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Das jüdische Blatt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Klatt. Nr. 22 hat sein Amt immer zur Zufriedenheit der ganzen Gemeinde ausgeübt. Alt und Jung gab ihm das Geleit auf seinem letzten Gang. Sein Sohn wird sein Nachfolger. Stotzheim. Schwer heimgesucht wurde die Familie David Weil! von hier. Der vor etwa 3 Jahren verheirateten Tochter starb nach kurzer Krankheit infolge von Blutvergiftung der Gatte Benoit Bloch im Alter von 32 Jahren, wohnhaft in Trimbach (Kreis Weihenburg). Er war sehr beliebt bei Juden und Nichtjuden. Er war ein frommer, gesetzestreuer Israelit und war sehr gut und stets bereit die Armen zu unterstützen und ihnen beizustehen, wo Hilfe verlangt wurde war er immer am Platze. An ihm verliert Gattin und Kind einen pflichttreuen Vater und Gatten. Möge der Allmächtige der schwergeprüften Gattin nebst der ganzen Familie Trost senden. Winzenheim (O.-E.). Zu den hiesigen Veteranen, die die Medaille erhielten, gehört auch Herr Leon Müller. Kayern. karbach (Unterst.) Die hiesige Lehrerstelle wurde Herrn Lehrer Moses Gutmann (aus Heidenheim), zurzeit in Reckendorf, übertragen. Nürnberg. (Allgemeiner Deutscher Kantorenverband.) Auf der hier abgehaltenen 4. Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes am 20. April d. I. wurde nachfolgende Resolution angenommen: „1. Der 4. Kantorentag des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes nimmt nach eingehender Besprechung mit Bedauern davon Kenntnis, daß die Anstellung nicht einwandfreier und allgemein wie fachlich ungenügend vorgebildeter Beamter, entgegen den bestehenden Anstellungsvorschriften und unter gänzlich unzureichenden Gehaltsverhältnissen, insbesondere in den östlichen Provinzen Preußens in erschreckendem Maße zunimmt. Der A.D. K. V. protestiert aufs schärfste gegen eine derartige Herabwürdigung des Kantorenberufs und die dadurch bedingte Schädigung des jüdischen Gemeindelebens und erwartet von den Gemeinden und den zuständigen Behörden tatkräftige Unterstützung in seinem Bestreben, einen nach jeder Richtung geeigneten, seiner hohen Aufgabe durchaus würdigen deutschen Kantorenstand heranzubilden. 2. Ausgehend von der Erkenntnis, daß inländisches Beamtenmaterial zurzeit in Deutschland nicht ausreichend vorhanden ist, weist der A. D. K. V. auf folgende Wege zur Beseitigung der oben bezeichneten Mißstände hin: a) Gründung einer Kantorenfachschule bzw. Umgestaltung bestehender Lehrerbildungsanstalten in solche zur Ausbildung von Kantoren und Lehrern; b) Unterstützung finanziell schwacher Gemeinden bei Anstellung von Beamten; c) Schaffung von Stipendien zur Gewinnung deutscher Jünglinge zum Kantorenberuf. 3. Der 4. Kantorentag beauftragt den Ausschuß des A. D. K. V., geeignete Maßnahmen zur Ausführung dieser Vorschläge zu treffen." — Wir hätten es lieber gesehen, wenn die, wenn auch verdeckte, Abwehr gegen Ausländer unterblieben wäre. Nürnberg. Wanderarmenfürsorge. Ter Zentralverein Nürnberg-Fürth hatte für heute eine Versammlung von Rabbinern und Delegierten der Gemeinden einberufen zu einer Aussprache über eine Organisation der sogenannten Wanderarmenfürsorge in Bayern. Erschienen waren an die 40 Personen aus etwa 15 Gemeinden. Das — die Frage naturgemäß nicht erschöpfende — Referat stellte als Ziel auf: Hebung der Lage der Wanderarmen, Entlastung der Gemeinden, Beschränkung des Wanderbettels. Die Behandlung, im Geiste der deutschen Zentralstelle f. j. W., ergab als Resultat die Empfehlung der Kassenorganisation, während die Schaffung einer Arbeitsstätte, mit Rücksicht auf die zu erwartende reichsaesetzliche Regelung und aus anderen Gründen, jetzt nicht in Betracht kommen könne. Gerade diese Forderung, Schaffung von Arbeitsgelegenheit, wurde von mehreren Rednern u. a. auch mit der Begründung, daß dabei auch die aus ernsten Bedenken heraus der Kassenorganisation in ihrer jetzigen Form Entgegenstehenden Mitarbeiten könnten und würden, in der Debatte propagiert, die auch sonst manches zu Bedenkende und manches Bedenkliche zutage förderte. Es fiel so manches Wort des verständnisvollen Mitgefühls für die Not der Armen, aber auch Egoismus wagte sich hervor, bis zu der — nicht neuen — Behauptung, es würde zu viel Geld ins Ausland gesandt. Bamberg kann sich von der Organisation keinen Vorteil wie für die Kassen versprechen. Auch München ist entschieden dem Projekt abgeneigt. Das von Berlin erlassene Schema F versage vor der rauhen Wirklichkeit mit ihrem nicht in Paragraphen faßbaren Elend. Auch sei sehr zu beachten, daß die Gemeinde Berlin selb st von der Wirksamkeit der Zentralstelle sich wenig befriedigt zeige. Das mahne besonders zur Vorsicht. Augsburg bleibt fern, solange München sich nicht anschließt. Von geringerer Bedeutung für die Allgemeinheit ist die schließliche „Annahme" einer Resolution, die sich für Zentralisation mit dem Ziele des Anschlusses an die norddeutsche Organisation ausspricht. Vermieden wurde eine beschlußmäßige Stellungnahme zu der von einzelnen Rednern verschieden beantworteten Frage, ob die Angeschlossenen die Verpflichtung übernähmen, die bei ihnen Vorsprechenden abzuweisen. Ein Spiegelbild der Stimmung im Lande war die Versammlung schon darum nicht, weil die Landgemeinden fast gar nicht vertreten waren. Dies und die Tatsachen, daß der nach mehrstündiger Aussprache verbleibende Rest der Frage so ziemlich noch das ganze Problem umfaßt, daß ferner wirklich positive Arbeit zunächst nicht geleistet werden soll, zwingt alle selbständig Denkenden für jetzt, noch zu abwartender Stellungnahme. Preußen. Köln. Die in der Zeit vom 17. bis 24. Mai d. I. für den Jüdischen Nationalfonds eingegangenen Spenden betragen Mk. 10 924.32. Hiervon entfallen auf Rußland Mk. 4397.27, Oesterreich Mk. 2078.83, Nordamerika Mk. 1670.79, Galizien Mk. 1448.70, England Mk. 1328.33. Diverse Eingänge Mk. 0.40. Kaden. Lahr i. B. Herr Kaufmann Lazarus Maier und seine Gattin Frau Julie geb. Bloch feierten diese Woche das Fest der goldenen Hochzeit. Beide sind allgemein beliebt und geachtet. Von nah und fern liefen zahlreiche Glückwünsche ein. Rheinbischofsheim. Vorigen Samstag hielt Herr Lehrer L e v y in seiner vor 50 Jahren angetretenen Stelle zu Cönen (Rheinland) einen Dankgottesdienst ab. Die Gemeinde nahm innigen Anteil an dieser Weihefeier, obschon wenige mehr da waren, die Herrn Levy im Amte von damals her noch kannten. A<1 multos aimos! Für die hungernden Kinder in Jerusalem. Liga Quatzenheim gesammelt von Marthe Levy und Caroline Reh Jl 23.91. — Von Raphael Levy, Sao-Paulo (Brasilien) Jl 10.—. Druckfehler-Berichtigung. In dem in voriger Nummer erschienenen Artikel „.J’accuise" hat sich ein bedauerlicher Druckfehler eingeschlichen. Statt „Anziehungsgott der Geschlechter" muß es heißen: „Anziehungspunkt".

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