Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 42 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- Seite 510 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Das Jüdische Echo Nr. 42 stolz auf dich:, du Stolzer! Zu dir bin ich gekommen, meine Väter, meinen Stamm zu finden — woher kam ich. wer bin ich? Du Winkel meiner Heimat, auf deinen Fluren haben meine Ahnen gelustwandelt in ihrer glücklichen Brautzeit. Du hörtest die liebeerfüllten, bräutlichen Lieder meiner Mutter, diese Lieder von künftiger lebensvoller, lebenspendender Freude, Mein Berg, erzähle mir etwas davon! Du weißt ja so viel: Du hörtest das fröhliche Lachen meiner Eltern, den Freudenschrei ihres Schöpfungsglückes. Warum schweigst du. Berg? Ich Einsamer komme zu dir, verschlagen aus fremder Heimat, die mir zur Mutter ward, an deren Brust ich vertrauensselig mein Haupt gelehnt. Aus dieser fernen fremden Heimat komme ich jetzt nach langer Irrnis zu dir!.Warum schweigst du, Berg? Wen sucht dein stolzer Blick? Sieh mich an! Erkennst du mich nicht? Ich ent* stamme doch jenem Brautpaar, das unter deinen Zedern selig geruht.... Du kannst mir von ihnen Kunde geben, sie bezeugen; sieh’ — ich beuge mein Haupt vor dir, ich wasche meinen Leib, daß er würdig sei, deinen Boden zu berühren. Erzähle. Berg, bezeuge!... Hinter mir steht ein altes Juden weiblein, eine von denen, die nachts, so gut sie konnten, den Psalmensang der Männer begleitet haben. Erez- Israel zu Ehren hat sie ihre neue Sabbatjacke angezogen mit weißen Spitzen und Sammetbändern. So steht sie hinter mir, ein großes Gebetbuch in der Hand: „Sagt mir doch, ist er das. der Berg aus der Bibel?“ „Ja, er ist es, Mütterchen, der Berg aus der Bibel, der Libanon ...“ O, du Berg Libanon, du Berg der Bibel, auf, erhebe dich, auf, mühe dich vor Gottes Herrlichkeit für heute, Leah’s Tochter und für ihre lieben Kinder, die sie zurückließ in der Fremde und für alle, für das ganze Israel. Amen. Selah!... Auch die alten Juden haben sich zu Ehren des Libanon sabbatlich gekleidet; sie haben Talliß und Tefilin angelegt und, vom Morgenlicht umstrahlt, beten sie, zum wirklichen Erez-Israel gewendet, ihr Morgengebet im Angesicht des Libanon. „Tachath hahar haton haseh“ („hinter diesem guten Berg“) — sagt einer von ihnen und zeigt mit dem Finger auf den nahen Libanon.... Die Jungen, die Burschen aus Plonsk. einige Zionisten und ein paar Kaufleute, machen ihr Gepäck zurecht, um in Beyrut, der größten Handelsstadt Syriens, zu landen und von dort nach den galiläischen Kolonien zu reisen. „Wollt ihr denn nicht zuerst nach Jerusalem, die Klagemauer, Rahels Grab sehen?“ fragen verwundert die Alten. „Wir gehen nicht nach Jerusalem, um dort zu sterben, wir besuchen nicht die Gräber der Erzväter, wir gehen nach dem neuen Erez-Israel, um zu leben, um in den Kolonien zu arbeiten“ lautet die stolze Antwort der Jungen. „Wunderbar“ — murmelt versonnen die Alte hinter mir — „ein neues Erez-Israel...“ Die kleinen Hafenboote umschwärmen das Schiff, um die Landenden aufzunehmen. „Wenn ihr nach Jerusalem kommt, grüßt mir den Bezalel, nicht die alten Gräber und die verwitterte Klagemauer!“ — ruft noch rasch ein junger Bursche den Alten zu und springt, den Koffer auf der Schulter, ins Landungsboot. „Wen sollen wir grüßen? WOr ist denn das?“ „Den Bezalel und das Volkshaus, d i e grüßt..“ verhallt fröhlich-spöttisch die Stimme des Scheidenden. „Wer ist eigentlich Bezalel4“ — fragt der Alte. „Laß nur, laß ... das ist was von den Zionisten“ antwortet ihm ein anderer. In dem Winkel des Schiffes, wo die Bauern die Nacht verbrachten, hat der Pope seine Gemeinde um sich versammelt; alle sind zu Ehren des Libanon festlich geputzt; sie haben die Stiefel geschmiert. die roten Halstücher umgelegt und die verdrückten Sonntagsröcke aus den Bündeln hervorgeholt. Der Priester deutet auf den Berg; und alle Pilger beugen demütig das Haupt vor dem gewaltigen Libanon und machen andächtig das Kreuzeszeichen.... So begrüßt unser Schiff das heißersehnte Gestade von Erez-Israel. Gemeindenu. Vereins-Echo Jüdischer Kulturverein Bne Jehuda. Eröffnung der diesjährigen Wintersaison. Samstag, abends halb 8 Uhr, im Klubzimmer des Restaurant Domhof, Kaufingerstraße, kleine Simchas-Tojre-Unterhaltung. Daniel-Bund (Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums E. V.). 7. Ausweis für Münchener Spenden einschließlich der Beiträge für den jüdischen Kleingärtenfonds: Baruch Aß 10.—, Leopold Bissinger 10.—, Joachim Both 10.—, Frau M. E. 4.—, Mayer Engelf r wertheimerI : MÜNCHEN, Westenriederstr. 4/1 Telephonru! Nr. 23804 ■ ladet ein zur Besichtigung der Ausstellung von Werken der alten und modernen jüdischen Literatur (anläßlich der Palästinawoche) im Spiegelsaal des Hotel Bayerischer Hoi, Promenadeplatz Geöffnet: Sonntag von 11 — 10 Uhr : Dienstag und Donnerstag von 3—10 j'. ......