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Der jüdische Arbeitsmarkt · 1921-01-28 · Nr. 1 = Januar 1921 · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Arbeitsmarkt
Volume
2 (1921)
Issue
Nr. 1 = Januar 1921
Date
1921-01-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Jüdische Ärbeitsmarkt Zeitschrift zur Förderung der Bodenkultur und Handwerke unter den Juden. Herausgegeben von der Geschäftsstelle des Daniel-Bundes, München, Herzog Maxstr. 4. erscheint als Beilage z. Jüd. Echo nach Bedarf einod. zweimal monatlich. Preis jeder Nummer mit der Ausgabe des Jüdischen Echo 1 Mir. Anzeigenpreis Mir. 5.—, Stellengesuche Mir. 1.50 für halbgespaltene Petitzeile. Yerantwortl. f. d. textl. Teil: Jos. Schönfeld, f. d. Anzeigenteil- H. W. Stöhr, Drnck: B.Heller sämtl. in München Nr. 1 Januar 1921 2. Jahrgang Berufswahl. Es bestellt für alle Kundigen, so schreibt das „Hamb. Isr. Familienblatt“, kaum noch ein Zweifel darüber, daß die gegenwärtige Hochkonjunktur im Handel mit ihren großen Gewinnen nur eine vorübergehende Erscheinung der ersten Nachkriegsperiode ist, daß der Güterverteilung durch den Handel in der Zukunft der Volkswirtschaft nur eine viel beschränktere, schwierigere und weniger lukrative Rolle zufallen wird, als es vor und während des Krieges der Fall war. Je mehr das sozialistische Prinzip sich durchsetzt, in um so größerem Maße wird der Zwischenhandel ausgeschaltet, um so mehr Kräfte werden in demselben brotlos und der wirtschaftlichen Verelendung preisgegeben. Zuerst werden dieser diejenigen Kräfte anheimfallen, welche nur eine kaufmännische Durchschnittsbegabung besitzen, die nur mittelmäßige Kaufleute sind, und das ist doch immer die größte Mehrzahl. Es können in dem Kaufmannsstande durch die wirtschaftliche Entwicklung oder Umwälzung leicht Zustände bevorstehen, wie sie durch die Auflösung des früheren Heeres für die wirtschaftliche Existenz der bisherigen Berufsoffiziere jetzt obwalten. Im Gegensatz hierzu stehen die Zukunftsaussichten für den Handwerker, speziell für den jüdischen Handwerker. Sie sind für den Augenblick vielleicht weniger blendend, aber desto gesicherter und günstiger für spätere Jahre. Die Produktion der Güter und Werte durch das Handwerk und ihre Früchte können durch keinerlei veränderte Verhältnisse im Wirtschaftsverkehr ausgeschaltet und beeinträchtigt werden. Sie bleiben der feste und unerschütterliche Boden jeder Volkswirtschaft. Niemals werden die Träger dieser Berufe entbehrlich, niemand kann ihnen den Lohn ihrer Berufsarbeit entziehen. „Wir müssen mehr produzieren, wenn wir aus unseren jetzigen ungesunden wirtschaftlichen Zuständen herauskommen wollen.“ Das ist das einzige und immer wiederkehrende Rezept für die Zukunft, welches die Führer aller Parteien tagtäglich wiederholen. Wer aber produziert regelmäßiger und reichlicher als der Handwerker? Auf ihm beruht hauptsächlich die Stellung und das Gedeihen der Volksgesamtheit. Dieser seiner Bedeutung muß auch sein Einfluß, sein Ansehen, seine Stellung und sein Einkommen entsprechen. Deshalb kann den jüdischen Eltern, welche demnächst wieder über die Berufswahl ihrer Söhne zu entscheiden haben werden, gar nicht eindringlich genug empfohlen werden, alle Knaben, welche sich geistig und körperlich für das Handwerk eignen, diesem zuzutühre®, ohne sich durch eine falsche Vorliebe für den Handel davon abhalten zu lassen. Das Handwerk wird in Zukunft der angesehenste und nutzbringendste Beruf sein. Geeignete Lehrstellen für die in Betracht kommenden schulentlassenen Jungen werden gern durch die örtlichen und zentralen Beratungsstellen der Berufsberatung der Juden, durch die jüdischen Handwerkervereine und ähnliche Organisationen vermittelt, auch solche, in denen die Sabbatheiligung denen ermöglicht wird, welche von ihrem religiösen Standpunkt aus darauf entscheidenden Wert legen. Jüdische Eltern sollten sich daher mit diesen Stellen in Verbindung setzen und bei ihnen Informationen einholen, bevor sie sich über di'e Berufswahl ihrer Söhne entscheiden. Sie sollten über dieses wichtige Thema Erörterungen in den Elternräten der Schulen veranlassen, um etwaige Zweifel zu klären und durch sachverständige Vorträge sich über die einschlägigen Fragen zu unterrichten. Und sie sollten keine Zeit verlieren, diese Maßnahmen unverzüglich zu ergreifen. In Sache des Danielbundes. Um die in der letzten Zeit in der Presse (u. a. in Nr. 109 des „Volk. Beobachters“ vom 19. Dez. 20) verbreiteten Gerüchte, daß der Danielbund ein Verein von getauften Juden und dergl. sei, zu zerstreuen, verweisen wir zunächst auf § 7 der im Amtsgericht München am 31. März 1919 eingetragenen Bundessatzungen, wonach die Vorstandschaft des Danielbundes aus Personen besteht, die der jüdischen Religion angehören müssen. Entsprechend dem Streben des Bundes nach Versöhnung der Nationen und Religionen heißt es in § 6 der Satzungen: „Nicht-Juden, die ein aufrichtiges Wohlwollen den Juden gegenüber bezeugen und die Bestrebungen des Bundes tatkräftig unterstützen, bilden ein besonderes Komitee.“ Wohl ist ein Mitglied dieses Komitees, nämlich der bekannte Pazifist, Vegetarier und Esperantist, Dr. med. Willi. Winsch, z. Z. provisorischer Vorsitzender der Berliner Danielgruppe und zwar infolge des Austrittes des bisherigen Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. E. Simonsohn. Die Berliner Danielgruppe erkennt aber nach wie vor die Satzungen unseres Bundes an, die sie auch der Berliner Polizei vorgelegt hat, und Dr. Winsch wird selbstverständlich den Vorsitz niederlegen, sobald sich eine passende jüdische Persönlichkeit in Berlin zur Übernahme dieses Amtes entschließen wird. Unentgeltliche Handfertigkeitskurse für jüdische Schüler und Schülerinnen. Die vom Daniel-Bund, von der München-Loge und vom Jüdischen Frauenbund errichteten Handfertigkeits- und Handarbeitskurse sind z. Z. von 65 Teilnehmern folgendermaßen besetzt: Gruppe 1: Tischlerkurs mit 12 Schülern. (Rosentalschule.) Gruppe 2 und 3: Pappkursus mit je 14 Schülern, im Gemeindehaus Herzog Maxstraße. Mädchengruppe mit 15 Schülerinnen im jüdischen Kinderhort, Baderstr. Die Schülerkurse finden jeweils Montag und Donnerstag 5.30—7.30 Uhr, die Handarbeitskurse für Mädchen jeweils am Mittwoch nachmittags statt.

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