Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9148119--02554-9075374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8 Das Jfldiseto Echo Nr. 1 rücksichtslos alles bekämen, was nicht durch dick und dünn mit ihnen geht, die Vertretung der Forderungen gemeinsam mit andern Organisationen für erstrebenswert erklärt. Die Forderungen selbst sind die bekannten zionistischen: 1. Palästina für die Juden. 2. Nationale Autonomie für Länder mit jüdischer Massenbevölkerung. 3. Allgemeine restlose Gleichberechtigung. Die Zionistische Ortsgruppe und die Nationaljüdischen Jugendvereine, die diese Forderungen am ausgeprägtesten stets vertreten haben, begegnen natürlich auch erhöhter Teilnahme und der zahlreiche Besuch, des von er st er er veranstalteten Vortragszyklus sowie die jeweils folgende lebhafte Diskussion zeigen das stets wachsende und rege Interesse der Nürnberger Juden für ihre eigenen Angelegenheiten. Auch der Jüdische Wanderbund, der Jüdische Turnverein und der neugegründete! Herzl-Klub beweisen durch ihr ständiges Wachsen und Blühen die Kraft der national-jüdischen Idee. Dr. K. Aus der jüdischen Weit Wilson über die rumänische Judenfrage. Der Verband der rumänischen Juden New Yorks richtete einen Appell an Wilson auf der Friedenskonferenz die jüdische Gleichberechtigung in Rumänien zu sichern. Wilson antwortete: Ich habe die Dringlichkeit der Frage, auf die Sie meine Aufmerksamkeit gelenkt haben, in Erwägung gezogen und ich werde auf der Friedenskonferenz sie ernstlich behandeln. Eine Weltkonferenz der Poale Zion. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet, daß das Bureau des jüdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion in Stockholm auf telegraphischem Wege sämtliche Landesorganisationen zu einer Weltkon'ferenz des Verbandes eingeladen hat. Die Delegierten sollen sofort gewählt werden. Ort und Zeit der Konferenz wird bestimmt, sobald die internationale Lage dies erlauben wird. Antisemitismus in Prag. Wie ein Telegramm des Jüdischen Nationalrates aus Wien meldet, veröffentlicht der Klub tschechoslowakischer Kaufleute in Prag einen Aufruf zur Verteidigung der nationalen wirtschaftlichen Interessen gegen Juden und Deutsche und warnt vor den aus Böhmen, Mähren und Wien zuziehenden unter tschechischer Firma auftretenden Juden und fordert zum Boykott gegen sie auf. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums bringt aus der von Moritz Manheimer begründeten Moses-Mendelssohn-Toleranz - Stiftung einmal in zwei Jahren eine Preisarbeit über ein Menchenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit behandelndes Thema zur Ausschreibung. Das zuletzt gestellte Thema lautete: „Moses Mendelssohn im Urteile seiner Zeitgenossen“, über das fünf Arbeiten eingegangen waren, von denen zwei mit dem ersten bezw. zweiten Preise (2000 und 1000 M.) gekrönt wurden. Die Verfasser sind: Dr. Ludwig Goldstein, Königsberg in Preußen, und Dr. Beate Berwin, Berlin. Eintritt von Juden in die Regierung Litauens. Nachdem die von den jüdischen Gruppen und der zionistischen Konferenz formulierten Bedingungen restlos anerkannt wurden, traten in die vorläufige litauische Regierung folgende Juden ein: Rechtsanwalt Rosenbaum als Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Dr. Rachmilewitsch als Unterstaatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe, Dr. Wygodski als Minister für jüdische Angelegenheiten. Am 10. Dezember abends fand ein feierlicher Empfang der jüdischen R/egierungstmitglieder im Tarybagebäude statt. Sie wurden durch den Präsidenten S m e t o n a unter allgemeinem Beifall feierlich begrüßt. Man erwartet demnächst den Eintritt von drei oder vier Juden in die Taryba. Auf dem Bankett, das am 12. Dezember zu Ehren des neuernannten Bischofs für Litauen stattfand, und das durch die Teilnahme der Vertreter der verschiedenen Nationalitäten zu einer bedeutsamen Demonstration für die Gleichberechtigung aller Nationalitäten Litauens wurde, sprach Dr. Rosenbaum. Der Bischof erwiderte in bedeutsamer Form. Feuilleton Der Sündige. Von Schalom Asch. (Fortsetzung.) Dfe Frau in S'chwarz (polnischi sprechend): Laßt mich ihn noch einmal ansehen! Der Vorsteher (von weitem, jüdisch sprechend): Man darf nicht! (Die Frau stellt sich wieder zu Häupten des Toten, schweigt.) Einer aus dem Volk: Wer ist sie? Ein zweiter: Sie ist mit ihm aus dem Ausland gekommen. Man weiß nicht: sein Weib, seine Geliebte, eine Jüdin oder eine Christin. Niemals im Bethaus gewesen und niemals, Gott bewahre, ins Frauenbad gegangen! Ein dritter: Sie wird sein Kadisch sein! Der Vorsteher (auf einen Platz hart neben dem Zaune weisend): Versuchet dort zu graben! Der ältere Totengräber (die Schaufel ergreifend): Neben dem Aufgehängten! Der jüngere: Schöne Nachbarn! (Folgt dem Alten, sie beginnen zu graben.) Einer aus der Menge: Große Ehre das für den Toten! Ein zweiter: So wie er’s verdient hat! Ein dritter: Er soll sich nur an seinen Namen erinnern, wenn der Engel des Gerichts ihn fragen wird, wie er heißt. Ein vierter: Polnisch wird er ihm antworten. Noch einer: Eine Sabbatzigarette wird er ihm anbieten. Ein anderer: Und dazu Hühner, in Butter gebacken. Ein alter Jude: Laßt ab, er ist doch so wie so tot! Stimmen aus der Menge: Sich lustig machen über einen Toten! (Die Menge wird still, nur da und dort hört man noch ein Tuscheln.) Der jüngere Totengräber: Meine Schaufel rutscht so weich in die Erde hinein, wie wenn’s gar keine Erde wär’! Der Ältere: Ich hab’ Furcht, daß . . . Der Jüngere (indem er das Graben einstellt): Ich will nicht weiter graben. Der Ältere (gleichfalls aufhiörend): Ich auch nicht. Der Vorsteher (aus der Ferne): Was ist los? Der jüngere Totengräber: Ich fühl’ so, wie