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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 535 losen Lage zu befreien und ihnen zu einer gesicherten Existenz zu verhelfen. Ein jüdischer Arbeitsnachweis muß den gesamten Arbeitsmarkt übersehen, politische Schwierigkeiten, die sieh der Einstellung jüdischer Arbeiter entgegenstelien, überwinden und durch persönliches Eingehen auf die physische und psychische Fähigkeit und die Vorbildung jedes Einzelnen die Arbeiter richtig auf die offenen Arbeitsstellen verteilen. In Erkenntnis dieser Tatsache entstand nach der Revolution in Berlin das Jüdische Arbeitsamt. Damals begann die Einwanderung aus dem Osten in größerem Maßstabe. Dazu wurden Tausende von ostjüdischen Arbeitern, die während des Krieges für die deutsche Kriegsindustrie angeworben waren, entlassen. Seine Tätigkeit erwies sich bald als so notwendig, daß die Behörde das Jüdische Arbeitsamt als gemeinnützigen Arbeitsnachweis anerkannte und dem Landesarbeitsamt anschloß. Um den deutschen Arbeitsmarkt vollständiger zu erfassen, als es von einer einzelnen Stelle aus möglich ist, wurden im Laufe der nächsten Monate von der Zentralstelle Berlin aus Zweigstellen in den verschiedensten Gegenden, besonders im rheinisch-westfälischen Industriegebiet errichtet. II. Seit Anfang des Jahres 1919 liegen in den Jüdischen Arbeitsämtern die Meldungen von zirka 6000 Ostjuden vor, die die Arbeitsvermittlung in Anspruch nahmen. Die folgenden statistischen Angaben sind Durchschnittszahlen aus den Meldungen der letzten 6 Monate, da vorher keine Erhebung über Herkunft und Beruf gemacht wurde. Von den sich meldenden Arbeitern gaben als Geburtsland an: Polen 76 % Galizien 11 % Litauen 3V*% Ostseeprovinzen 1 % Gr. Rußland 6 ■% Ukraine P/2% Verschiedene Länder 1 % 100 % Die aus Gr. Rußland und der Ukraine stammenden Juden waren meist ehemalige Kriegsgefangene^ die noch nicht in ihre Heimat zurückkonnten. Die überwiegende Mehrzahl der anderen stand im Alter von 18—24 Jahren und war daher militärpflichtig. Nur etwa 5% waren verheilratet. Beruflich gliedern sich die Gemeldeten wie folgt: Landwirtschaft 3,69% Industrie und Handwerk 68,30% Handel und Verkehr 11,13% Freie Berufe 2,62% Verschiedene Lohnarbeiter ohne Angabe 14,26% 100,00% Die unter „Industrie und Handwerk“ gerechneten obigen 68% gliedern sich weiter wie folgt: Bekleidungsgewerbe (Schneider, Mützenmacher, Kürschner) 29,00% Metallarbeiter (Schlosser, Klempner, Elektromonteure, Schmiede) 14,80 % Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker, Schlächter. Konditor) 10,70% Schuster und Schäftemacher 10,00% Übertrag 64,50% Übertrag 64,50% Holzgewerbe (Tischler, Zimmerer, Schreiner) 4,40% Weber 4,00% Sattler, Lederarbeiter 3,00% Friseure 2,50% Buchdrucker, Schriftsetzer 2,30% Buchbinder 2,00% Maler, Anstreicher 2,00% Uhrmacher 2,00% Fabrikarbeiter 8,20% Verschiedene (Drogisten, Tapezierer, Gerber, Glaser, Goldschmiede usw.) 5,10% 100,00% In der folgenden Tabelle sind die Angaben von Ruppin *) den im Arbeitsamt ermittelten gegenübergestellt. Es waren tätig in den nebenstehenden Berufs- Berufs- Abteilungen von je 10000 Juden Abteilung Deutschland Österreich Rußland J Angaben des Arbeitsamtes Landwirtschaft . . 138 1142 381 369 Industrie u. Handwerk 2151 2867 3463 6830 Handel und Verkehr . 4972 3826 4315 1113 Öfftl. Dienst, fr. Berufsarten . . . 647 723 630 262 Lohnarbeit wechselnder Art . . 210 543 661 'j Ohne Angaben . 522 150? 1426 Selbständige ohne Beruf 1892 377 400 * Aus einem Vergleich der Zahlen des Arbeitsamtes mit dienen Ruppins geht hervor, daß eine starke Abwanderung aus dem Handel ins Handwerk und besonders in die Industrie im Laufe der letzten Jahre stattgefunden hat. Metallarbeiter wie Schlosser, Dreher, Klempner, Monteure, die Ruppin in seiner Berufsstatistik der Ostjuden überhaupt nicht erwähnt, bilden heute schon: ein Siebentel aller gewerblich vorgebildeten Arbeiter, eine Tatsache, die durch die dazwischenliegenden Kriegsjahre mit ihrer besonderen Industrie bedingt war. Entsprechend scheint der Prozentsatz der Schneider gesunken zu sein, denn während nach einer RuppLnschen Statistik unter^ allen überhaupt gewerblich Vorgebildeten 50% Schneider waren, stellt das Arbeitsamt nur 29% für Angehörige des Bekleidungsgewerbes fest, in denen noch dazu Mützenmacher, Kürschner usw. enthalten sind. Allerdings muß man dabek wie überhaupt bei: den Berufsangaben, berücksichtigen, daß sich nur ein Teil, wenn auch ein erheblicher, aller Flüchtlinge, im Jüdischen Arbeitsamt meldet, während die Ruppinsche Statistik die Zahlen eines amerikanischen Einwranderungsamtes verwendet. Da in Deutschland die Nachfrage nach Schneidern außerordentlich groß ist, ist anzunehmen, daß ein nicht unbedeutender Prozentsatz eine Arbeitsstelle findet, ohne die Vermittlung des Jüdischen Arbeitsamtes in Anspruch zu nehmen. *) Dr. Arthur Ruppin. „Die Juden der Gegenwart“. Jüdischer Verlag. Berlin 1918.

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