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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 134)
Language
German
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660 Das Jüdische Echo Nr. 51 wörtlichen jüdischen Behörden — der Zionistischen Exekutive und dem Waad Leumi — die Massen zu beruhigen, die nach einem Jahre grenzenlosen Vertrauens zum High Commissioner, durch die Ereignisse des Mai, duirch den Bericht der Untersuchungskommission über diese Ereignisse, durch die blutigen Vorfälle vom 2. Dezember und durch das letzte Urteil, grenzenlos erregt und beunruhigt sind. („Wiener Morgenzeitung“.) Aus der jüdischen Welt Palästina Juden und Araber. „Weekly Guardian“ läßt sich aus Palästina schreiben: Hunderte von Juden haben sich im Lande niedergelassen und dort ungeheure Summen in landwirtschaftlichen und anderen Unternehmungen investiert. Seit 1918 haben in Palästina die Juden allein über 2 Millionen Pfund Sterling ausgegeben. Die jüdischen Kolonien — es gibt gegenwärtig 72 mit insgesamt 130 000 Dunam Land — sind zum größten Teil landwirtschaftliche Siedlungen. Sie punktieren die Landschaft von B e r s e b a im Süden bis Dan im Norden. Zuerst hatten die Kolonien einen harten Kampf zu bestehen, aber durch Ankauf von Maschinen und Beobachtung moderner Siiedlungsmethoden sind sie schließlich zu guten Erfolgen gekommen, die man am ehesten ermessen kann, wenn man die Erträgnisse ihrer Ernten mit denen ihrer arabischen Nachbarn vergleicht. Bei den Arabern. bringen die Getreide (Weizen und Gerste) einen Überschuß von 1 Pfund Sterling pro Dunam; in den besseren jüdischen Kolonien bringen die Felder 2 und 3 Pfund Sterling pro Dunam Mehrertrag. In arabischen Orangengärten werden 350 Kisten Orangen pro Dunam als sehr gute Ernte betrachtet, während die Ernte jüdischer Orangenplantagen 40—60% höher ist. Die jüdischen Weinbauern erzielen den doppelten Ertrag gegen den der eingeborenen Weinpflanzer. Praktische Illustrationen des fortschrittlichen und wirtschaftlichen Geistes der jüdischen Kolonisten trifft man auf Schritt und Tritt. Anstelle der primitiven arabischen Kettenpumpe, die von einem Kamel oder Maultier mit verbundenen Augen gezogen wird, haben die Juden moderne Pumpen mit Benzin- oder Gasmotoren eingeführt, um ihre Orangen- und Zitronenplantagen zu bewässern. In der Ebene Scharon haben sie eine moderne landwirtschaftliche Versuchsstation, ähnlich den amerikanischen, errichtet. Diese Station hat Wunder im Verbessern von Weinen, Früchten und Getreide erzielt. Ägypten führt jährlich für 30 000 £ Tafeltrauben aus Syrien und Cypern ein. Der iüdischen Versuchsstation ist es gelungen, eine Art Tafeltraube zu ziehen, die drei Wochen früher reift als jene Sorten, die Ägypten einführt; in ähnlicher Weise ist die Olive verbessert worden. Eine neue Methode hat die Belaubung des Maulbeerbaums erheblich beschleunigt. Aber nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Entwicklung der Industrie sind die Juden weit voraus. Sie haben seit dem Kriege moderne Ölwerke und Pflanzungen zur Destillierung von Parfüms, besonders von Geranium und Thymian, angelegt. Seidenfabriken, Ziegeleien, Glasbläsereien und andere Industrieunternehmungen wurden begründet. Der palästinensische Bau markt wird jetzt von den Juden wirksam beherrscht, und die Herstellung von Zementstein ist ganz in ihren Händen. Denselben Unternehmungsgeist finden wir, wenn wir uns den Orts- und Heimindustrien zuwenden. In und um Jerusalem sind Werkstätten eröffnet, in denen Teppiche gewebt, Silberfiligranwaren hergestellt, Elfenbeinartiikel geschnitzt und Perlmutterknöpfe produziert werden. Der Export der Stadt Jaffa beträgt fast 3 Millionen Pfund Sterling pro Jahr und umfaßt vorwiegend Erzeugnisse der jüdischen Kolonien. Tatsache ist, daß die Juden mehr als alle anderen Rassen geleistet haben, um den Boden dieses heiligen Landes zu entwickeln und geeignete Industrien zu gründen. Sie haben wahrhaftig Millionen Pfunde im Lande angelegt und sind vollständig darauf vorbereitet, noch viele weitere Millionen zu investieren. Sie sollten nicht nur ein glückliches, blühendes Palästina schaffen, sondern auch ein neues Land, dessen wirtschaftlicher Einfluß über die ganze Welt reicht. Wir müssen also zuigeben, daß Palästina in seinem künftigen Gedeihen und Wohlstand größtenteils von der Tätigkeit der Juden abhängig ist. Die arabische Forderung, daß wir unsere Deklaration über die Zukunft des jüdischen Volkes in Palästina zurückziehen sollen, kann einer unparteiischen Prüfung nicht standhalten.“ (Ziko.) Das zionistische Erziehungswesen. J erusalem, 5. Dez. Das Erziehungsdepartement der Zionist Palestine Exekutive teilt mit, daß in jüdischen Erziehungsinstituten gegenwärtig folgende Jahressohutgelder erhoben werden: In Kindergärten 6 Pfund Sterling, in Elementarschulen 9 Pfund Sterling und in Sekundärschulen 11 Pfund Sterling. Wo die Eltern außerstande sind, diese Beträge zu zahlen, wird der Unterricht auch umsonst erteilt. — Einem offiziellen Communique zufolge beträgt die Summe, die für das Jahr 1921/22 zur Aufrechterhaltung der Regierungsschulen bewilligt wurde, etwa 72 400 ägyptische Pfund, während zur Unterstützung von Privatschulen 6125 ägyptische Pfund bewilligt wurden. Gegenwärtig befinden sich schätzungsweise 15 350 Kinder in Regierungsschulen, von denen 13 500 Kinder mohamedanischer und 1630 Kinder christlicher Eltern sind; von jüdischen Kindern werden diese Schulen nicht besucht Deutschland Die ostpreußische jüdische Lehrerschaft zum Keren Hajessod. Der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens hat in seiner Jahresversammlung am 16. November d. J. in Königsberg nach einem eingehenden Referat des Herrn Kantor Wollheim-Königsberg folgende Resolution zum Keren Hajessod angenommen: „Der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens sieht in der Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und in der Schaffung eines großen jüdischen Gemeinwesens im heiligen Lande, in dem die jüdische Religion und die jüdische Kultur zur vollen, ungehemmten Auswirkung gelangen können, Tatsachen und Aufgaben von unermeßlichem Werte für die gesamte Judenheit und das Judentum aller Richtungen, die alle davon starke belebende religiöse und geistige Anregungen empfangen dürften. Der Verein erachtet es darum als Pflicht jedes Juden, zum Aufbau des jüdischen Palästina beizutragen und fordert alle ostpreußischen jüdischen Lehrer und Kultusbeamten auf, bei den Sammlungen für diesen Zweck in ihrer Gemeinde tatkräftig mitzuhelfen.“ Nr. 51 Das Jüdische Echo 66 f Ludendorff im Cabarett. In einem Berliner Rauchtheater, der „Wilden Bühne“, welche die politische Satire mit Glück pflegt, telephoniert allabendlich Wilhelm Bendow mit Klante und dabei sagt er: „Ja, in München war ich auch. — Ja. — Gewiß. — Mit Ludendorff habe ich auch gesprochen. — Sogar sehr lange. — Ja. — Er war sehr nett zu mir. Wissen Sie. was er zu mir gesagt hat? Er hat gesagt: ,Die Juden sind schuld, daß wir den Krieg verloren haben/ — Ja. — Da habe ich gesagt: ,Herr Ludendorff, ich wußte gar nicht, daß Sie Jude sind...!“ Die ständige Hetze. In der Sitzung der Parteivertreter der Deutschnationalen Volkspartei, die in den letzten Tagen in Berlin stattfand, hat man nach einem Bericht der offiziellen Parteikorrespondenz auch die sogenannte völkische Frage erörtert. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: „Unter Abstandnahme von Änderungen der Satzungen und der Grundsätze der Partei, ist der Vertretertag überzeugt, daß sowohl die Parteileitung wie die Fraktionen und Landesverbände in der praktischen Arbeit klar und mit aller Entschiedenheit auf dem Boden des deutsch-völkischen Bekenntnisses stehen und wie bisher so auch ferner die Partei von jedem jüdischen Einfluß freih halten werden.“ — Der antisemitische Charakter der Deutschnationalen Volkspartei ist damit also aufs neue festgelegt. — Daran werden alle Versuche des Herrn Dr. Naumann, sich an gemäßigte Deutschnationale, wie Herr v. Oppeln-Bronikowski anzuschmeißen, nichts ändern. Nürnberger Antisemiten verurteilt. In Nürnberg fand vor dem Schöffengericht Verhandlung einer Privatklagesache des Justiizrates Dr. Erlanger und des Assessors Herz gegen den Redakteur der „Volksstimme“, Schulze, statt. Dieser hatte sich in einem Artikel mit der Überschrift „Das gepfändete Hakenkreuz“ in der in der „Volksstimme“ üblichen Tonart darüber aufgehalten, daß genannte Privatkläger den bekannten Antisemiten Stromsdörfer im Gerichtsgebäude haben pfänden lassen, weil dieser seinem Hauswirt die schuldige Miete und die Kosten für die Reinigung des Zimmers nicht bezahlt hatte. In dem Artikel wurden die Privatkläger in ihrer Eigenschaft als Juden gröblich beschimpft. Das Gericht, das in scharfen Worten das Verhalten des Redakteurs geißelte, verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 600 Mk. und zur Tragung der Kosten. Den Privatklägern wurde das Recht zugesprochen, das Urteil in der hiesigen Presse öffentlich bekannt zu machen. Frankreich Von der Jca. Unter dein Vorsitz von Herrn Fr. Philippsohn tagte hier die jährliche Generalversammlung der „Jewish Colonisation Association“ (Jca), der ein Bericht vorgelegt wurde, dem wir folgende markante Stellen entnehmen: Die argentinischen Kolonien, in denen heute mehr als 27 000 Juden angesiedelt sind, wurden während des 30jährigen Zeitraumes ihres Bestehens zu jüdischen Zentren ausgestaltet, wo die Neuankommenden Asyl, Arbeit und Existenz finden konnten. Der Wohlstand, in dem die meisten leben, bekundet eine bemerkenswerte Entwicklung der geleisteten Arbeit. Sogar in den Landstrichen, wo die Kolonisten noch manches Mißgeschick empfinden, ist eine familiäre Tradition geschaffen worden, ohne die keine ländliche Gemeinschaft existieren kann. Überall bemerkt man die Gründung kommunaler Institutionen, die aus eigener Initiative der Kolonisten entstanden sind. Die Ernte fiel fast überall gut aus. Der Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte und die Milchwirtschaft hat reichen Profit abgeworfen. Nur die Züchtung verursachte noch gewisse Enttäuschungen. Das Werk der religiösen Erziehung nahm einen bemerkenswerten Aufschwung nicht nur in den Kolonien, sondern auch in Buenos Aires und in den Städten des Inlandes. Dieser Aufschwung sichert überall den Kindern die religiöse und moralische Erziehung. In Brasilien sind Philippsohn und Quatro-Jrmaos die jüngsten großen Kolonien der „Jca“. Hier wie in Argentinien werden die jüdischen Siedlungen zu echten Anziehungszentren für die jüdischen Immigranten. Die Kolonien kultivieren Mais, Weizen, Manioc und Tabak. Die Ernten von 1920 waren nicht schlecht, was den Kolonisten ermöglichte, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Werke der „Jca“ in Amerika haben einen neuen Fortschritt erzielt. Die Baron Hirsch-Stiftung „Trade-School“ in New York, die in wenigen Monaten junge jüdische Schüler in Stand setzt, durch Ausübung eines Handwerks ihren Lebensunterhalt zu verdienen, zählt heute 7 Werkstätten für Typographen. Metallarbeiter, Maschinisten, Bleiarbeiter, Elektriker, Chauffeur-Mechaniker und Optiker. Die Wirksamkeit der „Jca“ in Kanada ist dank der engen Zusammenarbeit der Pariser Zentraldirektion und der in Montreal Ende 1906 gegründeten Gesellschaft bis zur Höhe der Vorkriegszeit wiederhergestellt. Dort bestehen gegenwärtig ungefähr 600 jüdische landwirtschaftliche Betriebe. Indien Juden-Exzesse. In einem Leitartikel der „Times“ über die letzten Unruhen in Indien ist hervorgeo L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 >C=>»Cr»C=>* Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

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