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Das jüdische Echo · 1918-04-05 · 14 (5.4.1918) · p. Seite 154

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
14 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 Das Jüdische Echo Nr. 14 Berichtigung. Die Abonnementsaufforderung in der vorigen Nummer dieses Blattes trug irrtümlicherweise die Unterschrift: „Redaktion und Verlag des Jüdischen Echos“. Die Redaktion legt Wert darauf, festzustellen, daß diese Aufforderung vom Verlag allein ausgegangen ist. Helene Hanna Cohn. Judenfrage und Friedenskongreß. Eine Kundgebung der holländischen Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei Hollands veranstaltete in Amsterdam eine öffentliche Volksversammlung zur Besprechung der Judenfrage. Der bekannte holländische Arbeiterführer Eduard Polak eröffnete die Versammlung. „Die Versicherung der kriegführenden Staaten“, erklärte er, „daß sie für die Unabhängigkeit der kleinen Nationen kämpfen, erschließt erfreuliche Perspektiven für das merkwürdige jüdische Volk.“ Mit herzlichen Worten begrüßte er den Leiter des jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes „Poalei-Zion“, Ing. S. Kaplansky, und las einen Brief vor, den T r o e 1 s t r a , der Führer der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands anläßlich der Versammlung an Kaplansky gerichtet hatte. „Esi scheint mir nur natürlich“, heißt es in diesem Schreiben, „daß in einer Zeit, wo die Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen einer der wichtigsten Punkte der Friedensverhandlungen geworden ist, auch die holländische Sozialdemokratie ihre Zustimmung bezeugt. Ich bin überzeugt, daß sie damit im Geiste der Internationale handelt. Seitdem wir in Stockholm an der Abfassung des Zentralberichtes des Holländisch-Skandinavischen Komitees zusammen arbeiteten, ist durch die Eroberung Palästinas und die Erklärungen der Regierungen der beiden kriegführenden Parteien die Erfüllung des zionistischen Ideals noch wahrscheinlicher geworden. Es ist von großer Bedeutung, daß der Zionismus sich selbst als einen Teil der großen sozialdemokratischen internationalen Bewegung erkennt, um ihn vor dem Verfall in reaktionären Sektanismus zu bewahren. Der sozialdemokratischen Bewegung, die wohl die Nationen und ihr Selbstbestimmungsrecht anerkennt, aber nur als die notwendigen Teile der gesamten Internationale. Ich weiß, daß Sie und Ihre Partei die Sache in diesem Sinn propagieren.“ Als erster ergriff das Mitglied des holländischskandinavischen Komitees, der Senator H. van Kol, das Wort. „Der Gegenstand,“ begann van Kol, „ist uns nicht neu. Er hat seit drei Jahrzehnten mein Interesse. Schon im Jahre 1891 sprachen ich und Troelstra über diesen Gegenstand. Wir wurden damals mißhandelt und von der Polizei verjagt. Heute sind die Verhältnisse ganz anders. Die Judenfrage hat im Laufe des Krieges große Fortschritte gemacht. Der. Krieg flößte dem nationalen Gedanken neue Kraft ein. Das Ergebnis dieses Krieges wird ein Staatenbund sein und der Sozialismus sieht mit Freude, daß die kleinen Nationen ihre Freiheit erhalten werden. Der historische Augenblick ist gekommen, der den Juden endlich Befreiung bringen wird.“ Der Redner bespricht dann die Forderungen der Juden. „Es gibt keine Nation, die wie die jüdische den Anspruch auf Selbstbestimmungsrecht erheben darf. Trotz 20 Jahrhunderte unerhörter Unterdrückung sind die Juden ihrer Nation treu geblieben.“ Der Redner schildert dann, wie lange es in den verschiedenen Ländern dauerte, bis die Juden emanzipiert wurden. 1696 erlangten sie das Bürgerrecht in Holland, 1849 in England und erst 1869 in Deutschland. In Rumänien werden die Juden noch immer wie Fremde behandelt, in Galizien werden sie wie Hunde gejagt und getreten. Unerträgliche Leiden brachte der Krieg den Juden in Polen, Galizien und Rußland. In Palästina vertrieb man die jüdische Bevölkerung und entwaffnete die friedlichen jüdischen Kolonisten. So werden die Juden überall unterdrückt. Die Legende des Ahasver ist noch heute Wirklichkeit. Der Redner bespricht dann die Haltung der verschiedenen Länder zur Judenfrage und betont, daß in Deutschland der Antisemitismus noch stark ist. Polen, das unsere Sympathie hatte, dessen Unabhängigkeit wir wünschen, Polen verdient seine" Unabhängigkeit nicht, wenn es den Juden nicht völlige Gleichheit und Freiheit gibt. Wenn in Rußland eine sozialdemokratische Partei die Herrschaft ausüben wird, dann wird die jüdische Rechtlosigkeit ihr Ende gefunden haben. Es ist unverzeihlich, daß Trotzki kein Wort für seine Stammesgenossen in Brest-Litowsk sprach. Die Ukraine hat die nationalen Rechte der Juden vollkommen anerkannt. England ging viel w^ter. Die Erklärung Balfours sichert den Juden eine freie Heimstätte in Palästina zu. England entsendet eine zionistische Kommission nach Palästina, um alle notwendigen Maßregeln zu treffen. Schon vor dem Krieg reichte England den Juden seine Hand und bot ihnen Uganda an. Lord Cecil wiederholte das Versprechen Balfours in Worten, die noch deutlicher waren. Armenien den Armeniern, Arabien den Arabern und Judäa den Juden- Die deutsche Regierung und Talaat Pascha haben doppelsinnige Erklärungen abgegeben. Die Judenfrage ist ein internationales Problem, dessen Lösung ein Interesse der ganzen Menschheit ist. Die Internationale wird ihre ganze Macht in die Wagschale werfen, um der jüdischen Rechtlosigkeit ein Ende zu bereiten. Tritt die internationale Sozialistenkonferenz endlich zusam- 'cftreiinnascliineii v 11 Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. Reinljolö 9d)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Sendlingertorplatz). Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. 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