Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11> Dns jüdische Dlalt. üer. 7. Briefkasten. S. in G. Der Artikel AA,» der Kirchengemeindsnrdiumg, der in dem Artikel „Wandlungen" voriger Nummer angeführt wurde, heißt! „Innerhalb A Tagen nach der Bekanntmachung des Wahlergebnisses kann von der kirchlichen Oberbehörde die Wahl von Personen beanstandet werden die durch öffentliche Handlungen eine Verachtung des Gottesdienstes und der Religionsgebräuche zu erkennen geben." Sprechsaal. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Eine Dittel!! Soeben zeigt mir ein Freund der jüdischen Sache eine Nummer des in Nürnberg erscheinenden Fränkischen Kurier, welche einen Artikel enthält, anscheinend von der liberalen Seite meiner Glaubensbrüder stammend, der als Antwort auf einen andern im Bayr. Kurier das Licht der Welt erblickte, wahrscheinlich als orthodoxen Hcrzenserguß, die Kenntnis der staunenden Welt, in bezug auf die Streitigkeiten innerhalb des Judentums, bereichern soll. Ob Sie nun neologer oder orthodoxer Kämpfer sind, Ob Sie links oder rechts stehen, Ob Sie auf dem Boden des überlieferten Judentums sich befinden, oder ob Sie glauben, daß dasselbe modernisiert werden muß, Sie glauben doch alle sicher, wenn Sie kämpfen, für unsere heilige Religion zu wirken und wollen doch nicht nur deshalb schreiben, um die Größe Ihrer Geistesgaben glänzen zu lassen? Dann aber müssen Sie unschwer einsehen, daß nichts dem Ansehen des Judentums so sehr schadet, als wenn dessen häusliche Zwistigkeiten in den politischen und Tagesblättern hineingezerrt werden. Wir haben jetzt das Glück, so viel jüdische Zeitungen lesen zu können, in allen Schattierungen, so sogar welche ohne jede Spur einer bleibenden Schattierung, daß jedem, der im Kampfe des Tage? auf journalistischem Gebiete sich tummeln will, hier Raum genug geboten ist. Für völlig verfehlt aber erachte ich es, wenn die Behörden oder allerhöchsten Persönlichkeiten in diesen Zeitungskrieg hineingezogen werden und dazu dienen sollen, die Glorie der einen oder andern Partei in erhöhtem Grade erstrahlen zu lassen. Also ich bitte, bitte, recht ergebenst, nehmen sie die jüdischen Blätter zur Hilfe und lassen Sie alle andern Zeitungen ungeschoren, lo lange erstere ihre Spalten Ihnen öffnen. R eg. Rebe s. Kaß und Lieöe. Line Erzählung aus der Zeit der ungarischen Freiheitsbewegung. Von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Lea weinte, schluchzte und' wollte den geliebten Mann durchaus nicht in dieser Mordgrube lassen, wie sie sich ausdrückte. Rahel sagte kein Wort. Wie konnte s i e auch da raten. „Ob Mirjam von dem Unglück eine Ahnung hat", sagte Samuel plötzlich. „Es scheint nicht, denn drüben im Nachbar- Hause ist's ganz ruhig. Wenn ich sie herüberholte, sie wüßte vielleicht einen Rat." Er vollendete den Satz nicht. Aus dem Hause ertönte in diesem Augenblick ein herzzerreißendes Jammern und nach wenigen Minuten stand schon Mirjam im Zimmer mit bleichen, verstörten Zügen. Sie wollte sprechen, es war ihr aber unmöglich, einen Laut über die Lippen zu bringen; sie faltete nur mit einem verzweifelten Ausdruck die Hände und stiirzte vor Lazarus nieder. „Ich werde tun, was'nur in eines Menschen Kraft liegt", sagte Simon als Antwort auf diese stumme Muttersprache und hob sie mit Hilfe der Tochter auf. „Beruhigen Sie sich nur, bevor Sie kamen, hatte ich schon meinen Entschluß gefaßt. Beruhigen Sie sich, ich weiß schon alles." „Nein, nicht alles", rief Mirjam außer sich. „Nicht, daß er morgen dem feindlichen Kriegsgericht übergeben wird, das ihm fein — sein — Todes — Todesurteil sprechen wird. Herr Gott, erbarme Dich meiner, es ist mein Sohn, mein einziges Kind!" Allen erstarrte das Blut in den Adern. Rahel umfaßte die wankende Frau und zog sie auf einen Stuhl. „Fassung, Fassung", flüsterte sie ihr besänftigend zu, sie, die selbst nach Fassung rang. „Nein, Rettung, Rettung!" schrie Mirjam in wildem Schinerz. „Er hat sich für Euch geopfert, rettet ihn, ich Hab' ja nichts auf dieser Welt als ihn." „Frau Nachbarin, ich werde tun, was nur ein Mensch imstande zu tun ist", sagte Lazarus mit fester Stimme; „darum beruhigen Sie sich. Ihr Schmerz ist gerecht und ich ehre ihn, obwohl ich keine wissentliche Schuld an dem Opfer ihres edlen Sohnes habe; ich hatte keine Ahnung davon, sonst hätte ich es verhindert. Jetzt sagen Sie mir, wie Sie zu diesen schrecklichen Nachrichten kamen, wer sie Ihnen gebracht hat? Sie können doch am Ende falsch sein." Und Mirjam erzählte. Sie hatte von Angst und Sorge den ganzen Abend auf die Nachhausekunft des Sohnes gewartet, der sich noch nie so verspätet hatte. Vor einer Viertelstunde war plötzlich Feitel ins Zimmer gestürzt in einem halbwahnsinnigen Zustande und hatte ihr die ganze entsetzliche Geschichte mitgeteilt. Wie er Lazarus in Uh Gzöny denunzierte, um ihn an den Galgen zu bringen, und wie sich Jonathan ins Mittel gelegt und die Gefahr von Lazarus abgewendet. Dann wie er den Grafen um Gnade und Erbarmen angefleht und dieser ihm mit festen Worten angezeigt: Morgen werde der Doktor ins Lager gebracht und dem Kriegsgerichte übergeben, wenn sich der wahre Verbrecher nicht-zeigte. Unmöglich läßt sich die Wirkung beschreiben, die diese Mitteilung auf die drei Personen machte. Samuel hatte sie nicht mehr gehört, denn er hatte sich vor einigen Minuten unbemerkt aus dem Zimmer entfernt. „Feitel, Feitel!" rief Lazarus aus, und der heiße Jähzorn kochte gewaltig in seinem Herzen auf, „also er! Warum fiel mir nur dies nicht gleich ein? Zu einer solchen Schandtat ist doch nur ein Mensch fähig. ... Er. Ha, ha, und Sie kommen 311 mir, wagen zu mir zu kommen, für Ihren Sohn zu flehen? Bodenlose Frechheit das! Was wollen Sie denn bei mir? Ihr Mann hat der. Verrät angezettelt, es war also die Schuldigkeit Ihres Sohnes, sie zu verhindern. Was küminert mich die Sache mehr." „Vater", unterbrach ihn die Tochter, als sie die furchtbare Angst und Verzweiflung sah, die sich auf dem Gesichte der armen Frau aussprach. „Schweig!" befahl der erbitterte Mann. „Laß mich Deine Stimme jetzt nicht hören, denn sie könnte mich an manches erinnern, das ich selbst in der Erinnerung ausmerzen möchte. Was geht mich das Gesindel an. Hat es sich was eingebrockt, soll es auch verschlucken." „Vater", rief Rahel mit blitzenden Augen und das Rot des empörten Gefühls trat in ihre bleichen Wangen. „Ich erkenne Dich in diesem Augenblicke nicht. Wo ist heute Deine stets bewährte Gerechtigkeit, daß Du ein unschuldiges, elendes Weib beleidigst und mit harten Worten kränkst. Was willst