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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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N r. 42 Das Jüdische Echo 5.?7 beiter bewährten sich gut und zeigten sich selbst der Arbeit unter Tage, wie sich bei der ärztlichen Voruntersuchung auf den Gruben ergab, in vielen Fällen körperlich gewachsen. Die Unterbringung von jüdischen Arbeitern in der Industrie hat sich mit der wachsenden deutschen Produktion von Monat zu Monat gehoben. Für die letzte Zeit beträgt der Anteil der vermittelten Arbeiter durchschnittlich: als Landarbeiter 10% als gelernte Industriearbeiter u. Handwerker 35% ungelernte Industriearbeiter und Lehrlinge 55% Bei einer Steigerung seiner Mittel wird es dem Jüdischen Arbeitsamt möglich sein, die Zahl der untergebrachten ungelernten Arbeiter, die schon im Monat Februar in Duisburg allein zirka 400 betrug, beträchtlich zu erhöhen. Eine ergänzende Fürsorgetätifgkeit, wie sie das Jüdische Arbeitsamt für Rheinland-Westfalen schon heute ausübt (Herberge, Küche, Arbeitskleidung, Vorschüsse) wird in allen Industrie Zentren die Möglichkeit geben, noch Hunderten von ostjüdischen Arbeitern nach kurzer Wartezeit geeignete Arbeitsstellen zu verschaffen. Ein geringer Prozentsatz der Arbeitslosen, der weder etwas gelernt hat noch kräftig genug ist, um als Land- oder Industriearbeiter tätig zu sein, wird, besonders so lange die Vorschriften des Demobillmaehungsamtes nicht aufgehoben sind, immer Zurückbleiben. Für ihn gibt es nur eine Hilfe: die Unterbringung in Arbeiterkolonien und die Ausbildung in leicht erlernbaren Berufen. IV. Auch wenn in absehbarer Zeit die jüdische Emigration nach Amerika, Palästia oder die westeuropäischen Länder in größerem Maßstabe einsetzt, wird das Jüdische Arbeitsamt für Deutschland seine Bedeutung behalten. Es wird dann eün wesentliches Glied in der Weltorganisation werden, welche die Aufgabe auf sich nimmt, die den Osten verlassenden jüdischen Massen nach den richtigen Stellen zu lenken und ihre Kräfte fruchtbar zu machen. Feuilleton Der Zaddik vom Dorfe. (Schluß.) „El melech neemon,“ drillt der Rebbe in ihn hinein, und Jaschek denkt bei sich: „El melech neemon“ ist so ein Spruch, den man hersagen muß, um von den Schweizern in Gottes Palast eingelassen zu werden... Indessen hat er ein Gebet anderer Art für Gott. Ein Gebet ohne Worte. Ein Gebet, das in seinem Herzen wächst, seine Seele ausfüllt und schwellt und das aus ihm herausströmt im ... Pfeifen. Will er beten, dann legt er zwei Finger in seinen Mund, spitzt die Lippen und bläst tüchtig zu; und sein Gebet schallt durch den Wald. Und Gott versteht ihn wohl. Ihn und sein Gebet. Aber Jaschek pfeift nur dann, wenn er fühlt, daß er pfeifen muß... Und Gott — sinnt er — liegt irgendwo auf freiem, duftendem Felde und lauscht seinem Pfeifen mit Behagen und hat seine Freude an dem Pfeifen. Und nicht er allein pfeift. Alle — das weiß er — pfeifen. Wenn Nassik, der Dorfhund, plötzlich zu knurren anfängt, mit seinem Schwanz wedelt, zum Himmel aufsieht und bellt, sagt Jaschek: Nassik dawnet. Wenn die weiße Kuh vom Felde abends heimkommt mit langgezogenem, traurigem „Muh“, denkt er, sie dawnet. Der „Bolan“ dawnet auf andere Weise; er tollt umher, stellt sich auf die Hinterfüße, richtet den Kopf hoch und macht „Br ... Br“ — Alle dawnen, sogar dile Frösche im Wasser: „Quak, quak!“ Einer nach dem anderen ... Jaschek ist dreizehn Jahre alt geworden. Es ist vor dem Neujahrfest: und er kann immer noch nicht das Sch’ma sagen, obwohl der Rebbe nichts weiter in ihn hineinzutrichtern sucht: nur das Sch’ma, damit man ihn in die Stadt mitnehmen könne. Denn einen neuen Zwiillichanzug hatte Jaschek schon bekommen, ein Paar Stiefel und eine neue Mütze. Alles zu den Feiertagen. Nun soll er aber auch das Sch’ma beten können. Die Synagoge ilst voll Andächtiger. Langgezogene tränenerfüllte Töne, von abgerissenen, halben, leiderstiickten Klagen durchsickert, hört man das schwere Gebet des Rabbi Amnon „Un’ssane taukef“. Und wie unterdrücktes Weinen dringt es plötzlich heraus aus der Frauenschuh und Jaschek mit seinem neuen Zwillichanzug, die blonden Haare hervorlugend unter der zurückgeschobenen Mütze, horcht auf und läuft dann von seinem Platze nach vorn und stellt sich seitwärts gegenüber dem Vorbeter hin. Aber der Siddur, den ihm sein Vater gekauft hat, damit es so aussehe, als ob er bete, gleitet ihm aus den Händen: Jaschek steht mit weit aufgerissenen Augen und guckt. Er hört nichts und fühlt nichts. Er steht und blickt nur mit starren Augen auf den Vorbeter und auf die weinenden Juden. Da sieht er den weißen Vorhang vor der heiligen Lade mit den goldenen Buchstaben: „Heilig dem Ewigen“, und' er denkt bei sich: Dort muß Gott sein, d'ort... dort hinter dem Vorhang! Von der Galerie blickt seine Mutter herab. Sie sieht ihren Sprößling, wie er dasteht und starrt, wie der Siddur seihen Händen entfallen ist, und sie seufzt: „Ein Bauer ist er, ein geborener Goi.“ Und der Vater blickt ihn scheu unter seinem Talles hervor an und fleht: „Allmächtiger, denk auch an ihn!“ Aber Jaschek regt sich nicht und starrt nur vor sich hin... Alle weinen, alle beten; alle schreien zu Gott. Wie gerne täte ers auch! Er wiill auch zu Gott beten; er will auch, — nicht weinen, nicht schreien — nur danken und Gott loben will er, für alles, alles danken ... Er bückt sich nieder, hebt seinen Siddur wieder auf, schlägt das Sch’ma auf und beginnt: „El., me., lech .. ne.. mon.“ Aber dieses Gebet ist nichts für ihn. Er versteht es nicht. Das ist nur ein Spruch. Er will danken und loben, ehrlich und treuen Herzens. Aber er hat Angst vor der großen Menge, die so ganz anders betet. Doch der Drang zum Beten besiegt seine Angst, und Gott ist stärker als alle. Er muß ... Und er legt die Finger an den Mund; und ein lauter Pfiff schneidet durch die weinende Gemeinde ... * * * Alles iist wie vom Donner gerührt. Wer pfeift da am heiligsten Orte?... Der Vater will ihn am Arme packen und hinausbringen. Die Leute wollen ihn schlagen. Da dreht sich plötzlich der heilige Rabbi von seinem Stand an der Misrachwand um und fragt:

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