbequemer Bettler mit ein paar Groschen verabschiedet sein. Er ist kein Almosen, sondern eine freudige Opfergabe für unsere Gemeinschaft. Wir begrüßen die Männer, die für den Keren Hajessod eintreten, und danken ihnen, daß sie unsere Arbeit für gleiches Ziel unterstützen. Wir brauchen nicht viele Worte zu machen: einen schöneren Dank nahmen sie vorweg. Denn, sagt Theodor Herzl, es gibt kein größeres Glück als „Diener am Lichte“ zu sein. Ein Jahr Keren Hajessod Anfangs April war ein Jahr vergangen, seitdem der Keren Hajessod als gesetzliche Körperschaft nach englischem Recht registriert wurde. Der Weg, den der Keren Hajessod in diesem Jahre zurückgelegt hat, war schwer genug. Der zentrale Aufbaufonds für das jüdische Palästina ist in einer der finstersten Epochen des jüdischen Volkes geschaffen worden. Der größte Teil unseres Volkes in Osteuropa ist durch Krieg und Pogrome ruiniert und in Westeuropa ist die ökonomische Lage infolge des Krieges und der Entwertung der Währungen gleichfalls schwierig. Auch die Ereignisse in Palästina, die blutigen Unruhen in Jaffa * waren nicht geeignet, die unentschiedene Haltung vieler Außenstehender in günstigem Sinne zu beeinflussen. Dennoch hat trotz allen Schwierigkeiten die Arbeit für den Keren Hajessod in diesem Jahre einen tüchtigen Schritt vorwärts gemacht. Die Eingänge erreichten bis Ende Februar ungefähr die Summe von 400 000 Pfund, die in vierzig Ländern aufgebracht wurden. Davon sind 310 000 Pfund der zionistischen Exekutive in Palästina überwiesen worden, von welchen die Hypothekenbank 25 000 Pfund für Häuserbau erhielt, 10 000 Pfund das Ruttenbergsche Bewässerungsprojekt und 9500 Pfund für den Ankauf der Schulen des „Hilfsvereins der deutschen Juden“ verwendet wurden. Während des letzten Jahres ist in Palästina viel Boden gekauft worden, auf welchem bei Vorhandensein der nötigen Summen Zehntausende von Juden hätten angesiedelt werden können. Tausende neuer Menschen sind ins Land gebracht worden, die bereit sind, alle ihre Kräfte für dessen Aufbau zu widmen. Hunderte von Häusern sind im Bau und in verschiedenen Hinsichten ist die jüdische Position im Lande gestärkt worden. Der Keren Hajessod hat in zahlreichen Ländern beträchtliche Erfolge erzielt und steht vor guten Aussichten für die Zukunft. Er hat sich bemüht, die ihm vom Kongreß zugewiesene Aufgabe zu erfüllen und außerhalb des Zionismus stehende Kreise heranzuziehen, um so eine wirklich alljüdische Institution zu werden. Anfangs hielt man es für ratsam, die Propaganda auf' die Zionisten allein zu beschränken, damit deren Bereitwilligkeit, für den Aufbau Palästinas Opfer zu bringen, als Beispiel gelte. Die Praxis hat jedoch bewiesen, daß es nicht immer möglich ist, die Grenzen streng einzuhalten. So begann sich bald die Tätigkeit an verschiedenen Orten auf die gesamte jüdische Bevölkerung zu erstrecken und der Erfolg hat diesem Versuch Recht gegeben. In zahlreichen Ländern ist es gelungen, die angesehensten und einflußreichsten jüdischen Persönlichkeiten für den Keren Hajessod zu gewinnen, so den englischen Kabinettsminister Sir Alfred Mond, eine der größten Autoritäten auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet, wel-

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