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Das jüdische Blatt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Reich und Ausland: Lettungsprelslllte. Vayern: Leitungsnummer S4S. Geschäftsstelle: > > M. DuMont Tchauberg, Tlratzburg i. Elf. -- Vertretung für Bayern und Württemberg: Mar Eichinger, König!. Hofbuchhündler, Büsbach ^Bauern). Zu beziehen: Durch die Geichüftsstelle: autzerdem in Stratzburg durch die Elsässtschc Bktlenaesc»k<üaf< vorm. B. Um ne!. In Base! durch I. Uardmann.» Socinsrraße 36. In Zürich durch A. Schneider. Badenerstraße 123. ■— " Bezugsbedingungen: Pro Quartal ster Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. dal Vierteljahr, 10 Fr. da? Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da- Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. I» England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede ipottanftalt entgegen. V. Zabrgang. Stratzburg, 27. /ibarz 1914, 29. Adar 5674. Nr. 13 Inhalt. Leitartikel: Gottesopfer. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Bücherbe'pret^ung. — Sprechsaal — One bonne le<?on. — Gedalja. — Inserate. Zu chottesopfer. Von Dr. A. Debre. pnp nojosy mpo bs -iöik 'idv> ’m .mm1? mm1? ns pnns xbv kvi ttq Rabbi Jose sagt, überall, wo das Wort „Opfer" erwähnt ist, wird es mit dem unaussprechlichen Gottesnamen verknüpft, um den Minim die Möglichkeit zu nehmen, das Judentum herabzusetzen. Das Buch der Schule ward heute aufs neue entrollt, jener Teil des Gotteswortes, den altjüdische Erziehungsweisheit dem Kinde am Beginn seines Studiums zuerst oorlegte. Es beginnt mit der Lehre vom Opfer. Sollten doch unsere Kleinen für alle Zeiten unverwischbar in ihr Bewußtsein aufnehmen, daß das Judentum keine Erbauungsreligion, daß die schönsten Worte und die lebendigsten Gefühle unser Verhältnis zu unserem Vater im Himmel nicht erschöpfen. Mögen wir dem gütigen Geber wunderbarsten Lobeshymnen singen, mögen wir im Bewußtsein unserer Schuld in tiefster Zerknirschung vor dem ewigen Richter uns beugen. Nimmer genügt es. Wenn unser Dank für die Güter dieser Welt uns nicht dazu führt, an einem Teil derselben nach Gottes Willen die Kraft der Entsagung zu üben, wenn unsere Reue nur den Stachel in unsere Seele zu drücken vermag, ohne die Kraft auszulösen, unser Unrecht durch Opfer zu sühnen, dann haben wir des Thorageistes noch keinen Hauch.verspürt. In den Dienst des bloßen Gefühles der Scheu und Verehrung vor dem höchsten Wesen lehren wir unsere Kinder die opferwillige Tat stellen. Aber diese an sich zweifellos richtigen Gedanken, die nunmehr seit reichlich einem Jahrhundert unaufhörlich gepredigt werden, stellen in ihrer Einseitigkeit wiederum nur eine Abfindung an das Judentum dar; denn das Wesen der Thora wird nie und nimmer charakterisiert durch das Wörtchen Gesetzesreligion. Mißverstehen wir jedoch jenen Großen nicht, auf den dieses Wort und diese Predigt letzten Endes zurückgehen. Er dachte keineswegs daran, sich in einen Gegensatz zum Gedankeninhalt der Bibel zu stellen. Er vermeinte nur die Lebensanschauung, die die Offenbarung als ein frühzeitiges Geschenk dem Menschengeschlecht in die Wiege gelegt hatte, von dem gesunden Menschenverstand selbst erfragen zu können. Er träumte den rationalistischen Traum von der restlosen Lösung der ewigen Probleme durch die Weisheit der Sterblichen. Gottes Gedanken wurden den Menschengedanken gleich, Gottes Wege den Wegen der Menschen. Da kam es denn, daß nach Mendelsohn und weit über seine Meinung hinaus auch die treuen Juden, wenn sie auf die tiefsten Fragen des Lebens Antwort suchten, nicht mehr das Buch des Lebens entrollten, sondern die Bücher der Wissenschaft. Ihre Tat wollten sie Gott wohl unterstellen, aber ihre Gedanken sollte ihnen das Judentum zollfrei lassen. Im praktischen Leben da blieb das „ich" klein und Gott groß. Aber in der Theorie da kam breit und selbstbewußt das „ich" glaube, „ich" behaupte. Wie schnell war das einheitliche Gedankengefüge, das jener alte Mosche Dessau mit Hilfe der allgemeinen Vernunft in schließlicher Uebereinstimmung mit der Thora aufbauen wollte, niedergerissen. Es tauchten beinahe so viele „ichs" auf, als es Personen gab. Man trieb voraussetzungslose Wissenschaft, und man war tolerant gegen die vielen Meinungen der „Ichs". Vielleicht war die eine Meinung recht, vielleicht die andere. Wer wird auch so unbescheiden sein, sich allein für den Klugen und die anderen für beschränkt auszugeben. Die Wörter Min, Apikaures, Mumor verschwanden aus dem religiösen Lexikon. Nur dann und wann, wenn einer so anmaßend war, zu sagen, meine Weisheit gilt auch in Weltanschauungsfragen nichts; ich will hören, was uns göttliche Weisheit lehrt. Nur dann, wenn einer von dieser göttlichen Weisheit nicht zugeben wollte, daß vielleicht sie im Rechte, vielleicht aber auch die Anschauungen der „Ichs"; nur dann hörte die schöne Toleranz auf. Dann aber auch gründlich. Wie durfte es der aber auch wagen, mit „unerwiesenen und umstrittenen Dogmen" zu Juden zu kommen. Wenn man ihn „Katholik" oder selbst „Ketzerriecher" nannte, so war das noch ein Kompliment. Seine Ehrlichkeit durfte man ruhig in Zweifel ziehen. — So wurde die Thora: Moral und Zeremonie. Im besten Falle wurde aus der Zeremonie auch noch Moral. Ich sagte es schon, unsere Weisen haben für diese Selbstsicher-

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