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Der jüdische Arbeitsmarkt · 1920-11-01 · Nr. 5/6 = November/Dezember 1920 · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Arbeitsmarkt
Volume
1 (1920)
Issue
Nr. 5/6 = November/Dezember 1920
Date
1920-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Der jüdische Arbeiismarki Zeitschrift zur Förderung der Bodenkultur und Handwerke unter den Juden. Herausgegeben von der Geschäftsstelle des Daniel-Bundes. Mllnchcn. Herzog Maxstr. 4. erscheint als Beilage zum Jüdischen Echo nach Bedarf ein- oder zweimal monatlich. Preis jeder Nummer mit der Aufgabe des Jüdischen Echo I Mk. Anzeigenpreis Mk. 3.-. Stellengesuche Mk 1.50 für halbgespaltene Petitzeile. Derantwortl. für den textl. Teil: Jos. Schönfeld, für den Anzeigenteil: H. W. Stöhr, Druck: B. Heller sämtl. in München. Nr. 5/6 November-Dezember ^SLO Jahrgang An die Mitglieder und Freunde des Oanielbundes. Die notwendig gewordene Verbreitung des Jüdischen Arbeitsmarktes in weiteren jüdischen Kreisen veranlaßte uns, mit dem Verlag des Jüdischen Echo ein Abkommen zu tresfen, wonach der Jüdische Arbeitsmarkt mit Beginn des kommenden Jahres als Beilage zum Jüdischen Echo erscheinen wird. Der Jüdische Arbeitsmarkt wird wie bisher an sämtliche Mitglieder des Daniel-Bundes unentgeltlich geliefert und zwar mit der gleichzeitigen Ausgabe des Jüdischen Echo. Nichtmitglieder können diese Ausgabe von der Geschäftsstelle des Daniel-Bundes zum Preis von IMk. für die Nummer beziehen. Die Schriftleitung des Arbeitsmarktes besorgt der 2. Schriftführer des Daniel-Bundes, Herr Josef Schönfeld, unter Mitwirkung der Herren Hauptlehrer Heinrich Frei und vr. Sigbert Feuchtwanger, sämtlich in München. Alle Sendungen für den Daniel-Bund und für den Arbeitsmarkt find an die Geschäftsstelle des Daniel- Bundes, München, Herzog Maxstraße 4, Postscheckkonto München 21463, zu richten. Der Jüdische Arbeitsmarkt erscheint ab Januar 1921 jeweils am Freitag 1- oder 2mal monatlich. Schluß der Redaktion jeden Mittwoch vor Erscheinen des Blattes. Wir bitten alle unsere Mitglieder und Freunde um weitere tatkräftige Unterstützung unserer Bestrebungen. Die Vorstandschafl des Daniel-Bundes: Hofrat vr. A. Theilhaber, Nathan Chavkin, vr. S. Feuchtwanger, Jos. Schönfeld. Ein Jahr «.Zeitschrift des Oanielbundes^. Von Nathan Benzion Chavkin. Zahlreich waren die Aufgaben, die sich der Daniel- Bund bei seiner Gründung vor zwei Jahren gestellt hat: Vegetarismus, Pazifismus, Gartensiedung usw. Aber die Umstände zwangen den Bund alsbald, seine Tätigkeit den zeitlichen und örtlichen Verhältnissen anzupassen und gewisse Teile seines Programms in den Vordergrund seiner Wirksamkeit zu stellen. Der Daniel-Bund führte zwar den Untertitel „Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums", mußte jedoch im beständigen Ringen nach Mitteln zur Erreichung seines Zieles eine Wandlung durchmachen und sich zeitweise mehr mit wirtschaftlichen als mit ethischen Problemen der Judenheit befassen, zumal diese in steter Abhängigkeit von jenen sich befinden. So erschien anfangs dieses Jahres die erste Nummer der „Mitteilungen des Daniel-Bundes" mit einem neuen Arbeits-Programm, dessen erster Punkt lautet: „In wirtschaftlicher Hinsicht will der Bund die Verbreitung produktiver körperlicher Betätigung unter der jüdischen Jugend und Förderung aller Bestrebungen, die eine Umschichtung der Berufe der Juden zum Ziele haben. Hierin erblickt der Bund das wirksamste Mittel sowohl für die physische und moralische Gesundung der Judenheit als auch für die Hebung ihres Ansehens unter den Völkern und Schwächung des Antisemitismus." Obwohl das Programm noch weitere 2 Punkte enthält, die sich auf das religiöse und politische Leben der Juden beziehen, konzentrierte sich doch die Arbeit des Daniel-Bundes während des ganzen abgelaufenen Jahres auf die Produktivierung der Juden in Deutschland, durch Schaffung jüdischer Scherbergärten, Handfertigkeitskurse, Organisierung der Stellenvermittlung in produktiven Berufen u. dergl. Wohl kamen in den 5 Nummern der „Mitteilungen des Daniel-Bundes" auch allgemeine jüdische Fragen zur Erörterung, doch mußten diese wegen der fortschreitenden Teuerung der Drucksachen von der Bundes-Zeitschrift ausgeschaltet werden. So entstand der „Jüdische Arbeitsmarkt", der ausschließlich der Förderung der Bodenkultur und Handwerke unter den Juden gewidmet ist. Der Bund stellte sich auf den Boden der Wirklichkeit, indem er die Berufsumschichtung der Juden in Deutschland in den Vordergrund seiner praktischen Betätigung gesetzt hat. Dennoch erlitt die vom Daniel-Bund ursprünglich eingeleitete Bewegung zur Verbreitung von Lebensreform, Pazifismus usw. unter den Juden keine Unterbrechung. Von verschiedenen jüdischen und auch nichtjüdischen Kreisen liefen bei der Geschäftsstelle des Bundes begeisterte Zuschriften und verschiedene Anregungen ein, die von der Notwendigkeit der Sammlung aller edlen Elemente im Judentum und Schaffung von Siedlungsgemeinschaften zum Zwecke der Verwirklichung der ethisch-sozialen Gedanken der jüdischen Propheten Zeugnis ablegen. Es ist klar, daß für solche Siedlungen der geweihte Boden Palästinas sich am besten eignet, daß nicht nur ideal gesinnte Juden, sondern auch manche edelgesinnte bibelgläubige Christen sich ähnlich den früheren Templern und andere religiöse Gesellschaften im Heiligen Lande ansiedeln wollen. Ferner ist Palästina — das klassische Land des Obstbaues — für die Verwirklichung der modernen vegetarischen Ideale wie geschaffen. Aber auch Ideale können einer wirtschaftlichen Grundlage nicht entbehren, und der moderne Mensch kann nicht wie die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes unbekümmert um die Erzeugung der Lebensbedürfnisse existieren. Heimindustrie und Gartenbau soll die wirtschaftliche Basis der Danieliten-Kolonien in Palästina bilden. In diesem Sinne mitzuarbeiten fühle ich mich berufen und verpflichtet. Ich beabsichtige daher, sobald die Verhältnisse es gestatten, nach Palästina überzusiedeln, und bereite mich schon jetzt für diese Übersiedlung vor. Damit das Blatt zu einem Bedürfnis für die deutsche Judenheit werden und einer gedeihlichen Entwicklung entgegengehen könnte, müßte es m. E. auf den weiteren Ausbau der Stellenvermittlung in produktiven Berufen sein Hauptaugenmerk richten. Denn die Frage der Produktivierung der deutschen Juden ist, wie ich bereits an anderer Stelle dieses Blattes betont habe, im wesentlichen eine Frage der Beschaffung geeigneter Lehrstellen und dauernder Beschäftigung für die jüdische Jugend, die sich gerne den produktiven Berufen widmen will. In bisherigem bescheidenem Maße, jedoch einem größeren jüdischen Publikum als bisher zugeführt, wird der Jüdische Arbeitsmarkt weiter erscheinen, bis die Not der Zeit oder die bessere Einsicht eine Vereinigung aller für die Produktivierung der deutschen Judenheit interessierten Kreise, der jüdischen Handwerker- und Gewerbebeförderungs-, Bodenkultur- und Stellenvermittlungsvereine herbeiführen und ein öfters erscheinendes, von bewährten jüdischen Fachleuten geleitetes Blatt geschaffen wird, das in erhöhtem Maße der körperlichen und sittlichen Erneuerung der Judenheit dienen könnte. Fortsetzung des Textes siehe Seite 20.

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