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Das jüdische Echo · 1920-07-30 · 30/31 (30.7.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
30/31 (30.7.1920)
Date
1920-07-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 30/31 30. Juli 1920 7. Jahrgang Umschau Der 1. Juli 1920 brachte Palästina die Ablösung der Militärherrschaft durch die Zivilverwaltung. Es muß auch in diesem Momente gesagt werden, daß die Willkür, die mit jedem soldatischen Regime verbunden ist, daß insbesondere die Unterbindung jeder persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit dem Aufbau des Landes sehr geschadet hat, und daß insbesondere die arabische nationalistische Bewegung nicht die Stärke und Aggressivität angenommen hätte, wenn bald nach dem Kriege produktives Schaffen hätte einsetzen und Händen und Köpfen Beschäftigung gewähren können. Jetzt ist das Unheil da und sicherlich schwerer wieder gut zu machen als heraufzubeschwören. Nachdem in Galiläa und Jerusalem die Gewehre knallten, wird geraume Zeit vergehen müssen, ehe jene Ruhe, jene arbeitsbereite Versöhnung aller Bevölkerungskreise eintritt, die das Land so nötig gebraucht. Sir Herbert Samuel, der neue Gouverneur, wird hier seine politische und menschliche Befähigung zu erweisen haben. Er wird vor allem nicht verfehlen, eine Ehrenpflicht zu erfüllen: noch sitzt Jabotinski *), der nichts verbrochen hat, als seine jüdischen Brüder zur Wehr gegen die Pogromhelden aufzufordern und fähiig zu machen, im Gefängnis. Die angekündigte Amnestie muß schleunigst durchgeführt werden. Der Zionist Sir Herbert Samuel wird gewiß nicht ruhen, ehe diese Schmach des jüdischen Volkes beseitigt ist. — Sir Herbert wird damit nicht am wenigsten seinem Auftraggeber England einen Dienst erweisen. Seine Ernennung bedeutete die erneute Zusicherung, daß die Balfourdeklaration durchgeführt, der Aufbau begonnen werden soll. Man wird die Energie Jabotinskis beim Werke nicht missen wollen. Man wird sich vor allen Dingen aber sagen müssen, daß nur dann wirklich die für den Aufbau nötige Ruhe im Lande herrschen kann, wenn die feste Organisation, der Mut und die Hingabe der jüdischen Bevölkerung im Lande alle Bemühungen der meist vom arabischen Großgrundbesitz besoldeten Hetzer aussichtslos erscheinen läßt. Es wird keinen geben, der wie Jabotinski befähigt wäre, den Jischuv mit dem Geiste der Entschlossenheit zu erfüllen, der die Voraussetzung gesicherter Arbeit und damit der Versöhnung mit der friedliebenden und arbeitsbereiten arabischen Bevölkerung sein wird. Eine solche Versöhnung zu erreichen, wird ein vornehmliches Ziel jüdischer Volkspolitik sein müssen. Sie wird um so eher eintreten, je mehr sich die Araber daran gewöhnen werden, daß Erez Jisroel wirklich jüdische Heimstätte, jüdisches Land werden wird. 300 000 produktiv tätige Juden bedeuten in praxi die jüdische Majorität im Lande — sie würden jeden Pogrom von vornherein aussichtslos und dadurch unwahrscheinlich machen, und die Fellachen würden wohl sehr bald den Nutzen, den ihnen die jüdische Arbeit bringen *) Jabotinski und seine Genossen wurden inzwischen in Freiheit gesetzt. wird, einsehea Die Hauptfrage ist also die Immigration. Leider ist bis heute nichts getan worden, um des gewaltigen jüdischen Wanderungsproblems irgendwie Herr zu werden. Nicht einmal für die Überführung geeigneter Elemente nach Palästina ist genügend Vorsorge getroffen. Es wird die Pflicht der zionistischen Jahreskonferenz in London sein, einen Emigrations- und Besiedlungsplan aufzustellen. Schlimme Versäumnis ist gutzumachen.— Eine gewaltige Aktion wird die Mittel zum Aufbau bereitstellen, eine gewaltigere wird möglichst viele für den Aufbau geeignete Menschen schaffen müssen, die den Massen die Wege zu ebnen, ihnen Führer und Erzieher zu sein haben, wahre Pioniere: Landwirte und Handwerker, Techniker und Ingenieure, Beamte, Arbeiter und Ärzte. Denn jetzt ist die Zeit der Entscheidung da. In seiner Rede auf der zionistischen Jahreskonferenz hat Weitzmann gesagt: „Wir haben auch keinen unbegrenzten (politischen) Kredit. Die Welt erwartet Ergebnisse, richtige, wirkliche Ergebnisse, in Kürze zu sehen. Ich sage nicht, daß man erwartet, daß wir in ein paar Monaten oder in ein paar Jahren aus Palästina ein jüdisches Land machen werden, aber wenn wir nicht zeigen können, daß wir den Willen und die Fähigkeit und die Mittel haben, das durchzuführen, zu dessen Durchführung wir das Recht beansprucht haben, dann könnte betreffs unserer Leistungsfähigkeit ein Zweifel entstehen, der für unsere weitere Arbeit ein schweres Hindernis bedeuten würde. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß die nächsten beiden Jahre die kritischen Jahre der nationalen Heimstätte sind, und daß wir danach, was wir in diesen beiden Jahren leisten, beurteilt werden können.“ Und weiter: „Die Verteidigung von Erez-Israel kostet 6 Millionen Pfund. Hätten wir diese 6 Millionen aufge bracht, hätten wir anders reden können.“ Also das Land braucht Menschen und Geld. Sie werden da sein, weil sie da sein müssen. Wir werden unsere Leitung nicht im Stich lassen, unsere Hoffnung auf eine neue Zukunft nicht aufgeben. Zionisten und Nichtzionisten werden bis an die Grenze ihrer Kraft leisten müssen. Das Vorrecht der Zionisten vor anderen Juden in Erez Israel kann sein, mehr zu tun als sie. Die Situation kennzeichnet sich in einem Worte: „Kein äußeres Hindernis hält uns davon ab, die Grundlage des Aufbauwerkes zu schaffen. Man erwartet von uns, daß wir es tun und gut tun!“ Die Zeit der Reden und der unfruchtbaren Begeisterung ist vorüber. Es wäre verhängnisvoll, müßte ein zionistischer Führer künftig noch einmal sagen: „Aber wir alle sollen uns klar sein, wir leiden darunter, daß San Remo uns zugefallen ist, und wir alle sind nicht vorbereitet dafür. Wenn San Remo im Judentum eine wirkliche messianische Begeisterung ausgelöst hätte, hätte es uns auch die Kräfte gebracht. Das Volk hat gefeiert und gejubelt und Versammlungen gemacht. Sie alle haben ja Versammlungen gemacht, und jetzt kommen Sie daher und sagen.

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