Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1919-09-19 · 38 (19.9.1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
38 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9072829-9102975-9140172--03036-9075856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten HiiiiiiimiiiiiNiiniiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiniiiiiiiiiJiimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiwiiiiiiiiiiiiimim mim.....mini.... Nummer 38 München / 6. Jahrgang 19. September 1919 An unsere Leser! Die erhöhten Herstellungskosten haben uns nach langem Zögern gezwungen, gleich den anderen Zeitschriften den AbOIHiemeiltSpreiS für „Das Jüdische Echo" zu erhöhen. Er beträgt nunmehr ab 1. Oktober ds. Js. Mk. 2.- im Quartal. Wir werden uns bemühen, diese Mehrbelastung unserer Leser dadurch auszugleichen, daß wir den Textteil unseres Blattes mehr als bisher möglich ausbauen und erweitern werden und hoffen, durch diese Maßnahme nur noch mehr Freunde und Leser zu gewinnen. Wer noch nicht abonniert oder sein Abonnement noch nicht erneuert hat, hole dies sofort nach. Verleg und Redaklon des „lOdischen Echo" MODCben, Herzog Maxslrafle 4. Der Münchener Stadtrat und die jüdische Kleingartenirage. Die ersten von der Stadtverwaltung vor etwa 9 Jahren in München gegründeten Miet- oder Familiengärten an der Rosenheimerstraße und in Moosach sind nach dem bewährten Schrebergärtensystem angelegt und stehen z. Z. in höchster Blüte. Eine dritte Mietgärtenanlage ist während des Krieges in der Westendstraße errichtet worden. Leider sind diese Gärten für Außenstehende wenig zugänglich, sodaß man sie oft mit den in der Stadt so stark verbreiteten gewöhnlichen Heimgärten verwechselt. Die Vorzüge der städtischen Mietgärtenanlagen gegenüber den anderen Heimgärten bestehen vor allem darin, daß sie von gelernten Fachgärtnern, die in der Anlage selbst wohnen, überwacht und zum Teil bedient werden. Diese verkaufen Setzlinge. Getränke usw. an die Pächter und gehen auf Grund ihrer Fachkenntnisse den ungelernten Gartenbesitzern mit Rat und Tat an die Hand. Ferner können in diesen städtischen Familiengärten auch Obstbäume angepflanzt und solidere Gartenhäuser errichtet werden, weil diese Gärten für die Dauer gepachtet werden, während die meisten anderen Heimgärten in der Stadt den Pächtern nur vorübergehend zur Verfügung gestellt werden. Die meisten Obst- und Gemüsegärten, wie auch die Gartenhäuser in den städtischen Anlagen sind. gemessen an dem Dilettantismus der Pächter, vielfach bewundernswert und können mitunter selbst bei gelernten Gärtnern Neid hervorrufen. Der überaus günstige Erfolg der städtischen Familiengärten regte zur weiteren Gründung solcher Anlagen an. wofür die Stadtverwaltung mehrere Grundstücke reserviert und Pläne entworfen hat. Diese sollen nun unverzüglich zur Ausführung gelangen, damit die neuanzulegenden Gärten schon im nächsten Frühiahr bezogen werden können. Der Stadtrat will damit außerdem noch eine Notstandsarbeit schaffen, um einer Anzahl Arbeitslosen Beschäftigung zu bieten. Der Daniel-Bund, der in der Gründung und Förderung jüdischer Kleingärten eine der wirksamsten Mittel für die. so nötige Umschichtung der Berufe der Juden erblickt, ersuchte die Münchener Stadtverwaltung um die Bereitstellung eines eigenen Terrains für eine Anzahl jüdischer Familien, die gemeinsam Heimgärten anlegen wollten. Das Mietgärten-Referat im Stadtrat will nun diesem Gesuch in weitestgehendem Maße entsprechen und ist bereit, je nach der Anzahl der jüdischen Teilnehmer an diesen Gärten, entweder ein ganzes Areal mit vollständiger Einrichtung und Bewachung für die Juden herzuTichten oder eine geschlossene Abteilung in einer neu zu gründenden Mietgärtenanlage den jüdischen Pächtern bereitzustellen. In beiden Fällen hätten die Gartenmieter nur 20 Mark für je 100 qm Pachtzins jährlich zu zahlen. Wir behalten uns vor. auf die Bedeutung der Kleingarten-Bewegung für die Juden im allgemeinen und für die zionistischen Bestrebungen im besonderen noch ausführlicher einzugehen. Zunächst verweisen wir auf die Ankündigung des Daniel-Bundes in diesem Blatte und wünschen von Herzen, daß sich recht viele Juden an diesem löblichen für die Erneuerung der Judenheit äußerst wichtigen Unternehmen beteiligen mögen. Die Zukunft der Kleingärtenkultur Wie immer nun sich die spätere Zukunft gestalten mag. die nächsten Jahre und Jahrzehnte bringen wohl sicher, nach dem unzweifelhaften Gesetze des Gegensatzes ein starkes Abflauen des unbeschränkten internationalen Güteraustausches und somit einen unerläßlichen Aufstieg der physiokratischen Triebfedern und Lehren, also der Höherwertung der Bodenbearbeitung und des „Inneren“ Marktes, bei entsprechender Abkehr von maßloser Bevorzugung des Industrialismus und des Welthandels. ..Selbstgewinnung des Nährbedarfs“ wird somit für absehbare Zeit im beträchtlichen Maße das Losungswort bleiben; damit müssen wir rechnen und danach müssen wir handeln. Eine neue Blüte der Landwirtschaft, die Mutter der höheren Gesittung, steht unmittelbar bevor. — Aus „Natur und Kultur“. Heft 32, Jahrgang 1917, von Leopold Schwarz. Obmann des Daniel-Bundes in Brünn (Verfasser der Schrift „Das Heil der Menschheit“).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.