Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Das Jüdische Echo Nr. 2 Wette nimmermehr würde eingelassen haben, wenn er nicht geglaubt hätte, daß es niemals zur Erfüllung kommen würde". Sixtus ließ den Gouverneur nicht völlig ausreden, sondern fing an: „Ei, was für Glauben kann man solchen Versicherungen beimessen, welche erst in unserer und des Richters Gegenwart geschehen und folglich von der Furcht vor der Gerechtigkeit ausgepreßt sind? Man führe sie beide zu Galgen und verurteile sie zu Tode; hernach wollen wir schon befehlen, was weiter mit ihnen soll vorgenommen werden." Es ward also beiden das Leben abgesprochen und das Urteil gewöhnlichermaßen publiziert. Wie wohl sich kein Mensch erkühnte, diese Tendenz unbillig zu nennen, so geriet doch jedermann in nicht geringe Bestürzung deshalben. Denn Secchi hatte sehr vornehme und reiche Verwandte, und der Jude war einer der ansehnlichsten ihrer Synagoge, dergestalt, daß von beiden Seiten sehr viele Memoriale und Bitten bei dem Kardinal Montalto einliefen, daß er doch zum Wenigsten Lebensgnade für sie auswirken möchte. Nun war es in der Tat keineswegs des Papstes Ernst, sie hinrichten zu lassen, sondern er wollte nur die anderen mehr schrecken, daß sie hinfüro in dergleichen Fällen etwas vorsichtiger gehen lernten, und dannenhero ließ er sich leichtlich überreden, den beiden Verbrechern anstatt der Todesstrafe die Galeeren zuzuerkennen. Er erbot sich aber, auch dieses letztes zu erlassen, wenn es ein jeder mit zweitausend Scudi erkaufte, welches Geld zu dem neuangefangenen Bau des Hospitals di Ponte Sisto sollte angewendet werden. Jedoch durften sie sich auf seinen ausdrücklichen Befehl vermittelst dieser Summe nicht eher losmachen, als bis man ihnen die Ketten schon an die Füße gelegt. Auf solche Art erlangten sie ihre Freiheit und dieses war das erstemal, daß Sixtus ein schon ausgesprochenes Urteil linderte und den Verbrechern Gnade erteilte. Diese von Schudt in seinen „Jüdischen Denkwürdigkeiten" wiedergegebene Shylok-Affäre ist die ursprüngliche und daher richtige Darstellung, und sei sie auch nur als eine Legende anzusprechen. Literarisches Echo Aus engen Gassen von Salomon Dembitz e r, deutsch von Stefania Goldenring ist in der Verlagsbuchhandlung von C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin, erschienen. In kleinen, aber scharfumrissenen Bildern läßt der Verfasser das Ghettoleben an uns vorüberziehen. Das Ghetto im galizischen Städtchen, in der Stadt K.. in Berlin und im diamantenen Antwerpen. Wir gewinnen Einblick in das äußerlich armselige Dasein und doch so reiche Innenleben des galizianischen Hausierers, wie in das luxuriöse aber hohle Treiben der jüdischen Parvenüs, des Antwerpener Diamantenhändlers. Dann aber kommen die furchtbaren Stunden des Bekanntwerdens der Kriegserklärungen in Antwerpen im August 1914. Arme und Reiche sind plötzlich durch das Unglück wlieder gleich geworden. Ihren Besitz müssen sie im Stich lassen und ins Ungewisse führt sie der überfüllte Zug. Nun können sie alle wieder von vorne beginnen: Das Käst'l trogt er in der Hand Un geht von Stäb zu Stüb. Das Ponim is ihm eingefalln, Die Oigen senen trüb. A. L. Gedichte Hugo Zuckermanns. Im Verlage R. Löwit, Wien, ist eine Sammlung nachgelassener Gedichte Hugo Zuckermanns erschienen. In geschmackvoller Ausführung werden uns die besten der zahlreichen Schöpfungen des jungen Lyrikers zusammengestellt. In einem kurzen Vorwort läßt Otto Abeles das Leben Zuckermanns an uns vorüberziehen. Wir verfolgen die Entwicklung des geschmähten, von Gleichaltrigen zurückgesetzten Judenjungen zum freien stolzen Nationaljuden, dem die trüben ehrkränkenden Jugendjahre das mächtige Sehnen erweckt hatten, der Welt und vor allem seinem Volke zu zeigen, was jüdischer Lebenswille und jüdischer Freiheitsdrang vermag. Mit ganzer Kraft setzte er sich für die Herzl'schen Ideen ein und trotz seines eifrigen beruflichen Studiums, das schließlich durch eine Praxis als Rechtsanwalt in Meran gekrönt wurde, widmete er seine Zeit der jüdischen Sache. Jüdische Jugenderziehung, der Studentenverein Theodor Herzl, die Jugendzeitschrift „Unsere Hoffnung", Jungjüdische Abende zeugen von seinem Eifer. Und als bleibende Beweise seiner treuen jüdischen Gesinnung ließ er uns seine Gedichte. Es ist nicht recht, Hugo Zuckermann mit Perez and Schalom Asch zu vergleichen. Dadurch würde man ihn bloßstellen. Er war keiner von den Großen. Aber eine erhebende Stunde verschaffen uns seine Gedichte immer, und sie geben uns das stolze Bewußtsein: Solche prächtige jüdische Männer lebten in unseren Tagen. Der Heldentod hat ihn uns entrissen. Und wohl gerade deshalb sind seine Kriegslieder, von denen das Reiterlied das am häufigsten komponierte unserer gesamten Kriegslyrik ist, so ergreifend. Sie sind mit Blut geschrieben, und sie werden mit dem Kriege nicht vergessen werden. Uns Juden im besonderen aber sind sie ein Denkmal an diese große Zeit, in der auch die Unseren sangen und stritten, so daß aller Augen für Momente auf uns gerichtet waren. Und das danken wir, wie wenigen, Hugo Zuckermann. A. L. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien: Anläßlich seines 71. Geburtsfestes stiftete S. M. König Ludwig III. von Bayern einen neuen hohen Orden, der zum erstenmal am 6. Januar 1916 verliehen wurde. Unter den damit Ausgezeichneten befinden sich nachstehende Juden: Das „König Ludwig-Kreuz" wurde verliehen: Dem Öberrabbiner Dr. C. Werner in München, dem 1. Vorstand der israel. Kultusgemeinde k. Justizrat Abraham Ofner in München, dem k. Oberlandesgerichtsrat Dr. Wilhelm Silberschmidt in Zweibrücken, dem k. Amtsrichter Sigmund Rindskopf in Nürnberg, Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Kitzinger II. in München, Rechtsanwalt Dr. Fritz Buchmann in Regensburg, Syndikus der Handelskammer Justizrat Julius Kahn in München, k. Handelsrichter Julius Meyer in München, k. Kommerzienrat Sigmund Fränkel in München, Direktor Alfons Landauer in München. Direktor der Hausmullverwertung A.-G. Julius Einhorn in Puchheim, Gemeindebevollmächtigter Karl Ullrnann in München, Kommerzienrat Hermann Niedermeier in München, Privatgelehrter Max Frankenburger, k. Kommerzienrat Josef Schülein, Di-