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Das jüdische Blatt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das jüdische Matt. Nr. 24 von Verakrut in Amerika zu bombardieren begann, erfuhren wir auch, daß vier amerikanische junge Leute bei diesem Sturme ihr Leben ließen. Aber bloß drei dieser auf dem Felde der Ehre Gefallenen wurden der Öffentlichkeit bekanntgegeben, während der vierte als „Unbekannter" verzeichnet war. Nun denn, auch der Name dieses Helden ist nicht mehr unbekannt. Er hieß Samuel Eisenberg und war unter dem Namen Samuel Martin registriert. Er ist der Sohn jüdischer Eltern in meinem Wahlkreise Chicago. Es ist für unsere Verhältnisse nicht ganz uninteressant, zu erfahren, daß dieser brave und mutige Jüngling sich, wie es viele im Auslande Geborene zu tun für gut halten, unter einem „110m dt^uore" anwerben ließ, um auf diese Weise in gewissen Zweigen unseres Militärdienstes leider bestehenden Vorurteilen zu begegnen. Wenn ich es nun aus der Tiefe meines Herzens bedauere, daß überhaupt Menschenleben verloren gingen, so muß ich doch zugeben, daß ich Genugtuung empfinde darüber, daß unter den ersten vier Opfern, welche für die Ehre unseres Landes ihr Leben einbüßten, ein Jude aus meiner Stadt sich befindet, und daß auch zwei andere junge Männer unter den Toten von Emigranteneltern stammen. Dies ist ein neuerlicher klarer Beweis dafür, worauf ich wiederholt hingewiesen habe, daß unsere Einwanderer unsere freien Einrichtungen schätzen und auch in Zukunft schätzen werden, und daß sie zu jeder Zeit bereit sind, diese Einrichtungen mit ihrem Leben zu verteidigen, gerade so wie jeder Amerikaner, der vielleicht in der Lage ist, eine lange Ahnenliste amerikanischer Abstammung nachzuweisen. Dies zeigte sich auch bei dem ersten Berichte, den unsere Regierung nach Ausbruch des spanisch-amerikanischen Krieges erhielt. Auch damals war ein Jude das erste Opfer. Aber es ist nicht das erstemal in unserer Geschichte, daß Juden oder Bürger, welche in anderen Staaten geboren wurden, einen so herrlichen Beweis erbrachten, daß sie stets bereit seien, für die Ehre der Vereinigten Staaten zu den Waffen zu greifen. Als im Jahre 1848 derselbe Hafen Verakrut eingenommen wurde, da war der Vater meines Kollegen Lewi aus Neuyork, Kapitän Philipp Lewi, der erste, der dort landete und zum Hafenkapitän ernannt wurde." Sabath schloß mit folgenden Worten: „Herr Vorsitzender! Soeben wird mir eine neue Liste von Toten und Verwundeten überreicht, und abermals finde ich an der Spitze Namen von Juden. Jawohl, meine Herren, Sie können sich auf unsere jüdischen jungen Leute verlassen, möge es kommen, wie es wolle!" Die Rede wurde mit großem Beifall belohnt. Für die hungrigen Kinder in Jerusalem. Von Frau Joseph Weill, Ingweiler, 20 Jl. Von der Sekretärin Jolande Falk, Diemeringen, 5 M. Sprechsaat. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktionkeine Verantwortung.) Die frommen Reisenden, die unter den harten Entbehrungen langer Reisezeiten glauben, sich den Genuß von Käse gestatten zu dürfen, weil er „nur" rabbinisch verboten sei, seien auf ein Vorkommnis hingewiesen, von dem die Allg. D. Kolonialwaren- Zeitung, Nr. 22 o. 28. Mai, berichtet. Darnach ist ein Molkereibesitzer in Bergheim von der Strafkammer zu 3 Wochen Gefängnis und 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er dem Käse Schweineschmalz zugesetzt hatte. Wiederum bewährt sich das alte Wort: Wie wunderbar wahr find die Worte unserer Weisen s. A. Ne. Geschäftliche Mitteilungen. Ein neues Bankgeschäft. Eines der ältesten elsässischen Bankgeschäfte, die Bank Meyer s r 6 r e s , Ingweiler, eröffnet hier in Straßburg eine Filiale, Neue Straße 241. Dieses Haus, das schon mehr als 50 Jahre existiert, empfiehlt sich für die verschiedensten Bank- und. Börsenoperationen, die aufs sorgfältigste' ausgesührt werden. Mutter und Solin. Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch-Weiß. „Der Anfall ist, Gott sei dank, vorüber, aber ich Hab' doch um den Doktor geschickt. Und von Reisen ist keine Rede; ich hätte unterwegs keine Minute Ruhe," sagte Josef. „Aber, wenn sie in ein paar Stunden besser wird, können wir doch fahren," warf sie halsstarrig ein. Josef fuhr jäh herum. „Nein,' nein, nicht heute, nicht morgen!", sagte er mit harter Stimme. Es tat ihm so unendlich weh, daß sie den Zustand seiner Mutter nicht beachtete, mit keinem Wort an sie herantrat, daß sie nur an ihre Reise dachte... Er sollte aber noch überrascht werden. Von seiten Regis folgte eine maßlos heftige Szene. Was sie alles sagte, nein, nicht sagte, sondern kreischend herausschrie, kam ihr wohl selber nicht ganz zunc Bewußtsein. Sie machte ihrem Mann die schrecklichsten Vorwürfe, daß er sie schlecht behandle, daß ihm die Mutter alles und sie ihm nichts sei. Sie klagte die Schwiegermutter der Verstellung, der List an; sie fingiere das plötzliche Unwohlsein, um ihr, Regi, das Vergnügen zu stören. Dann lief sie in ihr Zimmer, schloß sich ein, riß den Hut vom Kopfe und warf ihn zu Boden, ebenso ihr schönes Winterjackett, und trat und stampfte wie eine Wilde darauf herum. Es verging eine lange Zeit, niemand störte sie.' Unten war der Doktor gewesen. Er hatte es nicht für etwas Schlimmes erklärt, nur absolute Ruhe anempsohlen. Natürlich müßte man hie und da nach ihr sehen. Da Frau Schlesinger schon einige Nächte wenig geschlafen hatte, verschrieb er für diese Nacht ein Schlafpulver. Die rasende Wut war nach und nach bei Regi verflogen. dafür strömte jetzt der Tränenregen unaufhaltsam aus ihren jungen Augen. Sie legte den Kopf auf den Tisch und weinte, weinte, weinte. Da hörte sie plötzlich Schritte auf der Treppe- und dann, wie an der verriegelten Tür gerüttelt wurde. „Öffne!", sagte Josefs Stimme. Er sprach nur dieses eine Wort, aber so gebietend, daß sie auf einmal nicht den Mut solid, ihn lang warten zu lassen. Sie hob erst den mißhandelten Hut und das Jackett auf und legte beides auf einen Platz, wo er sie nicht sehen konnte, dann ging sie zur Tür und schob den Riegel zurück. Regis Gesicht sah vom Weinen ganz verschwollen aus. Aber jetzt stand Josef ihren Tränen nicht fassungslos gegenüber; seine Stirne war gefurcht, und er sah sie mit finsteren Blicken an. „Du bist ja eine ganz von Gott verlassene Frau!" sagte er mit vor Schmerz und Zorn bebender Stimme. „Wie hast du dich so schlecht zeigen, wie so etwas gegen meine teure Mutter wagen können?" Wäre die Bezeichnung „teure Mutter" nicht gewesen, so wäre ihm Regi entgegengekommen: denn sie hatte ja schon ihren Ungestüm selber bereut; so brachte es sie wieder aufs neue außer sich; denn ihre ganze Eifersucht wurde dadurch entfacht. (Fortsetzung folgt.)

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