Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XIV (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 338)
- Language
- German
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IL Die Hebräische Universität. Die Hebräische Universität auf dem Skopusberge in Jerusalem wurde am 1. April 1925 von Lord Balfour eröffnet. Die Eröffnungsfeier, die unter dem Vorsitz Dr. Weizmanns stattfand, gestaltete sich zu einer einzigartigsten Sympathiekundgebung der gesamten zivilisierten Welt, nicht nur für die Universität, sondern für das gesamte jüdische Aufbauwerk in Palästina. Eine große Versammlung, die außer Vertretern der Regierungen Europas und Amerikas, wie vieler berühmter Universitäten und gelehrter Körperschaften und eine Reihe führender Männer der Wissenschaft umfaßte, hatte sich in Jerusalem zusammengefunden, um der Universität des neuen Palästina und dem Ideal der geistigen Wiedergeburt des jüdischen Volkes, dessen Verkörperung sie darstellt, ihre Huldigung darzubringen. Die Feierlichkeiten sowohl bei der Eröffnungszeremonie als auch während der an den darauf folgenden Tagen abgehaltenen akademischen Festlichkeiten verliefen in würdiger Form und hinterließen einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Auch außerhalb Palästinas machte das Ereignis einen tiefen Eindruck auf die öffentliche Meinung der Kulturweit, und es darf wohl behauptet werden, daß die zionistischen Bestrebungen nie vorher eine so warme Würdigung in der Presse und in den Aeußerungen der verantwortlichen Führer der öffentlichen Meinung gefunden haben, als es bei dieser Gelegenheit der Fall war. Angesichts der Tatsache, daß die Universität zunächst nur mit einer beschränkten Zahl von Forschungsinstituten eröffnet wurde, ist es recht erfreulich, daß die Intentionen, die dem von dem Universitäts- Komitee verfolgten Plane zugrunde liegen, allseitige Billigung in der wissenschaftlichen Welt gefunden haben. Man ging bei der Festlegung dieses Planes von der Ueberzeugung aus, daß, ehe man an den Aufbau einer Lebr-Universität großen Stiles herantreten könne, zunächst die Materie des zu lehrenden Wissenschaftsstoffes unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse des Landes und seiner Bewohner sowie der besonderen Aufgaben einer hebräischen Universität methodisch erarbeitet werden müßte, daß andererseits auch nur im Rahmen dieser Forschungsarbeit die geeigneten Kräfte für den zukünftigen Lehrkörper herangebildet werden könnten. Es waren nicht nur äußere Erwägungen der Sparsamkeit, die zu dieser Beschränkung mahnten. Die Gefahr neuer Universitäten in Ländern wie Palästina, denen die Tradition wissenschaftlicher Forschung fehlt, liegt in der Unterschätzung der Qualität zu Gunsten der Quantität. Man neigt dazu, die Aufgabe der Universität ausschließlich in der Berufsschulung und Fachausbildung zu sehen, und untergräbt damit von vornherein jegliche Möglichkeit einer höheren Geistes- und Charakterbildung. Für die Universität Jerusalem wäre eine solche Entwicklung von verhängnisvoller Wirkung. Ihre Aufgabe soll es vielmehr sein, durch ernste Forschungsarbeit einen hohen Standard wissenschaftlicher Forschung in Palästina zu schaffen, insbesondere durch Konzentration auf die mit der Entwicklung des Landes verbundenen Probleme und auf die geistige Durchdringung des überlieferten jüdischen Kulturgutes einen lebendigen Kontakt mit dem neuen jüdischen Leben in Palästina einerseits und den 329