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Das jüdische Echo · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dat Jüdisch# Echo wenn meine Schaufel auf einen Menschenleib geraten war’ . . . (Bewegung in dler Menge), man drängt sich an die Grube.) Der Vorsteher (eine messinggefaßte Brille aufsetzend, die er aus einer Seitentasche hervorgezogen hat): Was kann das sein? (Die Menge schweigt, einer sieht den anderen erschreckt an, gespannt auf etwas wartend. Plötzlich schießt aus der Grube ein Strahl Wasser hervor. Aufregung, eine lange Panse des Schweigens.) Einer aus der Menge (voll Schrecken): Die Erde will ihn nicht zu sich nehmen! Ein zweiter: Sogar die Hölle hat vor ihm die Tore zugesperrt! Ein dritter: Vater im Himmel! Wie groß müssen seine Sünden sein! (Die Menge rückt scheu vom Toten ab, die Frau im Schwarz bleibt allein zurück. Sie kniet vor der Bahre nieder und bedeckt ihr Gesicht mit dem schwarzem Tuch. Man läßt sie tun, was sie will, indem man ihr den Rücken kehrt. Eine lange Pause. Es wird Nacht. Da und dort hört man aus der Menge ein leises Flüstern. „Was wird: sein? Was wird sein?“) Der Vorsteher: Man soll um den Rabbi gehen! Die Totengräber: Man muß die Stadtlaterne bringen. Es wird finster. (Einige entfernen sich.) Einer aus der Menge: Was tut man? Der Vorsteher: Meine Meinung ist, man gräbt das Grab für ihn neben Reb Judel. Der ältere Totengräber: Neben Reb Judel heiligen Andenkens? Stimmen aus der Menge: Neben Reb Judel — für ihn? Der Vorsteher: Durch Reb Judels Verdienste wird er zu seinem Grab kommen. Neben Reb Judels Grab wird’s kein Wasser geben, und aus der Hölle können die bösen Geister nicht heraus, es sei denn, man müßte einen Gerechten durch die Hölle führen. Dann klammern sich die Sündigen an den Gerechten und durch sein Verdienst kommen sie aus der Hölle. . . . Stimmen aus der Menge: Und Reb Judels Ehre? Der Vorsteher: Reb Judel hat zu Lebzeiten wenig auf Ehrung gegeben — um wieviel weniger nach seinem Tod! Der ältere Totengräber: Ich will es nicht wagen, neben Reb Judels Grab zu schaufeln. (Legt die Schaufel weg.) Der jüngere: Ich auch nicht. Der Vorsteher (nimmt einen Gürtel um, geht zu einem niedrigen Stein, der in einem Winkel hinter einem Baum steht, und beginnt mit schaukelnden Bewegungen des Oberkörpers zu sprechen): Es weiß der, der da gesprochen hat: Es werde die Welt! daß wir nicht, um Reb Judels Ehre zu mindern, den Toten begraben wollen in seiner Nachbarschaft. Wir wollen erlösen die Seele des Unreinen durch die Hilfe eines Reinen .... (Er nimmt die Schaufel und beginnt zu graben. Pause des Schweigens.) Einer aus der Menge: Das ist Reb Judels Stein. Vierzig Jahre hat er bei Lebzeiten darauf gelegen in Verborgenheit und hat Thora gelernt. Ein zweiter: Ausgerieben ist der Stein worden von dem dürren Körper, der vierzig Jahre darauf gelegen hat. Ein dritter: Nach seinem Tode hat man ihm den Stein als Grabstein gestellt. Der erste: In der Nachbarschaft von Reb Jude! — wie kommt er zu dieser Ehre? Der zweite: Er muß irgend etwas Gutes getan haben, dafür bekommt er den Lohn auf dieser Welt. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu.Vereins-icho Hamburg. Kongreßpropagand a. Zum zweitenmal in kurzer Zeit hatte die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona zu Sonntag, dem 8. Dezember vormittags eine jüdische Volksversammlung ins Curio-Haus berufen, diie den Saal bis auf den letzten Platz füllte. Die „Hamburger Jüdischen Nachrichten“ hatten für diese Versammlung eine Sondernummer erscheinen lassen, welche die neuesten Depeschen über die Pogrome und die gegen dieselben in aller Welt erhobenen Proteste veröffentlichte. Mit einem solchen Protest begann auch die Versammlung, in der dann zunächst Herr Rechtsanwalt Dr. Victor über das Thema „Die Schicksalsstunde des deutschen Judentums“ sprach. Er führte aus, daß die ungeheure Umwälzung in Deutschland nicht spurlos an den inneren Verhältnissen der deutschen Juden vorübergehen dürfe. Das deutsche Judentum müsse sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und dazu sei eine grundlegende Umgestaltung der Verhältnisse in den Gemeinden und in den repräsentativen Organisationen notwendig. Fort mit den Notabelin! verlangte Dr. Victor unter dem Beifall der Versammlung und forderte für das gesamte jüdische Leben die breiteste demokratische Basis. Dem deutschen Judentum müsse auch Gelegenheit gegeben werden, seine Stellung zum jüdischen Volke selbst zu bestimmen und darum verlange der deutsche Zionismus einen Kongreß aller derjenigen Juden in Deutschland, die sich bewußt zum jüdischen Volke bekennen. Der zweite Redner, Herr C. Z. Klötzel, stellte fest, daß das deutsche Judentum jetzt vor eine Frage gestellt sei, die jeder einzelne nur mit einem glatten „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten habe: Ob er sich zum jüdischen Volke bekenne oder nicht. Dies sei die Schicksalsfrage. Die Antwort, welche die drei Verbände in ihrer Erklärung der „Jüdischen Deutschen“ auf diese Frage gegeben haben, könne keinen Anspruch darauf machen, die Antwort des deutschen Judentums zu sein, denn dieses sei von den Herren überhaupt nicht gefragt worden. Die richtige Antwort könne nur so erfolgen, daß jeder Einzelne in freier Selbstbestimmung sein Votum abgibt. Der Zionismus werde dieses Votum dadurch herbeizwingen, daß er die deutschen Juden aufrufen werde, zu einem Kongreß ihre Vertreter zu entsenden, der das Parlament derjenigen Juden in Deutschland werden soll, welche ihrem jüdischen Volkstum nicht entsagen wollen. In der darauffolgenden Aussprache vermieden es die Sprecher bestimmter orthodoxer Kreise ängstlich, auf die Frage dös Kongresses einzugehen. Zum erstenmal beteiligten sich erfreulicherweise auch einige ostjüdische Vertreter an der Aussprache, die ausnahmslos sich auf den Boden des Zionismus stellten. — Eine improvisierte Willensäußerung ergab mehrere 100 Stimmen für den Kongreß. Auch die Ortsgruppe gewann wieder zahlreiche neue Mitglieder. Mitteilungen der Kriegsverbindung im K..I.V. München: Die Chargenwahl für das W.S. 18/19 hat ergeben: med. Karl Leven *. med. Arthur Wagner **, S.W., K.W. ing. Alfred Berliner ***. F.M. Briefablage: Cafe Luitpold. Kneipe: Bayer-

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