Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Das Jüdische Echo Nr. 32 Für das Palästina-Hillswerk. Der Betrag, der in den letzten Wochen in München für Palästina gesammelt wurde, hat vorläufig die Höhe von 20 000 Mark erreicht. Ein Ergebnis, das uns berechtigt, einen Augenblick stillzustehen und über das Erreichte nachzudenken! Wer da weiß, wie starke Anforderungen heutzutage an die Gebekraft jedes einzelnen Staatsbürgers gestellt werden, Anforderungen, die zur Stillung der ihn unmittelbar umgebenden Nöte des Landes, darin er lebt, der muß sich sagen, daß eine starke Kraft am Werke sein mußte, um Herzen und Hände so weit für ein Hilfswerk zu öffnen, das einem enfernten Lande und einer nie gesehenen Bevölkerung zu Gute kommen soll. Tatsächlich hat der Aufruf zur Spende für die notleidende Bevölkerung Palästinas die tiefsten Seiten der jüdischen Seele berührt. Unsterblich lebt in jedes Juden Herz die Liebe zum Lande der Volksheimat und von jeher hat sich' diese Liebe in Gaben für die palästinensischen Juden betätigt. Aber jenes Geben war doch anders als das heutige; jenes war eine vom Gesetz vorgeschriebene, fromme Pflicht, die man gehorsam befolgte, ohne Zögern, aber auch ohne besondren Enthusiasmus, ebenso wie viele andere Vorschriften. Und vor allem war es die ältere Generation, die dieser Pflicht folgte. Daß junge Juden und Jüdinnen in heller Begeisterung treppauf treppab gelaufen wären, um für die Brüder und Schwestern in Palästina zu sammeln, und mit ihrer freudigen Begeisterung die Herzen der älteren zu entzünden, hat man niemals gehört. Aber nun ist das geschehen, nun sind eine Anzahl jüdische junge Leute von Haus zu Haus gezogen, und die Freude an ihrem Tun hat die Herzen weit gemacht. Daß dies geschehen konnte, erklärt sich nur daraus, daß Palästina nicht mehr ein Land der Alten und Sterbenden, sondern daß es ein Jugendland, das Land derer geworden ist, die dem zerstreuten Volke einen neuen Konzentrationspunkt und dem erschlaffenden jüdischen Geist einen neuen Stimulus geben wollen. Nie war dieser Konzentrationspunkt und1 dieser Stimulus notwendiger als heute, da der Krieg die Hilflosigkeit unserer Lage rücksichtslos entschleiert und Hunderttausende von Juden äußerlich und innerlich entwurzelt über die Länder dahingestreut hat. Nie auch war die Hoffnung auf eine Rückkehr und ungestörte Entfaltung des Judentums in Palästina näher als heute, da die Augen aller Regierungen und Völker auf das Land an der Schwelle zweier Welten gerichtet sind! Diese Überzeugung und diese Zuversicht sind es, die unsere jungen Leute so freudig ans Werk des Sammelns gehen und die Älteren ihrem Appell so willig folgen ließen. Noch sind die Sammlungen nicht abgeschlossen, und es muß, trotz des befriedigenden Ergebnisses, immer wieder daran erinnert werden, daß die Jüdische Bevölkerung Nord-Palästinas Unsägliches leidet und auf die Dauer ihre furchtbaren Entbehrungen nicht ertragen kann, wenn nicht immer neue Mittel aus Europa die Nöte des Krieges lindern, wenn nicht besonders in diesem Augenblick der gerade in Konstantinopel weilende Vorsitzende der Damaszener Hilfskommission Di genhoff mit reichlichen Hilfsmitteln ausgestattet zurückkehrt, die nach Lage der Dinge in der Hauptsache aus Deutschland kommen müssen. Aus den anderen Ländern des Vierbunds ist jetzt nicht viel zu erwarten, zumal die Not der galizischen Juden die in Österreich-Ungarn vorhandenen Mittel zum größten Teil in Anspruch nimmt. Aus den Entente- Ländern kann naturgemäß keine Hilfe nach Nord- Palästina gelangen. Und an noch eines muß erinnert werden: wer da glaubt, sich mit einer im Verhältnis zu seinem Vermögen winzigen Geldspende oder mit einigen geopferten Stunden der Mühe von seiner Verpflichtung gegen Palästina auf lange Zeit hinaus losgekauft zu haben, der vergleiche sein eigenes Opfer mit dem, das die Männer und Frauen brachten, die ihr ganzes Gut und Blut nach Palästina trugen und dem Lande opferten. Der messe sein eigenes Werk an dem der Wächter und Arbeiter, die in Erez Israel fielen und von denen das Buch „J i s k o r“ Kunde bringt. Es ist ein stolzes und beglückendes Lied, dieses Lied von Arbeit und Opfertod, das in einer Zeit übermächtiger Not durch das „Jiskor“-Buch zu uns dringt. Möge es jüdische Männer und Frauen in Europa, möge es vor allem unsere Jugend zu immer neuer Tat für Erez Israel anspornen! Jiskor.*) Eines Tages ist das Wort „Palästina“ an unser Ohr geschlagen, und es war uns, als erwachten wir aus einem langen, grämlichen Schlaf. Palästina: nicht ein halb schon versunkener Begriff religiöser Träumereien? halb erstarrten Sehnens nach besseren Erdentagen? Sondern Palästina: ein Land wie andere Länder, voll Sonnenschein und rieselndem Tau, voll verkarsteter Erde und wogender Felder, voll Menschenschweiß und Menschenschicksal? Wir haben etwas in unserem Herzen sich lösen, in unserem Blute gären gefühlt. An vielen ist dieses Erwachen vorübergegangen wie ein kurzes Auffahren aus dem Traume, und nach einem Augenblick des Lauschens sind sie in ihren Schlummer zurückgefallen, haben Juden — Juden und Palästina — Palästina sein lassen. In andren hat sich ein Stachel festgesetzt: Palästina? ein jüdisches Palästina? ist denn so etwas möglich? werden die Juden denn bereit sein hinzugehen? und wenn sie gehen, werden sie sich in dem Lande zurechtfinden? ja ist es überhaupt berechtigt, so mir nichts dir nichts hinzugehen, ehe irgendein Zeichen und Wunder geschehen und ein Gebot zum Gehen ergangen ist? Ist es doch ausge- *) Jiskor, Ein Buch des Gedenkens an gefallene Wächter und Arbeiter im Lande Israel. Mit einem Geleitwort von Martin Buber. Jüdischer Verlag, Berlin 1918. s GireiUniflscliinen Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. Reinl)olö Sd)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Spndlingertorplatz). Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. r Stopif' SÖitftlsfiaffi amittdiett 2 6d)ttterftrafje 48 empfiehlt fämtltdje Strttket Sur #aars, SDlunb«, 3al)n* unb Krankenpflege, mebijtn. Sees nadj Kneipp, StärhungssPJeine unb Kräftigungsmittel, Perbanbftoffe, KagenfeDe, Sdjmämme, fonti« fämtl. Parfümerien. Profpekte umfonfi unb portofrei.