Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Article
- Original - Ungeschnitten
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 124)
- Language
- German
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650 Das Jüdische Echo Nr. 50 Berdyczewsky, der Skeptiker, der immer Zweifelnde, vermag sich nicht für oder gegen zu entscheiden; er ist kein Gegner des Zionismus, aber er kritisiert ihn von verschiedenen Gesichtspunkten, beobachtet die Nuancen in der Bewegung und sucht nach einer Differenzierung des damals noch komplexen aber einheitlichen Zionismus, Das hat freilich erst sein treuer Schüler, der vor kurzem ermordete Schriftsteller und Arbeiterführer Brenner, in dessen Charakter und Schaffen wir soviel Ähnliches mit Berdyczewsky finden, durchgeführt. In den 80—90er Jahren ist bei vielen jüdischen Schriftstellern die Tendenz zu bemerken, Inhalte der jüdischen Vergangenheit auf die Zukunft anzuwenden, welche sie sich eigentlich eher als eine Fortsetzung der Vergangenheit, als der Gegenwart vorstellen. Berdyczewsky bringt ein Neues in diese Strömungen und setzt die Gegenwart in ihre Rechte vor der Vergangenheit ein. Das war seinerzeit eine große Tat, denn dadurch besiegte das wirkliche Leben die Memoiren und schilderte uns klar das Leid und die Pein der jetzigen Generation. Und wenn sich unsere Literatur jetzt so viel mit dem Leben der Gegenwart des ganzen jüdischen Volkes oder nur einzelner Individuen beschäftigt, wem hat sie dafür zu allererst dankbar zu sein, wenn nicht Berdyczewsky? In seinen deskriptiven Erzählungen vom Volksleben (wie z. B. „Mibait umiichuz“, „Machanaim“, „Meiri Haktanah“, „Mischnei Olamot“ usw.) wie auch in den Schilderungen vom chassddiischen Leben bemüht er sich, uns den jüdischen gewöhnlichen Menschen darzustellen „so wie er ist“ mit allen seinen Vorzügen und Mängeln und entdeckt bei den gehetzten und immer nach „Pamosse“ jagenden Wochentajgsjuden trotz ihrer Rückständigkeit und religiöser Starrheit eine reiche und weite Seele — in einem gewissen Gegensätze zum großen Peretz, der den Chassidismus durch und durch sentimentalisierte und nur die Sabbath- Juden mit der „Neschama jeteirah“ sah, welche „die goldene Kette“ fortzusetzen haben. Aber auch für Berdyczewsky war der Chassidismus ein herrliches Lied — ein wunderbarer Gesang und ein tiefer Trost in den grauen Wochentagen. Er erkannte im Chassidismus den Faden, der den Menschen mit der Jezirah, mit der Weltschöpfung verbindet, den Faden, der durch den „Pilpul“ überrissen worden war. Was in der erstickenden Luft des Rationalismus in der „Galuth“ ausgetrocknet war, die Frische und das Leben, — hier im Chassidismus begann es wieder aufzublühen ... Nicht in der lärmenden Welt, nicht in der Menge konnte Berdyczewsky seine geistigen Bedürfnisse befriedigen, sondern nur in vollständiger Einsamkeit, weit vom Lebensgetöse und menschlichem Geschrei, da fand er sich selbst, da war er ganz was er war. Nachdem er sich vom öffentlichen Kampf zurückgezogen hatte, schuf er still und bescheiden seine wunderbare „Adagot“ und widmete sich der Forschung des jüdischen Folklers vom Talmud bis zum Chassidismus, wobei er mit einer besonderen Fachliebe die allgemein-jüdischen Motive der „Agadah“ bearbeitete. Als Resultat dieser Studien sind einige wertvolle Bände, auch deutsch erschienen: „Der Born Judas“ (Inselverlag) und „Sagen der Juden“ (Rütten und Loenilng). In Berdyczewsky verlieren wir nicht nur einen starken und geistreichen Schriftsteller, sondern auch einen tiefen, echtiüdischen Denker. * * * Aus der jüdischen Welt Palästina Neuer Landkauf in Palästina. Die amerikanische Zion Comonwealth (amerikanische „Achuso“) hat 13 000 Dunam Land im Tale Jesreel gekauft, zum Preise von 250 000 Dollar. Das Land ist einer der fruchtbarsten Teile Palästinas und schließt sich dem früheren Kauf des Nationalfonds von 60 000 Dunam an. Gemäß den Plänen der Zion Comonwealth sollen auf dem neu erworbenen Boden Gartenstädte errichtet werden. (J.C.B.) Zementexport nach Palästina. „Manchester Guardian Commerciial“ schreibt: „Die Bautätigkeit in den palästinensischen Städten, besonders in Jaffa, ist im Zunehmen begriffen. Große Mengen Zement und Baumaterialien werden aus Zentraleuropa eingeführt. Die beliebtesten Zementmarken sind Spalato, Dalmatiner und Heidelberg. Auch Polen beginnt mit dem Export von Zement, der gut und dabei billiger ist als die oben erwähnten Marken.“ Amerika Die zionistische Delegation in Amerika Große Spenden für den Keren Hajessod. Aus New York wird uns berichtet: Der Empfang der zionistischen Delegation, die unter Führung Nahum Sokolows zu den Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung eingetroffen ist, wurde von der jüdischen Bevölkerung zu einer selbst für amerikanische Begriffe imposanten Kundgebung ausgestaltet. Die riesige Carnegie Hall konnte die unaufhörlich zuströmenden Massen nicht fassen. Tausende von Leuten mußten draußen bleiben. Als erster Redner sprach Nahum Sokolow, der der Versammlung die bedeutsame Erklärung Hardings für die weitere Unterstützung des Zionismus offiziell zur Kenntnis brachte. Die Versammlung nahm die Mitteilung mit großer Begeisterung auf. Sokolow berichtete weiter über seine Verhandlung mit dem amerikanischen Staatsdepartement, über seine Besprechungen mit Balfour und den Führern der anderen Delegationen zur Washingtoner Abrüstungskonferenz. Nach Sokolow hielt Richter Rosenblatt eine - Abschiedsrede anläßlich seiner Übersiedlung nach Palästina behufs Übernahme seiner Funktionen in der zionistischen Exekutive Palästinas. Auch die Ansprachen Professor Warburgs, Jabotinskys und Goldsteins wurden mit langandauemden Ovationen beantwortet. Nach dem Empfang wurde eine Sammlung für den Keren Hajessod veranstaltet, die den ansehnlichen Betrag von 180 000 Dollar In bar ergab. Unter den Einzahlenden befanden sich der Orden Brith Abraham mit 100 000 Dollar, Samuel Untermeyer (erste Rate) mit 10 000 Dollar und Harry Fischei mit 5000 Dollar. Rumänien Die jüdischen Minoritätsrechte in Rumänien. „Mantuirea“ begrüßt die Anerkennung des Jüdischen Nationalverbandes für Siebenbürgen durch die rumänische Regierung als eine neue Wendung in der rumänischen Judenfrage. Im Gegensatz zur Haltung der früheren Regierungen, die von nationalen Minderheitsrechten für die Juden nichts wissen wollten, hat die neue Regierung einen günstigeren politischen Kurs eingeleitet Nun obliegt es der Judenheit Altrumäniens, auf die Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte im Nr. 50 Das Jüdische Echo 651 ganzen Lande hinzuwirken. Was den Juden Siebenbürgens dank ihrer unermüdlichen Arbeit gelungen ist muß bei gleichen Anstrengungen unsererseits auch der gesamten Judenheit des großrumänischen Reiches zugesprochen und verbürgt werden. literarisches Echo „Der Jade“. Eine Monatsschrift Herausgegeben von Dr. Martin Buber. Heft 2 des VI. Jahrganges ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Werner Senator, Sozialpolitik für die Ostjuden in Deutschland. — Max Eschelbach e r, Die Zünftigen und Draußenstehenden. — David Ko i gen. Im Wirbel der Geschichte: II. Der Zusammenbruch. III. Verborgene Mächte. — Rudolf Valsonok, Die Tendenzen der jüdischen Wirtschaftsgeschichte. — Samuel Rappaport, Aus dem religiösen Leben der Ostjuden. Bemerkungen: Oskar Epstein, Das Neue. — Friedrich Thieberger, Heidentum, Christentum, Judentum. Umschau: Z. Die sendruck, Zur Psychologie des Karlsbader Kongresses. — Berta L a s k, Frauenfrage. — Hans Kohn, Die Juden in Bulgarien. — Hans Kohn, Geschichte. — Jüdischer Verlag, G. m. b. H., Berlin N.W. 7, Dorotheenstr. 35. — Abonnementspreise: Für Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn: Ganzjährlich Mk. 60.—, halbjährl. Mk. 30.—. Für die Tschechoslowakei: Ganzjährlich Kc 80.—, halbjährlich Kc 40.—. Für das übrige Ausland: Ganzjährlich Mk. 80.—, halbjährlich Mk. 40.—. Gemeinden-u. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe: Dienstag, den 20. Dezember abends 8.15 Uhr pünktlich im K.J.V., Bayerstraße 67/69, Rückgeb. I. Stock Vortrag von Herrn Lichtenauer: Unsere Gemeindepolitik. Nachher gemütliches Beisammensein. Gäste willkommen. Chahizim-Fürsorgestelle. Am 8. Dezember 1921 passierten 49 Palästinawanderer auf der Durchreise nach Triest unsere Stadt; unter den Emigranten fiel diesmal die große Zahl alteT Leute mit Familie auf, die zum Teil durch die in den östlichen Ländern herrschende wirtschaftliche Not und die stärker fühlbare antijüdische Bewegung zur Übersiedlung veranlaßt wurden. Zwei Studenten, begeisterte Ghaluzim, waren die Gruppenführer. Dank der sorglichen Vorbereitung des Frauen- und Mädchenkomitees und der Mitwirkung zahlreicher freiwilliger Helfer konnten die Reisenden in der gewohnten Weise erfrischt werden, und fuhren fahrplanmäßig im Sonderwagen, dankbar über die Aufnahme in München, unter dem Gesang hebräischer Lieder und mit guten Hoffnungen weiter. Für die geleistete Mitarbeit und für die in folgendem ausgewiesenen Gaben wird auch an dieser Stelle bestens gedankt. Frau Koronczyk-München Mk. 50.—, E. Löwenherz-München 300.-—, A. W. 100.—, B. G. 20.—, Eisenstädter 20—, Böhm, Schubertstr. 50.—. Weiteren Spenden und der Meldung neuer Helfer sieht entgegen Chaluzimfürsorgestelle Paul Grünbaum, Rothmundstr. 6/i. Postscheckkonto 15029. Offene Anfrage. Wann gedenkt der Vorstand des „Linashazedek“ das 25jährige Stiftungsfest des Vereines zu feiern? Ein Mitglied. W e i 1 h e i m. Der 13jährige Schüler der Realschule in Weilheim Max Harburger, Sohn des Kaufmanns S. Harburger, wurde die öffentliche Anerkennung seitens der Regierung von Oberbayem ausgesprochen. Mit Mut und Entschlossenheit hat er am 10. Juli ds. Js. seinen Mitschüler Josef Iblher vom Tode des Ertrinkens im Ammersee gerettet. Vom Ordensrat des Verbandes nationalgesinnter Soldaten wurde ihm nebst einem gehaltvollen Schreiben die „deutsche Ehrendenkmünze des Weltkrieges am schwarz-weiß-roten Bande“ überreicht. Schw. Der Jugendring München veranstaltet in den Tagen vom 4.—22. Dezember, Amalienstraße 25, eine Ausstellung von Büchern, welche in drei Kreisen: „Das Kind, der Mann, Religion“ eine Übersicht über für die Jugend empfehlenswerte Bücher gibt Die Ausstellung ist für Jedermann von 1—6 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Spendenausweis Spendenausweis von Nürnberg-Fürth. Karl Glaser grat. herzl. z. Hochzeit Naegele- Nördlinger 10.—, Dr. Thalmann grat. Hrn. Karl Glaser, Nbg. z. Verlobg. 10.—. Siegfr. Funkenstein, Amberg anl. s. Verlobg. 50.—* Erlös f. jüd, Kolonienmarken dch. Dr. Liebstaedter 20.—. Büchsenleerungen in Ühlfeld durch Erwin Kohn: Fr. Hilde Rindsberg 9.35, Fr. Isr. Dingfelder 8—, Ignatz Schwab 10.—. Leop. Dingfelder 20.—, Siegm. Dingfelder 6.30, M. Weinmann 5.—, Hirsch Rindsberg 5.—, Meier Rindsberg 5.—, Gustav Rindsberg 1.—, Karlindacher 10.25, Daniel Rindsberg 3.—, Lehrer J. Wormser 10.— Emd Dingfelder 15.—, Frau Ferd. Rindsberg 7.—. Büchsenleerungen in Neustadt an der Aisch: Iwan Schwab 22.55, Ludw. Junker 12.—, Simon Saemann 11.—, Goldfrank 26.—, Geschwister Sternau 5.25, Dav. Schulherr 11.—. Laz. Wollenreich 7.—, Dav. Wollenreich 5.—, Gebrüder Schwab 5.— Kühn & Kitzinger Wwe. 7.40, Dingfelder 3.—. Nationalfonds. Heimr. Leiter anl. s. Verlob, m. Frl. Paula Riesmann-Mühlhausen 100.—. Carl Wolf-Garten: Frau Berta Wolf a. d. Namen i. Tochter Aenny Katz anl. deren Genesung 4 B. 100.—. Fr. Hedwig Friedmann-Garten: Mendel Nußbaum z. Jahrzeit s. verstorb. Mutter 1 B. 25.—. Büchsenleerungen : Frau Mendfefsohii 27.—, Dr, Rosenblüth 5.50, M. Cohen 10.—, J. Büchner 20.—, L. Birnbaum 10.80, Frau Sichel 5.—. Wertzeichenerlös: M. 41.80. Nachträgliche Glückwunschablösungen des Jüdischen Nationalfonds: J. Braude 20.—, L. Birnbaum 20.-—, G. Wolk 10.—. Spenden aus Ansbach: Ges. dch. Hrn. Lion, Nbg.: Steiner 50.—, Rosenfelder 30.—. Gesamtausschuß der Ostjuden. Sammlung bei Hochzeit Tuchmann-Tuchmann durch Markus Altmann 2020.—, N. N. dankt N. N. 5.—, N. Gittler 100.—, Helfeld 25.—, Riemer 50.—, M. Felsen, Bayerstr. 50.—, L. Jram 10.—, Penzak 30.—, Kalter 50.—, Tuchmann 50.—, Brunnengraber 50.—, D. Horn dankt den Herren B. Chary und N. Sturm f. erw. Gefälligkeit 50.—, M. Schumer und Frau