Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 150)
Language
German
Belongs to
section
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103024--04708-9077376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

676 Das Jüdische Echo Nr. 52 Wir haben alle Ansprüche auf dieses Land, die aufs neue bestätigt worden sind, aber es wohnen dort Tausende von Arabern und wir müssen deshalb einen Weg suchen zu freundlicher Verstände gung und gemeinsamer Arbeit. Ich bin überzeugt, daß ein solcher Weg vorhanden ist, man braucht ihn nur zu suchen. Die Palästinenser müssen noch eines bedenken: England ist bereit, am Aufbau des nationalen Heims behilflich zu sein, aber England glaubt bloß an Tatsachen. Den Palästinensern fehlt das Verständnis für Maß und Proportion, die Fähigkeit, die Lage so beurteilen, wie sie wirklich ist. Der richtige Weg nach Zion ist, in allem Maß zu wissen. Seid bescheiden, macht keinen Lärm und lernt von England; wenn die Palästinenser, Juden wie Araber, dies begriffen haben werden, wird die Krise für immer verschwunden sein. Die Enttäuschung der arabischen Delegation Vor kurzem gab General Haddad Pascha, der Vertreter des Königs der Hedschas in London und Vertrauten des Königs Faisul, dem Kairoer Blatte „Hamiikdar“ ein Interview, das er durch eine Rede vor den arabischen Notabeln in Jerusalem ergänzte. In beiden Fällen empfahl Haddad Pascha den palästinensischen Arabern, die Balfour-Deklaration zu akzeptieren und der arabischen Sache nicht durch die Forderung an England, das gegebene Versprechen nicht einzuhalten, zu schaden. Wegen dieser Stellungnahme wurde Haddad Pascha von den arabischen Nationalisten in heftigster Weise angegriffen. Auf diese Angriffe antwortet General Haddad Pascha im „El Karmel“ und sagt unter anderem: „Was meine Stellungnahme hauptsächlich beeinflußt hat, war die politische Atmosphäre, die ich in den informierten europäischen Kreisen vorfand Ich erfuhr hier manches, was denen, die fern von diesen Ländern zu Hause Politik machen, noch unbekannt ist. Ich glaube, daß die britische Regierung in dem zweiten Teile der Balfour- Deklaration das Mittel finden wird, die arabischen Aspirationen zu befriedigen. Ich bin auch überzeugt, daß die Mitglieder der Delegation nach ihrer Heimkehr bestätigen werden, daß alles, was ich euch sagte, auf unumstößlicher Wahrheit beruht.“ In ähnlichem Sinne muß auch das Organ des palästinensischen Kongresses „El Sabach“ die Enttäuschung der Delegation zugeben, indem es feststellt: „Die Delegation befindet sich jetzt in einer sehr schweren Situation. Die Mitglieder waren vor ihrer Abreise überzeugt, daß sie in London eine englische Organisation finden würden, welche das Arrangement ihrer Aktion übernehmen würde, wie ihnen dies auch von einigen Engländern in Palästina versichert wurde. In Wirklichkeit jedoch fanden sie nichts dergleichen vor.“ Die arabische Delegation und die zionistische Exekutive London. Die Reuter-Agentur versendet eine Information, dahingehend, daß das britische Kolonialamt noch immer in Fühlung mit der in London weilenden Delegation der palästinensischen Araber sei und ebenso mit den Führern der zionistischen Organisation das Einvernehmen pflege. Die Regierung sei weiter bemüht, eine Grundlage für ein Übereinkommen zwischen den beiden Parteien zu finden. Die arabische Delegation ist mm mit der Leitung der zionistischen Organisation in engere Berührung getreten una die Hoffnung sei berechtigt, daß diese Beratungen zu dem gewünschten Ergebnis führen werden. Die Verhandlungen mit den Arabern Wie die „Zeit“, London, aus sicherer Quelle erfahren haben will, soll das Kolonialministerium eine Presseagentur ermächtigt haben, mitzuteilen, daß W. Churchill mit zionistischen Führern sowie mit der arabischen Delegation verhandelt habe. Er glaube an die Möglichkeit, bereits jetzt ein Einvernehmen herbeizuführen und bereite einen Entwurf eines Abkommens vor. Aus der jüdischen Welt Palästina Die Entwicklung von Tel-Awiw. Dr. A. Mibasham schreibt im „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz“ aus Tel-Awiw u. a.: Soeben erhielt Tel-Awilw, als erste Stadt Palästinas, die Erlaubnis, eine städtische Anleihe von 75 000 Pfund auszugebep, welche zum Zwecke der Durchführung wichtiger öffentlicher Arbeiten, wie: Vergrößerung der Wasser- und Lichtanlage, Kanalisation, durchgreifende und moderne Straßenpflasterung, Kleinhafenbau, Trambahn usw. verwendet werden soll. Der Bürgermeister von Tel- Awilw, Herr Dizengoff, verreist nach Europa, um dort die Verhandlungen wegen der Unterbringung der Anleihen zu führen. Die Anleihe soll zu sieben bis acht Prozent verzinslich und in zwanzig Jahren rückzahlbar sein, und wird sowohl in bar wie in Maschinen, Materialien und Geräten aufgenommen werden. Es ist interessant, daß bei der Gelegenheit der Genehmigung durch die Regierung für diese Anleihe, eine Reihe bedeutender Informationen über das Vermögen und die Finanzkraft Tel- Awiws bekannt wurden, die früher nur Emgeweihr ten mitgeteilt werden durften. So besitzt Tel- Awiw heute nach knapp zwölf Jahren des Bestehens, wovon fast die Hälfte Kriegs- und Stuirmjahre waren, ein Vermögen an Häusern (zirka 400), Grundstücken (zirka 2000), öffentlichen Anlagen usw. von 1 700 000 Pfund oder zirka 44 Millionen Goldfranken, wovon 36 000 Pfund oder nahezu eine Million Goldfranken Gemeindegut sind. Die Einnahmen der Hausbesitzer im ganzen Areal Groß-Tel-Awwis an Mieten belaufen sich auf zirka 196 000 Pfund, während das diesjährige Budget der Stadt 20 000 Pfund beanspruchen wird. Die Steuerkraft der Gemeinde Tel-Awiw ist durch Regierungsverordnungen und den eben erwähnten Besitz derart gesichert, daß eine Jahresamortisation von 7500 Pfund zur Deckung der obengenannten Anleihe mit Leichtigkeit aufgebracht werden kann, auch wenn die aus den Geldern der Anleihe durchzuführenden Arbeiten, die sämtlich reichehaltige Einkommenquellen bilden werden, keinen Heller Ertrag abwerfen sollten. Hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß, während im ganzen Lande die Erschließungsarbeit nur langsam und tastend vor sich geht, hier in Tel-Awiw das amerikanische Tempo vorherrscht, wo mit jedem Tag neue Gründungen, Industrien, Geschäfte, Verdienstzweige entstehen und an die 2000 Arbeiter- und Handwerkerfamilien bereits ernähren können. Die sprichwörtliche Fieberhaftigkeit der Entwicklung Tol-Awiiws lockt immer neue Menschen, immer weitere Unternehmer und Palästina-Freunde hieher. Eben beginnt auch die Gruppe der Schweizerjuden hier Boden zu fassen. Der junge Rechtsanwalt Farbstein, der vor kurzem aus Europa zurückgekehrt ist, arbeitet mit dem erst eingej Nr. 52 Das Jüdische Echo 677 troffenen jugendlichen Architekten Hack aus Basel an einem Projekt für die Gründung einer Kolonie aus schweizerischen Einwanderern, die nahe am Strande ein eigenes Viertel nach modernen Prinzipien aufbauen wollen. Kleine Wirtschaitsnachrichten. In Anbetracht der außerordentlich starken Mehleinfuhr haben die palästinensischen Müller in diesem Jahre nur kurze Zeit gearbeitet. Das eingeführte Mehl wird für 7Va—8 Piaster per Rottel verkauft; seit September 1920 bedeutet dies eiinen Preissturz von 4^2 Piaster per Rottel. Die diesjährige Obsternte in Palästina ist im ganzen befriedigend ausgefallen. Die Orangen lassen einen guten Ertrag erwarten, während das Ergebnis der Oliven ernte den geringen Erwartungen entspricht. Das Justizdepartement der palästinensischen Regierung gibt bekannt, daß Gebrauchsmuster, die unter dem alten ottomanischen Gesetz eingetragen sind, besonderen Schutz genießen; andere Gebrauehsmjuster erfahren die gleiche Behandlung, wenn sie im Siinne der Verordnung 136 des Oberkommissärs vom 19. November 1921 behördlich anerkannt sind. In Haifa traf ein zweiter Transport in Amerika gesammelter Maschinen und Werkzeuge für die jüdischen Arbeiter in Palästina ein. Biis Ende November sind in Palästina 3700 Anteile der Arbeiterbank verkauft worden. Man hofft, in Bälde weitere 1500 Aktien in Palästina abzusetzen Der Jüdische Nationalfonds baut für die Jemeniten in Rischon le-Zion 15 Häuser. Die Durchführung der Arbeit wurde der Bauarbeiter-Kooperative der allgemeinen Arbeiterorganisation übergeben. Dile Arbeit geht nunmehr ihrer Vollendung entgegen. Schon vorher sind im Aufträge des Nationalfonds Jemenitenhäuser in Machneh Jehuda von der Bauarbeiterorganisation durchgeführt worden. Mitte November wurde in New York auf Anregung Harry Filshels, des Schatzmeisters des „Central Relief Committee“ eine Building Loan Company gegründet, die amerikanische Juden für den Häuserbau in Palästina interessieren soll. Die jüdische Arbeit in Chedera. Die Arbeiter von Chedera haben einen neuartigen Versuch, gemacht, um die Arbeit in den Kolonien in ihre Hand zu bekommen. Eine große Anzahl der in der Kolonie zu vergebenden Arbeiten läßt nur billige Arbeitskräfte zu. Um diese Airbeiten übernehmen zu können, haben die Arbeiter untereinander eine provisorische Selbstbesteuerung eingeführt, so daß die an besser bezahlten Stellen beschäftigten Arbeiter auf einen Teil ihrer Arbeitslöhne verzichten zugunsten derjenigen Arbeiter, welche schlechter bezahlt werden. Durch diese große Anstrengung ist es bisher den Arbeitern gelungen, dile Arbeit in der Hand zu behalten. Deutschland. Pogromagitation in Berlin. Die „Berliner Freiheit“ berichtet: „Wenn sich der Magen, umdreht, wenn er das liest, befindet er sich in derselben Lage, Ln die wir uns versetzt haben, als uns das nachstehende Schriftstück zuging. Wir geben es als Beweis einer nicht mehr zu überbietenden Gemeinheit der Gesinnung im Wortlaut wieder. Hier: Zur Aufklärung für das Berliner Publikum! Arbeiter! Gebt eure Kranken nicht in die Berliner Krankenhäuser, in diese Mörderhöhien. Es liegen unzweifelhafte Beweise dafür vor, daß zahllose in die Groß-Berliner Krankenhäuser eingelieferten Personen, die zu Hause bald genesen wären, durch die verbrecherischen „Kuren“ der Mordbuben, genannt „Ärzte“, systematisch getötet wurden. Mit Morphium, Strychnin, Digitalis und anderen Giften werden die armen Kranken angeblich beruhigt, in Wirklichkeit langsam dem Tode ausgeliefert. Warum? Weil diese jüdischen Mordbuben ein Interesse daran haben, daß recht viele sterben, damit sie die armen Leichen, die sich nicht mehr wehren können, wie ein Stück Vieh zerschneiden und zerstückeln können! Aber leider, leider wissen die Berliner noch nicht das Schlimmste, was ihnen bevorsteht, wenn sie in diese Mörderhöhien kommen. Habt ihr euch eure armen Toten genau . angesehen wenn sie im Sarge lagen? Da die „Ärzte“ in den Krankenhäusern schlecht bezahlt werden, stecken sie mit den Leichen Wäschern unter einer Decke. Diese letzteren verkaufen die sezierten Menschenleichenteile (oft, wenn sich keine Angehörigen darum kümmern, sogar die ganzen Leichen) an Pferdeschlächtereien, ja, es sind schon Fälle vorgekommen, daß Menschenfleisch aus den Krankenhäusern auf dem Zentralfriedhof gehandelt wurde. Bisher wurde alles vertuscht! Berliner! Wollt ihr euch diese himmelschreiende, bodenlosen Gemeinheiten der meist jüdischen Mordbuben, genannt „Ärzte“, länger gefallen lassen? Glaubt nicht, daß die Judenregierung hier eingreifen wird; wie bisher, so wird es auch weiter L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.