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Das jüdische Echo · 1915-01-15 · 2 (15.1.1915) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
2 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 11 r^h^^^t^temmmi Was seine jüdischen Gedichte nur in kleinerem Kreise vermochten, das „Österreichische R e i t e r 1 i e d" machte ihn mit einem Male überall, wo man sich der deutschen Sprache bedient, berühmt. Bald nach Kriegsbeginn erschien es in „Danzers österreichischer Armeezeitung" und trat dann seine Wanderung durch die meisten Blätter des In- und Auslandes an, fand seine sieben Komponisten und wurde zu einem der beliebtesten Kriegslieder. Das Gedicht ist merkwürdigerweise schon im Jahre 1913 entstanden, zu einer Zeit, als eigentlich niemand an den so nahen Ausbruch des Krieges dachte. Ahnte ihn Zuckermann, ahnte er sein Schicksal voraus? Drüben am Wiesenrand Hocken zwei Dohlen — Fall ich am Donaustrand? Sterb' ich in Polen? Was liegt daran? Eh' sie meine Seele holen, Kämpf ich als Reitersmann. Drüben am Ackerrain Schreien zwei Raben — Werd' ich der erste sein, Den sie begraben? Was ist dabei? Viel hunderttausend traben In öst'reichs Reiterei. Drüben im Abendrot Fliegen zwei Krähen — Wann kommt der Schnitter Tod, Um uns zu mähen? Es ist nicht schad'! Seh' ich nur unsere Fahnen wehen Auf Beigerad! Dem Verfasser des Gedichtes sandte vor kurzem der Gouverneur von T h o r n , Generalleutnant Dr. v. Dickhuth, folgenden Brief: Sehr verehrter Herr Kamerad! Lassen Sie mich Ihnen herzlich die Hand drücken für Ihr herrliches Reiterlied . . . Das ist echte Kriegspoesie. Ihre Verse werden Tausende Reiterherzen höher schlagen lassen und fortreißen zu unsterblichen Taten. Ich kann gar nicht sagen, wie Ihre Worte mich gepackt haben. Wie wundervoll haben Sie Ton und Klang der alten Landsknechtlieder getroffen. Der Krieg läßt die Soldatenlieder hervorsprießen wie wilde Blumen. Die meisten wird der Wind bald verwehen, aber .Ihr Lied wird bleiben und wird Ihnen zu dem Siegeskranze auch den Lorbeer des Dichters um die Schläfe winden. Gott sei mit Ihnen und führe Sie gnädig wieder heim..... Es sollte nicht sein. * * * Hugo Zuckermann war stets von ganzem Herzen Soldat, von ganzem Herzen Österreicher und einer der besten in der Jugendschar gewesen, die sich um die Fahne Theodor Herzls gesammelt hatte. Jeder nationalen Phrase abhold, begriff er, was der Zionismus von seinen Anhängern heischt: nachzuholen, was Haus, Schule, Gemeinde vernachlässigt, aus dem Nachwuchs nicht nur Juden von blasser Erinnerung, sondern Juden jüdischen Wissens und Wesens zu machen. Er arbeitete viel an sich und wandte seinen Blick dorthin, wo noch ein volkstümliches, starkes Judentum zu finden ist, nach dem Osten. Er verkehrte gern mit Ostjuden jeglichen Standes als einer der Generation, der die Erkenntnis des Ostjudentums zum Erlebnis ward und deren sehnlicher Wunsch es war, die Kluft zwischen Ost und West zu überbrücken. Durch seine zahlreichen, durch feine Einfühlung und Gewandtheit sprachlichen Ausdrucks ausgezeichneten Übersetzungen in Vers und Prosa trug er in einer Zeit, wo die Jargonliteratur im Westen noch sehr unbekannt war, wesentlich zum Verständnis ostjüdischen Lebens bei. Wir sahen uns zum erstenmal auf einer großen Makkabäerfeier in Wien, bei der Zuckermann bezeichnenderweise — es war schon nach seiner militärischen Dienstzeit — in Uniform als Galastaat erschien, und begegneten uns kurz darauf wieder in einem engen Hause der Leopoldstadt, wo Israel Beikind mit einer Anzahl Kischenewer Kinder, die durch die Pogrome elternlos geworden waren, auf der Reise nach Palästina begriffen, Halt gemacht hatte. Und ich erinnere mich noch so deutlich, als ob es erst vor einigen Tagen gewesen wäre, wie sich Zuckermann mit den unschuldig-heiteren, ihres Unglücks kaum bewußten Kindern zu befreunden verstand! Kein Wunder! In seinem Herzen war er immer selbst ein reines Kind geblieben. Zum Manne herangereift, verlor er nichts davon. An seinen leuchtenden Augen, der Art, wie er sich zu freuen, einer begeisterten Stimmung hinzugeben wußte, war es zu ersehen. Hat die jähe Erkenntnis, die der Zionismus mit seiner unbarmherzigen Kritik der jüdischen Gegenwart verschaffte, auch in manchen jungen Gemütern einen frühzeitigen, bitteren Ernst erzeugt, der sie den ihrem Alter angepaßten Freuden entfremdete, so gehörte Zuckermann zu denen, deren harmonische Ausbildung durch das Glück, im Zionismus die Erlösung aus zerreißendem Zwiespalt erfahren zu haben, vollendet wurde. Seiner einheitlichen Persönlichkeit verdankte er die Beliebtheit, deren er sich allenthalben erfreuen durfte. Er konnte in Gesellschaft ebenso aufgeräumt und vergnügt sein wie schweigsam oder stumm mit schmalen dunklen Augen, innerlich beschäftigt, auf den tieferen Sinn der Reden und des Treibens der Runde lauschen. Er mochte zum Gesang jüdischer Lieder ermuntern, den Anwesenden seine bezwingenden humoristischen Gedichte — mit deren einem er einmal den von Theodor Herzl im jüdischen Witzblatt „Schlemiel" ausgesetzten Preis gewann — zum Besten geben oder seine neuesten feierlichen Verse vortragen, wo immer er sich zeigte, teilte er von seiner Ruhe, Heiterkeit, Zufriedenheit, Begeisterungsfähigkeit den anderen mit und verbreitete sich das Licht seines Daseins. Seine angeborene Liebenswürdigkeit stellte ihn in die Reihe der Menschen, die man lieben muß, die nirgends Feinde besitzen. Seine Loyalität, seine Gewissenhaftigkeit in prinzipiellen und politischen Fragen, litt es nicht, daß der Gegenstand der Besprechung durch Einbeziehung persönlicher Motive verunglimpft und verzerrt worden wäre. Deshalb wurde er auch während seiner Studienzeit zu einem Führer der jüdisch-nationalen Studentenschaft, ohne sich irgendwie darum bemüht zu haben. Galt es die Vertretung und Behauptung der Rechte der jüdischen Studenten als akademischer Bürger, so zählte Zuckermann zu denjenigen, die sich vor den Drohungen der deutsch-

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