Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Das Jüdische Echo Nr. 3 A. Sulzbach: Bilder aus der jüdischen Vergangenheit. Frankfurt a. M. 1914. J. Kauffmann. Lwd. M. 4.30, filbfrz. M. 5.30. Das vor kurzem erschienene Buch führt uns in 49 meist recht kurzen Abschnitten durch die jüdische Geschichte von der Einnahme Jerusalems durch Alexander den Großen bis zu Moses Mendelssohn. Und das ist ein Fehler in der Anlage, der manchen, der sich mit Begier auf diese so erfreuliche Neuerscheinung auf dem sonst an Erfreulichem armen Gebiete der jüdischen Geschichtsschreibung stürzte, enttäuschte. Der gelehrte Verfasser gibt in der Vorrede zweierlei als Zweck der Veröffentlichung an: „helfend dem Lehrer zur Seite zu stehen, aber auch weiteren Kreisen, die ein Interesse für die Persönlichkeiten und die Geschehnisse unserer iüdischen Vergangenheit haben, eine anregende Lektüre zu bieten". Diese doppelte Aufgabe ist so wichtig und dankbar, daß wir umsomehr bedauern müssen, daß sich der Verfasser durch den beschränkten Umfang des Buches die Erfüllung seiner Aufgabe so erschwert hat. Denn mit 49 kleinen Berichten ist der Stoff zweier Jahrtausende noch nicht einmal im Überblick darzustellen. So dürfte der Lehrer für die meisten Stunden vergeblich „Hilfe" in diesem Buche suchen, und die „weiteren Kreise" werden das Buch mit der Enttäuschung aus der Hand legen, die dem Hungernden eine unzureichende Mahlzeit bereitet. Auf zweierlei Weise hätte der Verfasser dieser bei ieder Anthologie vorhandenen Gefahr entgehen können: indem er entweder den Umfang des Buches bedeutend .vermehrt oder das Stoffgebiet verringert hätte. Über die Auswahl der veröffentlichten Stücke im einzelnen darf man mit einem wissenschaftlich und pädagogisch so erfahrenem Manne, wie der Verfasser es ist, nicht rechten. Entscheidend für die Auswahl war natürlich seine persönliche Auffassung darüber, was aus den Ouellen der jüdischen Geschichte wirklich wichtig ist, und dem meisten wird man nur den wärmsten Beifall zollen können. Zugleich scheint er aber eine besondere Vorliebe für das Episoden- und Anekdotenhafte zu haben, und es ist bedauerlich, daß so der an sich schon so knappe Raum durch Veröffentlichung von Stücken noch weiter verengt wurde, denen wirkliche Beachtung innerhalb der jüdischen Geschichte auch nach Ansicht des Verfassers nicht zukommen kann. Dagegen fehlt uns manches Stück, das seiner Bedeutung wegen, wohl in die Sammlung gehört hätte. Wir hätten zum Beispiel die Judenordnung des lateranischen Konzils von 1215 gern darin gesehen. Auch fehlen das preußische Judenedikt von 1812, sowie die die Juden betreffenden Anordnungen Napoleons. Überhaupt hätte eine stärkere Betonung der Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte aus dem Buche ein Hilfsmittel zur Pflege einer jüdischen „Bürgerkunde" machen können. Während gerade die Erziehung zum Staatsbürger durch Belehrung über Verfassungs¬ und Wirtschaftsfragen von den deutschen Schulbehörden meist in weitgehendem Maße gepflegt wird, begegnet man selbst in gebildeten iüdischen Kreisen völliger Ahnungslosigkeit in den einschlägigen Fragen der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Mißstände, die hieraus erwachsen, sind jedem bekannt, der mit dem jüdischen Leben in Berührung steht. Das Judentum wird von einer großen Mehrheit der deutschen Juden schon heute nur noch an einem oder zwei Tagen im Jahr in der Synagoge gepflegt. Jüdische „Bürgerkunde" pflegen heißt das Judentum wieder stärker in Verbindung mit dem täglichen Leben bringen. Und daran fehlt's uns heute. Wenn das vorliegende Buch durch die stärkere Betonung des Verfassungsgeschichtlichen mehr in dieser Richtung wirken könnte, wäre dies sehr zu begrüßen gewesen. Die Mängel des Buches hätten teilweise behoben werden können durch geeignete Quellennachweise und Literaturzusammenstellungen. Gesetzt den Fall, es gelingt dem Buch das Interesse für die jüdische Vergangenheit zu beleben, so wäre durch geeignete Hinweise dem Adepten die Weiterführung seiner Studien sehr erleichtert und Gelegenheit gegeben gewesen, da weiterzuforschen, wo die Anthologie notwendig versagt. Leider finden sich nur bei einzelnen Abschnitten . einigermaßen ausreichende Hinweise bibliographischer oder biographischer Art. In den Blättern der Geschichte zu lesen, ist für jedermann Genuß und Gewinn. Und daß das vorliegende Buch des Interessanten viel bietet, möge der Abschnitt erweisen, den wir im Feuilleton der letzten Nummer als Beleg veröffentlichten. Eben weil wir feststellen mußten, daß das Buch durch andere Behandlung des Stoffes noch wertvoller und interessanter hätte werden können, hieße es undankbar sein, seine Vorzüge zu verschweigen. Gerade die, wie wir meinten, gar zu sehr vom literarischen Standpunkt getroffene Auswahl — macht es zu einem Buch, das allgemeinem Interesse begegnen wird und jedem, der es in die Hand nimmL eine Fülle von Anregung und Unterhaltung bietet. Dr. R a p h a e 1 S t r a u s. Moses Rath: Uötf ns&> Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht. 2. verbesserte Auflage. Selbstverlag (Wien, I. Rotenturmstr. 17/18). Preis 4 Mk. Der große Aufschwung, den das Studium der hebräischen Sprache in den letzten Jahren genommen hat, stellte die Kenner und Freunde des Hebräischen vor ein Problem, von dessen Lösung das weitere Gedeihen und die weitere Verbreitung dieser Renaissance der hebräischen Sprache abhing. Es galt nämlich, möglichst rasch ein gutes, praktisches Lehrbuch herzustellen, das imstande wäre, auch des Hebräischen ganz Unkundige in verhältnismäßig kurzer Zeit und auf leichte Weise in die Geheimnisse der „Sprache unserer Vät e r" einzuführen und ihnen die für an europäische Sprachen Gewöhnte nicht unerheblichen Schwierigkeiten zu beheben. Diesem Bestreben verdanken wir eine Reihe von Versuchen, die aber trotz der angewendeten, redlichen Mühe dem gewünschten Ziele nicht näher kamen. Nach wie vor blieb ein praktisches Lehrbuch der hebräischen Sprache ein pium desideratum. Nun liegt uns ein neuer Versuch eines Lehrbuches vor, dessen Verfasser durch seine langjährige pädagogische Praxis im hebräischen Sprachunterricht als Leiter einer hebräischen Schule in Krakau sich wohl die nötigen Erfahrungen und praktischen Kenntnisse erworben hat, die ihn berechtigen, mit einem derartigen Unternehmen vor die Öffentlichkeit zu treten. Das Buch, in seiner äußeren Ausstattung ziemlich handlich, zerfällt in zwei Teile. Der erste, hebräische, hauptsächlich für den Schulgebrauch berechnet, macht den Anfänger in einfachen Sätzen und Fragen mit den häufigsten Ausdrücken bekannt und führt ihn durch in Tabellen leicht übersichtlich gemachte Zusammenstellungen in den Geist der Sprache ein. Kleine Proben aus der