Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 46/47 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46/47 Das Jüdische Echo 439 „Halt stille, Wind!“ Aber der Wind antwortete: „Halt du stille und überhebe dich nicht vor deinem Gotte; so will auch ich dich weitertragen.“ Da war Salomo von den Worten des Windes beschämt. — Man kann aus dieser Legende lernen, daß selbst der weise Salomo von dem Grundfehler aller Imperialisten, sich maßlos zu überheben, nicht frei war. Man kann aber auch daraus lernen, daß der jüdische Wind charaktervoller war, als die heutige Northcliff- und Stinnespresse, die sonst manches mit ihm gemein hat. 2. Der große Sanherid. Auf die Frage des Kaisers Napoleon, „ob die Juden Frankreich als ihr Vaterland betrachten“, antwortete der große Sanherid der französischen Rabbiner im Jahre 1806: „Jeremias cap. 29 empfiehlt den Juden, Babylon als ihr Vaterland anzusehen, wenngleich sie nur siebenzig Jahre dort bleiben sollten; er ermahnt sie, die Felder urbar zu machen, Häuser zu bauen und Früchte zu säen, und so vielen Eingang fand seine Lehre, daß nach Esdras Erzählung cap. 2, als Cyrus den Juden erlaubte, nach Jerusalem zurückzukehren, um den zweiten Tempel aufzurichten, nur 42 360 aus Babylon zogen, und in dieser Zahl nur Leute aus der dürftigen Klasse, während alle Reichen zu Babylon verbliebe n.“ S o sprachen die Amtsvorgänger jener französischen Rabbiner von heute, die im Weltkrieg deutsch-jüdischen Kriegsgefangenen jeden geistlichen Zuspruch verweigerten, um nicht für schlechte Franzosen gehalten zu werden. S o sprachen aber auch die Väter jener Bourgeois i e von heute, welcher der Reichtum das Vaterland bedeutet und die der „dürftigen Klasse“, für welche das Vaterland der Reichtum ist, die „nationale Gesinnung“ abspricht. Aus der jüdischen Welt Palästina. Kleine Nachrichten. Prof. Dr. Pick, Leiter des Misrachi-Büro, begibt sich im Laufe des November nach Palästina. — Die Misrachi-Organisation Palästinas hat in Jerusalem ein Wochenblatt, betitelt „Hator“ erscheinen lassen. Die Redigierung diese Wochenblattes ist Rabbiner Fischmann anvertraut. — Nach einer jüngst vorgenommenen Zählung gibt es in Palästina 262 000 Schafe, 271 000 Ziegen, 620 Ochsen und 9000 Kamele. — Eine jüdische Gesellschaft in Hebron hat 40 000 Fruchtbäume und 60 000 Nutzholzbäume angepflanzt. — In Jerusalem gibt es gegenwärtig zirka 150 jüdische Weber. Die Wollindustrie hat in Palästina gute Aussichten. — Einen großen Eindruck machte hier die Ankunft einer großen Zahl von Zionisten aus Sibirien, die nach unsäglichen Leiden und Schwierigkeiten, sowie nach Durchwanderung der ganzen Wüste Gebi und China endlich das ersehnte Land erreicht haben. — Eine genossenschaftliche Gruppe hat es unternommen, Jerusalem mit Milch und Milchprodukten zu versorgen. Sie hat eine beträchtliche Anleihe aufgenommen zwecks Beschaffung von Vieh und der nötigen Geräte. Ämerika. Jacob H. Schiffs Vermächtnisse. Schiff hinterließ der Vereinigung der jüd. Philantrop. Gesellschaften in Newyork 500 000 Dollar, dem Montefiore-Heim und Krankenhaus für chronische Krankheiten 350 000 Dollar, dem Jüd. Theolog. Seminar von Amerika 150 000 Dollar, dem Hebrew Union College in Cincinnati 100 000 Dollar und einer Reihe weiterer Institutionen Beträge von 50 000, 25 000, 10 000 und 5000 Dollar. Rumänien. Die Regierung gegen Ausweisungen. Die von der Bukowiner Regierung erlassene Verordnung betreffend Ausweisung der nach 1914 dorthin Eingewanderten wurde auf Beschwerde aus den Kreisen der Bevölkerung vom Staatssekretär des Innern in Bukarest aufgehoben, da sich herausgestellt hatte, daß sie von dem betreffenden Beamten auf eigene Faust erlassen worden war. Die Verordnung hätte 30 000 Juden ins Verderben gestürzt. Ihre Aufhebung dürfte die Demission einiger höherer Beamten in Czernowitz zur Folge haben. — Da in Siebenbürgen ähnliche Verordnungen erlassen sind, beabsichtigt die Bukarester Regierung, die Rechtslage durch eine Generalverfügung einheitlich zu regeln. Italien. Zionistischer Delegiertentag. Vom 17.—19. Oktober fand in Triest der erste zionistische Dele- "RauThallmafer München %ßaünßr(CrAÖ. mmeß wk