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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 148)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 52 hinaus müßte der Zusammenbruch dier Hoffnungen auf Erez Israel die jüdischen Massen in schlimmere Verzweiflung stürzen, als dereinst der Verrat des Sabbatai Zwi. — Man sei sich klar darüber: Durch tätige Anteilnahme am Aufbau Palästinas unterstützt man nicht den Zionismus; man unterstüzt aber dadurch das Judentum und arbeitet für seine Zukunft. Man beschäftige sich — will man seine Pflicht als Jude erfüllen — also ernsthaft mit den Fragen der Kolonisation unseres Landes. Wir bringen im Folgenden zur Ergänzung unserer Mitteilungen über das vom Kongreß genehmigte Palästina- Budget einen Auszug aus dem Aufsatz des Herrn Adolf Böhm über die Verhandlungen der Palästinakommission des Kongresses in Nr. 99 der „Jüdischen Rundschau“: „Was war,“ fragt der Verfasser, „der wesentliche Inhalt der Debatten in der Palästinakommission? Die Leitung hatte ihr ein Budget vorgelegt auf Grund eines Planes von öttinger. Er ist basiert auf den Grundsätzen der Konsolidierung und des Ausbaus der bestehenden Siedlungen und nicht auf irgend ein phantasievolles, unerprobtes Projekt. In der Hauptsache handelt es sich dabei darum, 1. die vorhandenen 13 Farmen endlich in ein Stadium definitiver Ansiedlung zu bringen, 2. die neugekauften Böden im Emek zu okkupieren, 3. einige kleinere Unternehmungen durchzuführen, wie Unterstützung der Jemenitensiedlungen, Anleihen für Einzelsiedler usw. und 4. um Aufforstung. In Öttihgers ursprünglichem Plan wird ausgeführt, daß durch die vorgeschlagenen Maßnahmen im Laufe der nächsten 5 Jahre 1500 landwirtschaftliche Familien (das wären, wenn dazu 3000 nichtlandwirtschaftliche gerechnet werden, wie nach den bisherigen Erfahrungen in den Kolonien anzunehmen iist, 4500 Familien oder 20 000 Seelen) fix angesiedelt und eine Kette von Kolonien von Haifa bis zum Tiberiassee geschaffen werden könnte. Die Gesamtkosten des Planes betragen in diesen fünf Jahren 1 400 000 Pfund (260 000, 490 000, 430 000, 180 000, 40 000), für eine Familie durchschnittlich 1000 Pfund. Seitens der Arbeiterschaft war ein Promemoria eingereicht worden, das Forderungen enthielt, die über den Plan Öttingers noch hinausgingen, in der Hauptsache aber sich mit diesem deckten. In beiden Vorschlägen wurde verlangt, daß in den 13 nationalen Farmen dem provisorischen Zustand ein Ende gemacht werde und die darauf Arbeitenden definitiv angesiedelt werden sollen, ferner daß ein Versuch mit zwei Moschawe-Owdim (nach dem Vorschlag von Elieser Joffe, Hapoel-Hazair) auf dem vom N.-F. neuerworbenen Malulböden (im Emek) und auf Jadjur (bei Haifa) mit je 60 Familien gemacht werde, während der Nurisboden (die andere große vom N.-F. gekaufte Fläche, näher dem Tiberiassee) von einer „Arbeitsarmee“ (Gdud Haawodah) nach einem Plane von Lefkowitz (Achduth Haawodah) okkupietr werden solle. Dieser Plan lag vor, er rechnet mit einer Arbeiterzahl von 450 Leuten (auf 23 000 Dunam, also zirka 1 Arbeiter auf je 50 Dunam) für die ersten zehn Jahre. Es soll vollkommene Arbeitsteilung herrschen. Nur zirka 160 Leute sollen direkt in der Landwirtschaft beschäftigt sein. Als Kredit für Investitionen und Betriebe wurden 80 000 Pfund für das erste Jahr nach detaillierter Aufstellung beansprucht. In den Debatten wurde zunächst versucht, einzelne prinzipielle Gesichtspunkte herauszukristalliseren. Man einigte sich auf die hiCT abgedruckten: 1. Die neuerworbenen Bodenflächen müßten sofort in Okkupation genommen werden. 2. Die vorhandenen provisorischen Siedlungen — gemeint sind die 13 Farmen des J. N.-F. und zwar: 1. Ben Schemen, 2. Hulda, 3. Merchawja, 4.—5. Kinereth a—b, 6.—8. Dagania a—c, 9. Kiriath Anavim (Dilb), 10. En Chay (Kfar Malul), 11. Gan Schmnel, 12. Kerkur, 13. Ber Tobia mit zusammen 365 Familien — soweit sie nicht zu Lehrfarmen, insbesondere zu Mädchenfarmen und Versuchsstationen verwendet werden könnten, sind als Voll Siedlungen auszubauen. — 3. wurde ausgesprochen, daß für die Ansiedlung in erster Linie solche Leute in Betracht kommen sollen, die schon genügende landwirtschaftliche Praxis haben. — Der Kolonistensohn Rab aus Petach Tikwah, einer der prächtigsten Erscheinungen des Kongresses, machte bei aller Anerkennung der Leistungen der Arbeiterschaft darauf aufmerksam, daß es auch viele erfahrene unbemittelte Kolonistensöhne gebe, die bei Ansiedlung durch die Kolonisation berücksichtigt werden müßten. Öttinger legte dar, daß die Kolonieflächen sehr wenig dicht besiedelt sind und daß auf ihnen noch sehr viele Ansiedler Platz hätten. Auch die Ansiedlung eines Teiles der ChaJuzim neben erfahrenen Leuten (wie sie z. B. in der Gdnd Haawodah geplant ist) wurde empfohlen. 4. Wurde ausreichende Dotierung des landwirtschaftlichen Versuchswesens gefordert. Prof. Warburg und Agr. Wilkansky legten in eindrucksvoller Weise dar, daß jedes günstige Resultat im Versuchswesen sofort der ganzen Kolonisation zugute komme und die Erträge steigere. Die Versuche brauchten aber oft Jahre zu ihrer Durchführung. Man müsse daher so schnell als möglich ausreichende Mittel für sie bereitstellen, jede Verzögerung wäre von Übel. Am Kongreß sind ausschließlich 20 000 Pfund für das Versuchswesen ausgeworfen worden. 5. Wurde verlangt, daß das landwirtschaftliche Kreditwesen sofort organisiert und ausreichend dotiert werde. Wenn auch die Kommissionsmitglieder Zugaben, daß für die Kolonisation mittelloser Elemente, wie z. B. der erfahrenen Arbeiterschaft, nationale Mittel aufgewendet werden müssen, so waren sie der Ansicht, es müßte bemittelten Leuten mit Erfahrung im Galuth oder in Erez Jsrael die Ansiedlung ermöglicht werden. Die Schaffung eines Agrarkredites hierfür, wie für die Unterstützung der bestehenden Kolonien, ist von allen als dringende Notwendigkeit erklärt worden. gegenüber der alten Jlkademie Nr. 52 Das Jüdische Echo 675 Die Arbeiten der Subkommissionen für städtisch gewerbliche Kolonisation und für technische Fragen fanden ihren Niederschlag in Resolutionen, deren Inhalt keines Kommentars bedarf. Der Kongreß hat davon zwei, die von der Schaffung einer Handels- und Industriebank sowie von Errichtung eines technischen Zentralamtes, angenommen, die anderen dem Aktionskomitee überwiesen. Schließlich ist noch eines wichtigen Antrags betreffend die Organisation der Arbeit in Palästina zu gedenken, der von der Kommission gestellt und vom Kongreß angenommen wurde: daß dieselbe wieder wie früher von einem Amt — dessen Leiter Mitglied der Exekutive sein muß — geleitet werden soll. Damit wird endlich der Abusus abgeschafft, daß eine politische Körperschaft, die allen Einflüssen unterworfen ist, wie es die Zionist Commission war, die Ausübung der Kolonisationsarbeiten durchführt. — Es ist zu begrüßen, daß sich der Kongreß auf die Vorschläge der Kommission festgelegt hat. —“ Wir glauben, daß dieser Bericht geeignet ist, auch dem Außenstehenden einen Überblick über die in der nächsten Zeit geplante zionistisene Tätigkeit in Palästina zu geben. Man wird erkennen, daß es sich hier weder um politische, noch agitatorische Dinge, noch um phantastische Projekte handelt, sondern um ganz nüchterne wirtschaftliche Tätigkeit; um einen sachlichen Plan, der sachliche Ziele gemäß der sorgfältig auskalkuliierten Leistungsfähigkeit aller Faktoren zu erreichen sucht. Herr Böhm schließt seinen Aufsatz mit folgenden beachtenswerten Bemerkungen: „Leider werden ihre (der Kommission d. S.) sehr vernünftigen und sachlichen Beschlüsse so lange auf dem Papier stehen bleiben, so lange nicht der Keren Hajessod in der Lage sein wird, das von ihr aufgestellte Budget zu decken. Schon ist kostbare Zeit, unwiederbringlich verloren gegangen: Jene vom Kongreß bis zum Eintritt der Regenperiode, so daß wieder mehr als ein halbes Jahir ungenützt verstreichen wird. Hoffentlich wird die nach Amerika entsendete Delegation wenigstens bis zum Frühjahr die nötigen Mittel aufbringen, sonst wird es um die Sache unserer Kolonisation in Erez Israel sehr schlecht bestellt sein.“ Wir können hinzufügen: Hoffentlich erkennt die deutsche Judenheit rechtzeitig, welche Verantwortung auch sie für das Gelingen des Palästinawerkes, dessen Größe und Wichtigkeit unbestreitbar ist, trägt. Die Entwertung des deutschen Geldes kann sie nicht abhalten, die Summen aufzubringen. die ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen, und die, in Deutschland zum Ankauf von Maschinen, Geräten, Baumaterialien oder zur Ausbildung geeigneter Menschen für Palästina verwendet, von unberechenbarem Nutzen sein können. Neues zur Äraberfrage Sir Alfred Mond über England, die jüdische Heimstätte und die Araberfrage. Der Chefredakteur des Jerusalemer „Doar Hajom“, Jtamar Ben Awi, hatte in London eine Unterredung mit Minister Mond über die jetzige Lage in Palästina. Sir Alfred Mond führte aus: Ich werde niemals den Eindruck vergessen, den. auf mich Palästina, seine Einwohner, Kolonisten. Chaluzim sowie Arbeiter gemacht haben. Bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit werde ich nochmals Palästina besuchen und dort längere Zeit verbringen. Es ist auch möglich, daß Lloyd George demnächst Palästina besuchen wird. Voriges Jahr gab es einen Moment, wo Lloyd George schon daran war, eine Reise nach Palästina zu unternehmen. Auch Lord Reading sollte damals nach Palästina fahren, aber die Zeit war kostbar und' so mußten sie beide ihre Reise verschieben. Nachdem Ben Awi Sir Alfred Mond über die jetzige Lage in Palästina berichtet und erklärt hatte, daß man auf Beruhigung der Gemüter hoffen könne, führte Mond weiter aus: Wenn Sie doch wüßten, welchen Freund die Juden in Palästina an Lloyd George haben, wie groß sein Glaube an die Mission der Juden ist und seine Begeisterung für den zionistischen Gedanken. Balfour ist fürwahr der erste, der den Zionismus begriffen hat, aber Lloyd George ist der Kämpfer für die Verwirklichung dieses Gedankens. Die Unruhen und Intrigen haben auf ihn nicht den geringsten Eindruck gemacht; Palästina muß ein nationales Heim füir Juden werden. Dies ist der feste Beschluß von Lloyd George und muß auch der Beschluß jeder künftigen Regierung sein. Auch die arabische Delegation konnte sich jetzt überzeugen, daß dem so ist. Aber der Wille der englischen Regierung, die Balfour-Deklaration und die Zustimmung des Völkerbundes sind noch immer wenig. Nehmen sie z. B. Irland, Ägypten oder Indien; niemand wilrd leugnen, daß England in diesen Ländern Rechte besitzt. Rechte, die auf Vergangenheit und Macht basieren, und trotzdem tritt es in Verhandlungen ein, mit den Iren, Ägyptern und Indern und vielleicht wird Lloyd George das Glück haben, all diese Fragen zum gemeinsamen Wohle zu lösen. Dasselbe ist auch mit Palästina der Fall. ZeufmanjsL> \etren-JtccUn u./ifßftcj//ajyjej!neide££i^ jflerurarf'rcrfse

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