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Das jüdische Echo · 1918-01-18 · 3 (18.1.1918) · p. Seite 25

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 25 Halt gemacht habe. Ich bin ja nur ein Gedankenstrich zwischen zwei Geschlechtern. Erst war ich der Sohn meines berühmten Vaters, und jetzt bin ich der Vater meines berühmten Sohnes.“ „Nun fängst Du mir auch an, bescheiden zu werden!“ sagte die Frau. „Ich werde, um dich wieder stolz auf dich zu machen, mir heute die teuersten Brillanten anlegen, die mir der Mitbegründer des Bankhauses Mendelssohn & Co., der Sohn des jahrelang hungernden Moses Mendelssohn, verehrt hat.“ Sie machte einen tiefen Hofknix vor dem schmunzelnden Gatten und zog aus einer zweifach verschlossenen Schatulle zwei funkelnde Ohrgehänge hervor, die ihr Abraham von seiner Reise nach den Niederlanden zur Silbernen Hochzeit mitgebracht hatte. „So! Und nun komm! Wir wollen vor dem Mittagessen noch ein wenig zu den Kindern hinuntergehen und uns an ihnen und an der Sonne wärmen!“ „Wer kommt heute zu Mittag?“ erkundigte sich Abraham: „Außer unserem Alexander von Humboldt, dessen Reiselust von den beständigen Beschreibungen seiner Fahrten, die er bei uns gemacht hat, wie mich oft dünken will, auf unseren Felix übergesprungen ist?“ „Reilstab wollte erscheinen; um Felix noch einmal vor seiner Abfahrt an den Rhein zu sehen, und der gelehrte Heyse, unser früherer Hauslehrer, aus dem gleichen Grunde, und Direktor Schadow, wie ich fürchte, auch aus keinem anderen Grunde. Unser Herr Sohn wird uns noch ganz überflüssig machen. Aber ich glaube — und du kannst ein dickes Haus darauf bauen, wie er gern sagt — dir wär trotz dieser Konkurrenz ebenso wenig wie mir an einem anderen weniger begabten Sohn statt seiner gelegen.“ Unter solchen Gesprächen wandelten sie herunter, indes die da unten im Garten auf eine möglichst absonderliche Art sie zu bewillkommen sannen. „Mit der Vorlesung des Kapitels: „Berliner Marmor mit glänzenden Flecken“ aus unseres angebeteten Jean Pauls Flegeljahren!“ meinte Rebecka. „Mit einem Zahlenrebus!“ schlug Dirichlet vor, der Familienzuwachs entgegensah. „Mit einem lebenden Bild, das wir stellen: „Die Erwartung“ oder etwas Ähnliches!“ rief Wilhelm Iiensel aus. „Mit einer Kantate!“ beschloß Fanny, die Melodische. „Noch besser! Mit einem Chorus,“ überstimmte Felix als Präsident für schechte Witze in der Leipziger Straße die anderen alle. Und zwar mit dem aus dem Messias: „Seht! Er kommt mit Ruhm gekrönt.“ Das ist zugleich eine hommage ä mon ami Haendel. Und ein jeder spielt dazu sein Lieblingsinstrument!“ Sie intonierten, mitgerissen von seiner Heiterkeit. Hensel markierte eine Posaune, Fanny zupfte an einer Phantasieharfe. Rebecka geigte in der Luft, Dirichlet, mehr Mathematiker als Musiker, schlug auf ein imaginäres Triangel, und Felix ließ das Thema mit phrygischer und äolischer Behandlung über eine ideale Orgel wie der Wind seine Weisen über die Fingalshöhle gleiten. „Man kann nie wissen, was kommt!“ sagte währenddem der alte Abraham dem Garten zuschreitend zum fünfhundertundeintausendsten Male zu seiner Frau. „Es gibt keinen Fortschritt in der Geschichte der Menschen. Zu Lessings Zeiten war das weniger nötig sich taufen zu lassen als heutzutage. Ein Krieg kann entstehen über Nacht. Und sofort wird es natürlich heißen: die Juden sind schuld daran. Darum war es kein Unrecht, daß wir unsere Kinder christlich erziehen ließen, Lea!“ Im selben Augenblick wurde er schmetternd von dem Charivari empfangen. Erdrückt und gerührt von dieser halb feierlichen, halb komischen Ehrung, die so ganz nach seinem und nach dem Sinn seiner Familie war, stützte er sich auf die Frau, die ihn führte: „Es ist zu schön, um ewig sein zu können.“ Gemeindenu.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.] Personalien. Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde verliehen: Dr. Arthur Kauffmann in Frankfurt a. M„ Soldat Nathan Katzenstein in Hamburg, Leutnant Fritz Heidenheimer in Mainz, k. Leutnant der Reserve Joseph Regensburger in Nürnberg, Gefreiter Joseph Wild in Nürnberg, Leutnant der Reserve Dr. Walter Jacobi in Erfurt, Bataillonsarzt Dr. Paul Löwenberg in Gülzow, Leutnant der Reserve Norbert Frank in Straßburg;i. Eis. und k. b. Leutnant der Reserve, isr. Volksschullehrer Jakob Krämer in Rockenhausen i. Pfalz. Der Privatdozent Dr. Ludwig Jacob wurde zum k. bayer. außerordentlichen Universitätsprofessor in Wiirzburg ernannt. Dem k. b. Konrektor des kgl. Technikums in Nürnberg Dr. Isak Bacharach wurde das kgl. Luitpoldkreuz für vierzigjährige Dienstzeit verliehen. Die Offizierstellvertreter Theodor Schlenker und August Kahn wurden zu k. b. Feldwebelleutnanten befördert. Der Oberleutnant Julius R u p p e 1 wurde zum k. b. Hauptmann der Reserve im Infanterie-Leibregiment befördert. Zu kgl. bayer. Leutnants der Reserve wurden ernannt die Vizefeldwebel Otto Bau m, Friedr. Kahn bei der Inf., Th. Fuchs, Ludwig Koch bei der Fuß-Art., Albert Erlanger in einem Landst.-Inf.-Regt., Kurt Landauer und Otto Kaufmann beim Train, Eugen Frank bei der Fuß-Art., Wilhelm Böhm, Fritz S t e i n 1 e in , Julius Holzer bei der Inf., Gabriel Höfling, Karl Bachmann und Otto Weiler bei der Feld-Art., Fritz Wolf beim Train, Adolf Erlanger (Nürnberg) und Hugo Fuchs (Wiirzburg) bei der Inf., Otto Braun, Jos. Katzen- FBEY& Erledigung aller ins Bankfach einschlägigen Geschäfte Bankgeschäft München, Residenzstraße 3 (Eingang Hofgraben) Tel. 27946

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