Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Das Jüdisch« Echo 377 schloß, demnächst eine besondere, dieser Organisation zu widmende Beratung einzuberufen Das Ergebnis des ersten Halbjahres 1918 dürfte nach dem oben Gesagten eine Million Franken bei weitem übersteigen. Palästina-Bazar London. Von der Nationalfonds-Kommission für West-London ist kürzlich mit großem Erfolge ein Palästina-Bazar veranstaltet worden. Mr. Herbert B ent wich, der Leiter des Ordens of Ancient Maccabeans, der das Präsidium des Bazars übernommen hatte, stellte das Parlamentsmitglied Sir James Boyten vor, dem die feierliche Eröffnung des Bazars zufiel. Herr Bentwich wies auf die Größe der Aufgabe des JNF hin, denn Land bildet die wichtigste Voraussetzung für wahres Volksleben. Bis jetzt flössen dem Nationalfonds vornehmlich kleine Spenden zu. Nunmehr ist die Zeit gekommen, wo viele Millionen erforderlich sind und darum auch die Opfer größer werden müssen. Der Nationalfonds beschränkt sich nicht mehr auf Zionisten allein. Alle Juden müssen ihm helfen, sein Ziel, die Erlösung des jüdischen Bodens in Palästina, zu verwirklichen. Sir James Boyten hielt darauf eine mit großem Beifall aufgenommene Rede und erklärte u. a„ er setze volles Vertrauen in den Erfolg der zionistischen Bewegung. Sie verdiene die volle Sympathie jedes freien Volkes. Palästina biete die besten Aussichten und er habe für die Juden, mit denen er seit vielen Jahren gesellschaftlich. geschäftlich und politisch in engen Beziehungen stehe, nur tiefe Bewunderung. Er freue sich bei jeder Gelegenheit, den Zionismus unterstützen zu können. — Der Bazar erfreute sich eines starken Besuches. Die orientalischen Kostüme und die hebräischen Gesänge wirkten anziehend auf das Publikum, und der Erfolg war in jeder Hinsicht befriedigend. Ts chlenow- Kolonie. Die Sammlungen zur Sicherung des Bodens für eine Kolonie auf den Namen des unvergeßlichen Dr. Tschlenow nehmen allmählich einen günstigen Verlauf in allen Ländern. In Österreich hat die Arbeitsgruppe der zionistischen Studentenschaft die Leitung der Aktion übernommen und es sich zur Aufgabe gemacht, eine Viertelmillion Kronen für die Tschlenow-Kolonie aufzubringen; sie hat im Laufe weniger Monate bereits 100 000 Kronen erzielt. Das Nationalfondsbureau für Amerika hat einen Aufruf erlassen, in dem zur baldigen Aufbringung des auf dieses Land entfallenden Anteils von 80 000 Dollar eindringlich aufgefordert wird. — Es ist zu erwarten, daß der notwendige Mindestbetrag für den Boden der Tschlenow-Kolonie innerhalb der festgesetzten Frist, bis Ende 1918, erreicht sein wird. Die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien. Wie man sich erinnert, sind beim Ausbruch des Krieges zwischen der Türkei und der Entente zehntausend palästinensiche Juden,, die sich nicht ottomanisieren wollten, nach Ägypten gegangen. Die meisten hatten in der Hoffnung, bald nach ihrer Heimat zurückkehren zu können, ihre Zelte in Kairo und Alexandrien aufgeschlagen. Die Palästinakommission betrachtet, wie das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet, als eine ihrer Hauptaufgaben, diese Flüchtlinge, die sich in Alexandrien aufhalten, wieder nach Hause zu befördern. Von den 5000 Flüchtlingen leben 1500 in 2 Baracken in „Shoma“, einem Warenhause am Hafen und „Gabbari“, einer früheren Quarantäne. Die anderen haben Arbeit gefunden und brauchen die Hilfe der Regierung nicht anzurufen. Auch nicht alle Flüchtlinge in den Baracken sind arbeitslos. Viele von ihnen gehen täglich in die Stadt arbeiten, während die Frauen und jungen Mädchen für die Armee arbeiten. Die Knaben lernen zimmern und liefern Liegestühle und Tische für das Rote Kreuz. In dieser Weise werden sie auch für ihr späteres Leben vorbereitet. Jedes Lager hat eine Synagoge, eine Schule, eine Badeanstalt. In Gabbari gibt es ein Spital für Kinder, eine Musteranstalt dieser Art. Die hygienischen Einrichtungen sind ausgezeichnet. Im Lager herrscht große Reinlichkeit. Man findet dort jüdische Typen aus allen Weltteilen: bucharische Juden, kaukasische, yemenitische, marokkanische, osteuropäische usw. Die Schulen, die von der Anglo Jewish Association erhalten werden, besuchen 600 Knaben und Mädchen. Die Unterrichtssprache ist hebräisch. Das Leben ist, soweit es nur möglich ist, in häuslicher Art eingerichtet. Alle leben in der Hoffnung, bald nach Palästina zurückkehren zu können. Ein sehr großer Teil ist bereits in die Heimat zurückgekehrt. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus de» melnden und Vereinen und von Personalnaohriohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllchst eingeladen.} Zur Rabbinerwahl in München. Von einem unserer Leser wird uns ein ihm zugegangenes Schreiben zur Verfügung gestellt, das wir — unter Weglassung der Namen der darin genannten Personen — zum Abdruck bringen: Sehr geehrter Herr! Wie Ihnen bekannt, steht die Wahl des Rabbiners für München bevor und ist es der Wunsch der überwiegenden! Mehrzahl der Gemeindemitglieder, daß dieselbe ohne Zersplitterung und ohne aufregende Agitation vor sich geht, aber auch Herr N. N. mit diesem Amt betraut wird. Wollen Sie gefl., da dies sicherlich in Ihrem Sinne ist, an die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde einige entsprechende Zeilen richten und sich bemühen, für N. N. zu werben, da zweifellos durch Ihre Mithilfe eine sehr große Zahl Unterschriften den Ausschlag geben werden. Die Vorzüge der Kandidatur N. N. zu schildern, ist Ihnen gegenüber überflüssig. Die gesammelten Unterschriften belieben Sie gefl. an Herrn X. X. zu senden. Hochachtend Das Komitee. Also ein Schreiber, der seinen Namen nicht nennt, wirbt im Namen eines gleichfalls nicht näher bezeichneten Komitees unter Ausschluß der Öffentlichkeit für einen bestimmten Kandidaten. Es handelt sich uns hier nicht nur um die Person dieses Kandidaten (wir ließen daher dessen Namen weg), sondern um die F o r m der Werbung. Diese Form der Werbung scheint uns politisch ungeeignet und liegt sicherlich auch nicht im Interesse des betr. Kandidaten selbst. Auch wir sind nicht für „aufregende Agitation“, noch mehr aber gegen eine Wahlmache, bei der der wahre Wille der Gemeinde unzulänglich zum Ausdruck kommt.