Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das jüdische Matt. 13 Dr. Guggenheun, Westhofen, von Ungenant B. $). 12 M. für die Iesüiilva. -- Wwe^ Aufcher Bauer, Romansweiler 2 1. - Moi e u- Max Roos, Romansweiler 5 M. — Wwe. G. Frank, Gerftheim 10 M. — Ungenannt, Gerstheim 10 M. — Gemeinde Rothenburg a. T. 50 M. ZLriefKasten. Dr. S. 21. in A. Herzlichen Glückwunsch zum glücklich bestandeuen Dottoreramen und viel Glück in Ihrem neuen Berufskreis. Der Sprechsaalartikel kann infolge Raummangels erst nächste Woche erscheinen. U. Hedal'jal). Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. „Ich leugne es in aller Ewigkeit nicht," erwiderte die gegnerische Stimme, „und ich bin nicht der Einzige, der es ist. Was kümmert's uns armes Volk, wie es um das Land steht. Wir haben keinen Vorteil, wenn der König über die Großen oder die Großen über den König regieren; unser Los bleibt ein gleich elendes, so dienen auch wir demjenigen, der uns besser bezahlt." „Schmach über Dich und Deine Meinung", rief der erstere entrüstet, „bei dem Gotte Zebaoth, der Mund müßte auf immer verstummen, der solch elende Reden führt." „Friede mit Dir," sagte ein Mann, der ganz vorn im Kreise stand, zu einem andern, „Du scheinst ein Fremdling zu sein." „Das bin ich auch," gab der Angeredete zurück, nachdem er den hebräischen Gruß erwidert. „Woher kommst Du, wenn man fragen darf?" „Aus dem Gebirge Naphthalie." „Hat Dich auch die Ankunft der fremden Boten nach unserer Stadt gelockt?" „Das nicht, ich kam geschäftshalber nach dem heiligen Jerusalem." . „Warst Du schon oft hier oder schaun Deine Augen zum erstenmal die Stätte, wo die Herrlichkeit Gottes thront?" „Zum erstenmal und ich bedauere es sehr; denn ich kann mich in Euren vielen Straßen und Plätzen gar nicht zurechtfinden und weiß noch nicht, wo ich einkehren soll." „Wenn es so ist, so wohne und esse bei mir," sprach der Jerusalemer freundlich. „Es wird mir Freude bereiten, wenn Du in meinem Hause den Segen über das Brot sprechen wirst." „Hab Dank für Dein liebreiches Anerbieten," versetzte der Naphthalie. „Ich nehme es an. Wenn Du nach meinem Stammsitz kommst, sollst Du ein lieber Gast in meinem Hause sein. Doch sage mir," fuhr er fort, „wer ist der hagere Mann, der in Prachtgewändern und mit einem solch großen Gefolge erscheint und den ersten Platz einnimmt?" „Fürst Menascheh, der erste Kronbeamte des Landes." „Ist er so beliebt unter dem Volke, daß ihn die Menge so begrüßt?" „Im Gegenteil, gefürchtet ist er; denn er ist mächtiger als der König, und was er will, geschieht. Der halbe Adel des Landes zählt zu seiner Verwandtschaft und alle Würden und Ehren gehen aus seinen Händen aus. In den öffentlichen Versammlungen läßt er klüglicherweise dem König das Ansehen, aber das Volk weiß doch, wer das Szepter führt, ^und daß ein Wort von ihn? oder von Jsmael alles vermag." „Jsmael, ist das nicht der Oberste der Leibwache?" „Wohl ist er's, ein Neffe des Königs, ein böser, finsterer Mann, dem jeder scheu aus dem Wege geht, wenn er durch die Straßen schreitet; denn seine Neigungen, wenn sie erwachen, sind wild und böse und sind verderbenbringend wie der Tod." „Traurige Bilder entrollst Du vor meinen Augen," sagte der Mann aus Naphthalie. „Wir, die wir als Hirten in dem fernen Stammsitz wohnen, wissen nicht, daß solche Männer in Jerusalem an der Spitze stehen und daß die Zustände solcher Art sind." „Wie sie nicht schlimmer sein können", fuhr der Jerusalemer leise fort, „und jeder fühlende Mann empfindet es tief;' doch die Stimmen der Gerechten verhallen und die Lasterhaften triumphieren, die Großen bereichern sich durch Raub und Unrecht, und das Volk, in Elend und Abgötterei versunken, muß gehorchen. Jirmejah, der Prophet, der mit Flammenworten die Wahrheit Gottes kündet und vor dem Zorn des Ewigen warnt, wird nicht gehört, aber die Lügenpropheten, die durch die Straßen wandeln und predigen und goldene Verheißungen machen, das Volk in Schlummer wiegen und es betören und die Wünsche der Mächtigen des Landes verbreiten. Ich sage Dir, Naphthalie, danke dem Ewigen, Deinem Gott, daß Du in deinem Stammsitz wohnest und nicht diese Gräuel mit ansiehst, denn es kann nicht lange dauern, so wird ein Sturm über unsere Häupter heranziehen. Doch sieh", unterbrach sich der Mann nach tiefem Atemholen, und ein Zug der Freude fuhr über sein ernstes Gesicht, „da ist ja auch schon Gedaljah und Jochanan. Fürst Gedaljah ist ein Landsmann von Dir, Mann aus Naphthulie", fuhr er fort, „vor vielen Jahren veräußerte er sein Erbgut daheim und zog nach Jerusalem, wo er sich ankaufte, um ein Schüler des Gottesmannes Jirmejah zu werden und zu seinen Füßen sitzend die Gottesworte zu hören. Sein Herz ist wie Honig so mild und mit vollen Händen streut er den Ueberfluß, den ihm Gott gegeben; auch diesmal hat er wieder den Segen seiner Aecker und Felder unter di? Dürftigen geteilt, wie er es jedesmal tat, wenn keine gute Ernte ist und Teuerung droht." „Und wer ist Jochanan, und welcher ist es?" „Der schöne junge Kriegshauptmann, der uns zur Rechten steht; es ist der Bruder meines Weibes und Oberster der Reiterei," setzte der Jerusalemer mit sichtlichem. Stolze hinzu. „Gehörst Du denn auch zu dem Adel de.» Landes, da Einer aus Deiner Familie eine solch hohe Stelle bekleidet?" fragte der Naphathalite befremdet. „Das nicht. Der Vater meines Weibes, w/r sogar lange Jahre Gärtner im königlichen Schlosse, er diente Zidikjah zur Zeit, als der König noch ein Fürst war. Jochanan, der das tapferste und edelste Herz hat, das je unter der Sonne geschlagen, hat sich schon in mehrfachen Kriegen ausgezeichnet, sogar dem Könige einen großen Dienst geleistet, und so hat ihn dieser zu dieser Stelle erhoben; doch das erzähl ich Dir, wenn wir in meinem Hause sind, denn jetzt erscheint der König mit seiner Leibwache." (Fortsetzung folgt.) MMtsr1eI>o5 und rKech Ghe?^ri|l:abor; DrlN.Moses. 100 g'.pbse Köfjenfickepst:r.i98 a.^FKilo." VkI