Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 4 (28.1.1921)
- Date
- 1921-01-28
- Page
- Seite 50 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Das Jüdische Echo Nr. 4 eingetretene Krisis sei nur eine psychologische und er habe die feste Überzeugung, daß sie überwunden werden wird. Einen tiefen Eindruck machte seine Erklärung, daß Sir Alfred Mond jetzt einen Teil der Verantwortung bei sämtlichen zionistischen Arbeiten trage. Dr. Weitzmann und Sir Alfred Mond verließen Jerusalem, um eine Tour durch die jüdischen Kolonien zu machen. Aus der jüdischen Welt Amerika Der Präsident des Ordens Bnai B’rith für den Palästinaaufbau. Der Präsident des Ordens B’nai B’rith D r. Kraus hat an die amerikanische Zionistenkonvention in Buffalo folgende Mitteilung gesandt: „Ohne Rücksicht auf die Frage, ob die amerikanischen Juden Zionisten oder Anti-Zionisten sind, scheint es mir für jedermann schwer zu sein, die Hilfe für diejenigen unseres Volkes abzulehnen, die heimatlos sind. Wenn Sie mir nach Ihrer Konferenz mitteilen werden, welches Ihre Absichten sind und was für eine Mitarbeit Sie von unserer Organisation erwarten — welche, wie Sie wissen, sowohl aus Zionisten als auch aus Nicht-Zionisten zusammengesetzt ist — will ich dies gerne unserem Exekutivausschuß in seiner nächsten Sitzung unterbreiten und ich bezweifle nicht, daß es freundlich und wohlwollend aufgenommen werden wird.“ Die Juden im amerikanischen Kongreß. In den nächsten Kongreß der Vereinigten Staaten sind 11 Juden gegenüber 6 im gegenwärtigen Kongreß gewählt worden. 10 von ihnen sind Republikaner, 1 Sozialdemokrat. Taft gegen die antisemitische Propaganda. (J. C. B.) In einem von der „Anti-Defamation“-Liga veranstalteten Meeting sprach der gewesene Präsident der Vereinigten Staaten; Taft, über die antisemitische Propaganda in Amerika und verurteilte in scharfen Worten die berüchtigte Broschüre „Protokolle der Weisen von Zion“, die er mit den bekannten Geschichten Münchhausens verglich. Besonders scharf trat Taft gegen den Führer der antisemitischen Propaganda, Henry Ford, auf, der den bisher in Amerika unbekannten Rassenhaß schürt. Feuilleton Repräsentanten des Judentums. 1. Disraeli oder der Englisch-Feudale. Disraeli, eine Synthese zwischen dem Juden und dem Kaufmann von Venedig, war auf seine semitischen Ahnen ebenso stolz, wie die Nachkommen Hengists und Horsas und Wilhelms des Eroberers auf ihre arisch-tartarischen. Letztere liebten die Haustiere, insbesondere die Pferde, hatten aber nach Emersons Zeugnis eine ebenso ausgesprochene Vorliebe für Mord und Totschlag. Es war daher für die jüngere Generation der englischen Tories heilsam, durch Disraeli in der jüdischen Weisheit unterrichtet zu werden, daß man daheim Gerechtigkeit üben muß, wenn man draußen Macht entfalten w i 1 i. Da er auf diese Weise trotz Chartisten- und Fenierbewegung verhüten half, daß England selbst in zwei Nationen zerfiel, nahm es ihm die Königin Victoria von England nicht einmal als Kaiserin von Indien übel, daß er mit seinem Semitismus Staat machte. Nur ihr Enkel, der deutsche Kaiser Wilhelm II. und sein deutscher Lieblingsphilosoph Houston Stuart Chamberlain empfanden solchen Dualismus als Hohn auf die Grundlagen des 19. Jahrhunderts. 2. Bamberger oder der Deutsch-Liberale. Ludwig Bamberger wurde in zu geringer Entfernung von Goethe und dem Ghetto geboren, als daß er es bis zur deutsch-völkischen Größe hätte bringen können. Er war nicht „deutschnational“; aber er ist für die deutsche Nation auf die Barrikade und ins Exil gegangen und hat für die „Nation“ Theodor Barths ein vorzügliches Deutsch geschrieben. Er war nicht „deutschvölkisch“; aber das deutsche Volk verdankt ihm eine musterhafte Neuordnung seines Münz- und Bankwesens und sowohl die deutsche Reichsbank wie die Deutsche Bank loben diesen jüdischen Meister. Er war in seinen besten Jahren ein doktrinärer Manchestermann, wie viele andere Liberale. Wie sehr wenig andere Liberale hat er aber noch in hohem Alter die Irrtümer seiner Jugend teilweise eingesehen und umzulernen verstanden. Der junge Helfferich, der ihm dafür Ruhmeskränze flocht, hat sich inzwischen vom deutschen Nationalliberalen zum illiberalen Nationaldeutschen entwickelt. Aber nur die Last der Milliarden wird sein Andenken länger erhalten, als die Erinnerung an Ludwig Bamberger. 3. Trotzki oder der Russisch-Soziale. Daß ein Jude in einer Zeit gehäufter Progrome im russischen Staatsleben eine führende Rolle spielen kann, erscheint paradox, ist aber echt russisch. Rußland ist das Land der Paradoxe: Askese und Ausschweifung, Sentimentalität und Brutalität, Imperialismus und Pazifismus, Kapitalismus und Sozialismus erscheinen dort kaum als Gegensätze. Wo es aber keinen Unterschied macht, ob der Zar ein geborener Demagoge oder ein geborener Schwachkopf ist, ist es nur ein Zufall, ob er dem Rat eines marxistisch-orthodoxen Juden oder eines griechisch-orthodoxen Mönchs folgt. Wer darum wähnt, den Bolschewismus dadurch beseitigen zu können, daß er die Dynastie Romanow restauriert, ist ebenso auf dem Holzweg, wie derjenige, der das deutsche Volk russifiziert, indem er seine primitiven Instinkte auf die Juden hetzt Eine Politik, wie die bolschewistische, die sich im Innern auf Gewalt, im Äußeren auf Ethik stützen will, geht immer und überall an sich selbst zugrunde, von wem sie auch gemacht wird. Gemeindenu.Vereins-Echo Jüdischer Wanderbund Blau - Weiß München: 2. Zug: Samstag 4.15 Uhr Heimnachmittag für Jüngere, 5.15 Uhr für Ältere. Sonntag Treffpunkt 9 Uhr Steinhausen (Endpunkt der Linie 19). 3. Zug: Heimabende a) Dienstag 6 Uhr, b) Samstag 2.30 Uhr, beide im Stadtheim. Sonntag-Fahrt Treffpunkt 9 Uhr Ostfriedhof. — Bibliothekstunde : Donnerstag 5.30—6.30 Uhr. Bar Kochba München. Turn- und Sporttafel. Montag Waldlauf, anschl. Heimabend 8 Uhr (Sendlinger Weinbauer). Dienstag Herrenturnen (AltherrenturnenS—10 Uhr) Universitätsturnhalle Ludwigstr. 14. Mittwoch Damenturnen 7.30— 9.30 Uhr (Turnhalle Silberhorn, Karlspl. 3). Donnerstag Leichtathletik, Hallentraining 6—8 Uhr (Turnhalle T. u. Sp.-V. „Sendling“, Plinganserstraße 84. — Neuanmeldungen nehmen entgegen Albert Kupfer, Müllerstr. 25, Albert Heumann, Anürästr. 2/II.